Projekt KlassenCheckUp

30.6.2010

M 03.07 Ampelsystem zur Auswertung

Am Beispiel der Ampel als Kennzeichnungsmöglichkeit für die Gesundheitsverträglichkeit von Lebensmitteln erklärt dieses Material wie dieses Verfahren der Kennzeichnung für die Untersuchung des Klassenklimas genutzt werden können. Unterschiedliche gestaltungen der zu bewertenden Aussagen werden berücksichtigt.

Eine Langzeitbelichtung zeigt eine Ampel in Hamburg. Fast 50 Prozent aller Autofahrer in der Bundesrepublik missachten regelmäßig Vorfahrtsregeln. Das geht aus einer Studie hervor, die der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart vorstellte. Das Stoppschild sei mancherorts zur "bedeutungslosen Straßendekoration verkommen" sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Laut ACE gingen im Jahr 2007 in Deutschland mehr als 98.000 Verkehrsunfälle auf die Missachtung einer Ampel oder eines Stoppschildes zurück.Signalfarben einer Ampel (© AP)

Funktion von Ampelsystemen

Die Ampel kennen wir aus dem Straßenverkehr. Schon jedes Kind lernt früh die Bedeutung der unterschiedlichen Farben einer Ampel kennen. "Bei Rot musst du stehen, bei Grün darfst du gehen!" Zumindest Rot und Grün sind schon früh als Signalfarben für "Stopp" und "Freie Fahrt" bekannt, Gelb als eine Art Zwischen- oder Übergangsphase bald darauf auch.

Aufgrund seiner Bekanntheit und Eindeutigkeit wird das Ampelfarbensystem symbolhaft übertragen auch in anderen Bereichen eingesetzt, z.B. dann, wenn Dinge bewertet werden und ihre Bewertung schnell optisch erfassbar dargestellt werden soll.

So wird seit einiger Zeit beispielsweise diskutiert, ob man eine Nährwertkennzeichnung für Lebensmittel nach dem Ampelsystem einführen soll – z. B. viel Zucker = rot, wenig Zucker = grün – weil dies, wie Studien ergeben haben, für die Konsumenten viel verständlicher und eindeutiger ist als andere Kennzeichnungssysteme. [1]

Ebenfalls im Controlling [2] findet man das Ampelfarbensystem:

"Das Ampelsystem soll so viele Informationen wie nötig und so wenig Informationen wie möglich zur Verfügung stellen." [3]

Der Vorteil des Ampelfarbensystems: Es ist allgemein bekannt und durch das Farbsignal ist eindeutig erkennbar, wie Dinge beurteilt wurden: Rot = bedenklich, Gelb = im Blick zu behalten, Grün = OK, im "grünen Bereich".

Teilweise werden Ampelsysteme daher auch in der Datenauswertung eingesetzt, um die Datenauswertung zu vereinfachen. Die Ampelsysteme dienen dabei quasi als Schablone für die Dateninterpretation. Im Vorfeld wird ein "Auswertungsschlüssel" definiert, an dem sich die Interpretation der Daten orientiert, so wird beispielsweise festgelegt, ab wann, also bei welchen Werten, etwas als bedenklich anzusehen ist und unbedingten Handlungsbedarf erfordert (rot), welche Werte uneinheitlich oder tendenziell kritisch sind und daher im Auge behalten werden sollten (gelb), aber auch, welche Werte positiv zu deuten sind und eindeutige Stärken aufzeigen (grün).

