Projekt KlassenCheckUp

30.6.2010

Info 04.02 Von den Daten zur Maßnahme

Beispiel

Dieses Material beschreibt exemplarisch, wie der Prozess "Von den Daten zur Maßnahme" aussehen kann. In sechs Arbeitsschritten wird zu einem Befund aus der Datenanalyse eine Maßnahme zur Verbesserung dieses Aspekts des Klassenklimas abgeleitet.

Ziel der in Baustein 3 erfolgten Auswertung der Daten war es aufzuzeigen, wo bzw. in welchen Bereichen Maßnahmen zur Verbesserung des Klassenklimas sinnvoll und angebracht sind. Wenn Sie Konsequenzen aus der Analyse der erarbeiteten Ergebnisse ableiten, sollten Sie unterscheiden:
  • Was kann ich selbst in und mit der Klasse lösen?
  • Wo muss ich mir Hilfe von Dritten holen bzw. Dritte zur Durchführung geeigneter Maßnahmen hinzuzuziehen?
Wenn Sie dies vorab geklärt haben, können Sie zusammen mit den Schülerinnen und Schülern überlegen, welche Schwerpunkte Sie setzen, indem Sie entscheiden:
  • Welcher Bereich erfordert am dringendsten eine Verbesserung?
  • In welchem Bereich können wir schnell und mit geringem Aufwand eine Veränderung herbeiführen?
Anschließend können Sie dann entscheiden, ob gemeinsam Maßnahmen recherchiert werden sollen oder ob Sie den Schülerinnen und Schülern eine Reihe von Maßnahmen zur Auswahl vorstellen, die in der Klasse durchgeführt werden können.

Wie diese Arbeitsschritte "Von den Daten zur Maßnahme" aussehen könnten, soll im Folgenden anhand eines Beispiels aufgezeigt werden:
  1. Schritt: Daten analysieren
  2. Schritt: Gründe klären
  3. Schritt: Handlungsmöglichkeiten finden
  4. Schritt: Entscheidung treffen
  5. Schritt: Maßnahme(n) einführen
  6. Schritt: Aus-Wirkung kontrollieren

Beispiel:

Besipielauswertung.Besipielauswertung "Von den Daten zur Maßnahme". (© BpB)
Nehmen wir an, bei der Datenauswertung hat sich gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse der Aussage "In unserer Klasse gibt es klare Verhaltensregeln." (Frage 25) mehrheitlich nicht zustimmen.

Schritt 1: Daten analysieren

Keine(r) gibt an, dass diese Aussage ganz genau stimmt, lediglich 11,1% (= 3 Schüler/innen) bewerten die Aussage als zutreffend.

Fasst man die fünf Antwortmöglichkeiten der Skala zu drei neuen Gruppen zusammen, so wird dies noch deutlicher: Die beiden ersten Antwortmöglichkeiten wurden zur Gruppe Ablehnung zusammengefasst, die mittlere Bewertung bleibt bestehen und die beiden letzten Ausprägungen der Skala zur Gruppe "Zustimmung" zusammengefasst.

Insgesamt haben nur 10,7% der Schülerinnen und Schüler der Aussage zugestimmt, dagegen aber über 60% angegeben, dass die Aussage nicht stimmt. Mithilfe der Prozentzahlen lässt sich der empirische Befund deutlich benennen.

Als Ergebnis kann hier festgehalten werden, dass die Schülerinnen und Schüler mehrheitlich der Meinung sind, dass es in der Klasse keine klaren Verhaltensregeln gibt. Es besteht durchaus Handlungsbedarf.

Schritt 2: Gründe klären

In einem nächsten Schritt gilt es, die Gründe der Schülerinnen und Schüler für diese Bewertungen zu diesem Aspekt des Klassenklimas zu klären. Gibt es in der Klasse wirklich gar keine klaren Verhaltensregeln? Sind evtl. schon vorhandene Klassenregeln einfach nur bei den Schülerinnen und Schülern nicht bekannt genug? Oder wurde der Aussage deshalb nicht zugestimmt, weil evtl. vorhandene Regeln den Schülerinnen und Schülern nicht klar genug sind.

Diesen Fragen müsste für eine Einordnung und Bewertung des empirischen Befunds nachgegangen werden, wozu sich je nach Klasse verschieden Methoden eignen (z.B. über eine Kartenabfrage, eine anonyme Befragung zu zwei konkreten Fragen oder eine Zielscheibe zu verschiedenen Aussagen etc.). Insbesondere, wenn die Besprechung einer eher heiklen Frage ansteht, ist es sinnvoll, eine Methode zu wählen, bei der die Angaben zur Begründung auch "anonym" gemacht werden können.

Nach der gemeinsamen Klärung der Gründe, welche einen fokussierten Blick auf den Befund ermöglicht und das Problem näher eingrenzt, sollte anschließend im Unterrichtsgespräch die Bedeutung des Befunds für die Klasse sowie das weitere Vorgehen hinsichtlich der Problemlösung besprochen werden. Falls sich im Beispiel herausgestellt hat, dass es in der Tat in der Klasse noch gar keine Klassenregeln gibt, kann darüber entschieden werden, ob Klassenregeln eingeführt werden sollen, es evtl. Alternativen gibt und wie man im Weiteren vorgehen möchte.

Schritt 3: Handlungsmöglichkeiten finden

Nach der Analyse und Bewertung des "Befundes" gilt es im dritten Schritt nun eine oder mehrere Handlungsmöglichkeiten zu finden, die zur Bearbeitung des Problems geeignet wären. Die Recherche und Erarbeitung möglicher Maßnahmen kann unterschiedlich angegangen werden:
  • Mögliche Maßnahmen könnten gemeinsam recherchiert werden, in Einzelarbeit beispielsweise als Hausaufgabe oder in Gruppenarbeit z.B. in Form von einer Internetrecherche oder Literaturrecherche.
  • Eine Sammlung von Maßnahmen kann aber auch auf Grundlage von vorhandenen Erfahrungen und Vorwissen basieren und beispielsweise in Form eines Brainstormings erarbeitet werden.
  • Ein Angebot geeigneter Maßnahmen wird den Schülerinnen und Schülern von der Lehrkraft vorgestellt.
Hinweis: Eine Reihe ausgewählter Maßnahmen und Methoden finden Sie in der kommentierten Linkliste zu den Maßnahmen.

Schritt 4: Entscheidung treffen

Egal welche Variante der Maßnahmenfindung gewählt wurde, muss im vierten Schritt aus der Menge der gefundenen Maßnahme eine Auswahl getroffen und entschieden werden, welche Maßnahme letztlich zum Einsatz kommen soll. Dazu kann man zuerst mittels Punkteabstimmung die Anzahl der möglichen Maßnahmen reduzieren. Zu den noch vorhandenen Maßnahmen sollten anschließend Vor- u. Nachteile erarbeitet werden. Zum Schluss stimmt die Klasse demokratisch darüber ab, welche Maßnahme in der Klasse zum Einsatz kommen wird.

Schritt 5: Maßnahme(n) einführen



Hat man eine oder mehrere geeignete Maßnahmen im Hinblick auf den Befund aus der Datenauswertung gefunden und sich mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam geeinigt, diese Maßnahme einzuführen, geht es um die eigentliche Umsetzung der Vereinbarung.

In unserem Beispiel könnte die Maßnahme "Einführung und Kontrolle von Klassenregeln" ein probates Mittel sein (vgl. die Verhaltensregeln für die Klasse Info 04.03) Unter Umständen – je nachdem, was die Klärung der Gründe für die Bewertung ergeben hat – reicht es aber evtl. auch aus, schon vorhandene Regeln in Erinnerung zu rufen, transparenter zu machen, schriftlich und sichtbar in der Klasse zu fixieren oder aber ein System zur Kontrolle ihrer Einhaltung einzuführen.