Beispielampel für den KlassenCheckUp!-Fragebogen

Im Fragebogen zum KlassenCheckUp! sollten Aussagen auf einer 5er-Skala von „stimmt ganz genau“ (5) bis „stimmt gar nicht“ (1) beurteilt werden. Ein Bewertungsschlüssel nach dem Ampelsystem für die Auswertung dieser Fragen könnte wie folgt aussehen:

Halt! Hier ist Handlungsbedarf:
Ablehnungswerte im Antwortverhalten der SuS für diesen Aspekt sind höher als 30%.
(Vorsicht: Bei negativ formulierten Aussagen unter 30% Zustimmungswerte!
Vorsicht! Das sollte im Auge behalten werden:
Die Ergebnisse sind uneinheitlich (beide Extreme werden genannt) oder die Wahrnehmungen der SuS weichen (stark) voneinander ab (hohe Standardabweichung).
Weiter so! Das ist klasse und sollte beibehalten werden:
Bei (nahezu) allen Fragen dieses Bereiches liegen hohe Zustimmungswerte bei positiven Aussagen bzw. hohe Ablehnungswerte bei negativen Aussagen (über 80%) aller SuS vor.


Bei der Anwendung des Ampelsystems für die Datenauswertung sollten unbedingt folgende Aspekte berücksichtigt werden:
  1. Bei negativ formulierten Aussagen hat ein hoher Ablehnungswert eine positive Bedeutung, wird z.B. die Aussage "Ich fühle mich in der Klasse unwohl." (Frage 34) mehrheitlich abgelehnt, so hat dies eine positive Bedeutung und zwar, dass sich die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in der Klasse wohlfühlt.
    Aber auch positiv formulierte Aussagen können eine inhaltlich negative Bedeutung haben, beispielsweise Frage 11 "Bei uns werden einzelne Schülerinnen und Schüler ausgeschlossen."
  2. Bei sehr wichtigen und heiklen Fragen darf der Bewertungsschlüssel nach dem Ampelsystem nicht wie ein Passepartout (festes Schema) eingesetzt werden. Bei manchen Fragen reicht es schon aus, dass einige wenige oder auch nur ein Schüler oder eine Schülerin angibt, dass er oder sie beispielsweise gemobbt wird, Angst hat, zur Schule zu gehen (Frage 35) oder sich in der Klasse unwohl fühlt (Frage 34). Bei solchen Fragen, muss der Bewertungsschlüssel viel sensibler angesetzt werden, so dass hier auch bei sehr geringen Zustimmungs-/Ablehnungswerten Maßnahmen ergriffen werden sollten.
Die Grenzwerte im Ampelsystem sollten vor der Auswertung der Daten gemeinsam diskutiert und für die einzelnen Fragen gemeinsam definiert werden!

Beispiel

Nach dem obigen Ampelschema würde man die Frage (25) "In unserer Klasse gibt es klare Verhaltensregeln.." wie folgt auswerten:

Screenshot der Beispiel-Tabelle 1 (ungruppiert).Tabelle 1 (ungruppiert). (© BpB)
Tabelle 2 (mit neu gruppiertem Antwortschlüssel).Tabelle 2 (mit neu gruppiertem Antwortschlüssel). (© BpB)

Die vier Antwortmöglichkeiten der Skala (s. Tabelle 1) wurden neu gruppiert (s. Tabelle 2). Dazu wurden die beiden ersten Antwortmöglichkeiten der Ablehnung zusammengefasst, die mittlere Bewertung bestehen lassen und die beiden zustimmenden ebenfalls zusammengefasst.

Insgesamt haben nur 10,7% der Schülerinnen und Schüler der Aussage zugestimmt, dagegen aber über 60% angegeben, dass die Aussage nicht stimmt. Nach dem Ampelsystem ist diese Frage mit weit über 30% Ablehnung folglich eindeutig rot gekennzeichnet, es besteht Handlungsbedarf.


Fußnoten:

  1. Buxel, H.: Akzeptanz und Nutzung von Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittel durch Konsumenten, Münster: März 2010, online als PDF.
  2. "Controlling" ist ein Befriff aus der Wirtschaftswissenschaft. Controlling beschreibt einen Bereich in der Unternehmungsführung, der sich mit der Planung, Steuerung und Kontrolle von Zielen und Sollwerten etc. beschäftigt.
  3. Richter, C.: Handelscontrolling. Das Basiswissen für den Einzelhandelscontroller, Renningen: Expert-Verlag 2005, S. 138.


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