Gibt es hingegen noch keine Regeln oder sind die vorhandenen in Vergessenheit geraten, so steht die gemeinsame Erarbeitung von Klassenregeln und Vereinbarungen an, was in folgenden Schritten vollzogen werden kann:
  1. Schülerinnen und Schüler Sinn und Zweck von Klassenregeln erschließen lassen und verdeutlichen;
  2. Sammeln der möglicher Aspekte/Kriterien für die Regeln;
  3. Finden eines gemeinsamen Grundkanons (Methode: z.B. Ampelspiel oder Entscheidungspyramide etc.);
  4. Einigung auf geeignete Konsequenzen bei einem Verstoß gegen die Klassenregeln;
  5. Ausformulieren und Fixieren der Regeln und "Sanktionen";
  6. Regeln für alle "hinterlegen", also zugänglich machen:
    optisch immer sichtbar als Plakat, auf der Online-Lernplattform (z.B. im Moodlekurs) oder auf der Klassenhomepage, als Merkblatt für Schülerinnen und Schüler z.B. für die Mappe etc.
Mit der Einführung von Klassenregeln ist es natürlich nicht getan, es muss darüber hinaus sichergestellt werden, dass die aufgestellten Regeln und Vereinbarungen auch eingehalten werden und bei Bedarf "Sanktionen" erfolgen. Damit dies nicht immer die undankbare Aufgabe der Lehrkraft bleibt, kann man das Einüben und Einhalten von Klassenregeln auch spielerisch gestalten.

Schritt 6: Aus-Wirkung kontrollieren



In den meisten Fällen reicht es nicht aus, eine Maßnahme lediglich einzuführen. Nach einer ausreichenden Zeitspanne, in der die Maßnahme sich "etablieren" und festigen kann, ist es Zeit für eine Reflexion: Greift die Maßnahme? Ist die gewünschte Wirkung eingetreten? Wie hat es mit der Umsetzung geklappt und gibt es schon erste Erfolge? Gibt es evtl. unerwünschte Nebenwirkungen? Sollte etwas an der Maßnahme verändert oder gar eine alternative Maßnahme zum Einsatz kommen? Wie fühlen sich die Beteiligten mit den neuen Vereinbarungen?

Die Reflexion zur Wirksamkeit der Maßnahme kann in unterschiedlicher Form erfolgen, wichtig ist aber auf jeden Fall, ein gleichberechtigtes Feedback von allen Beteiligten einzuholen. Methoden, die sich anbieten sind z.B. Blitzlicht, Evaluationszielscheibe (auf Overheadfolie), Ampelspiel, Hemden waschen etc.

In unserem Beispiel: Regeln prüfen und ggf. weiterentwickeln

Klassenregeln sollten kein starres System sein. Sie sollen dazu dienen, das Zusammenleben und -arbeiten in der Klasse – das Klassenklima – zu verbessern. Gerade zu Anfang aber auch wenn sich die eingeführten Regeln schon ein wenig etabliert haben, sollten sie regelmäßig erneut auf ihre Brauchbarkeit und Aktualität hin überprüft werden: Ist etwas Unsinniges dabei? Gibt es Regeln, auf die man verzichten kann? Regeln, die evtl. aufgrund von veränderter Klassensituation überflüssig geworden sind? Müssen Regeln evtl. konkretisiert werden? Auch diese Fragen sollten in regelmäßigen bei Bedarf – also falls ein akutes Problem bei der Einhaltung der Regeln auftaucht – auch unregelmäßigen Abständen in der Klasse thematisiert werden.

Grundsätzlich sollten Sie bedenken, dass die meisten Problemlagen oder diagnostizierten Situationen in der Klasse nicht mit einer Maßnahme allein und in wenigen Tagen behoben werden können. Die Veränderung/Verbesserung des Klassenklimas ist ein Prozess, der schrittweise geschieht und oft Zeit und vor allem der Einsicht aller Beteiligten bedarf. Es kann daher sinnvoll sein, verschiedene Maßnahmen zu kombinieren. Neben der Einführung von Regeln darf beispielsweise der Spaß, die Spontaneität und der Zusammenhalt der Klasse nicht zu kurz kommen. Wenn beispielsweise gegenseitige Rücksichtnahme zum "guten Ton" in der Klasse gehört, ist das mehr wert als eine exakte Regel, die dies vorschreibt.


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