Jugendliche sitzen bei einem Rollenspiel hinter Stacheldraht, 08.06.2016.
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Didaktische Konzeption

1.11.2016
Der Fokus dieses "Forschen mit GrafStat"-Projektes besteht in der forschenden Auseinandersetzung mit Verarbeitungsprozessen von Ereignissen im Lebensverlauf und den damit verbundenen Prozess der Sozialisation. Dazu finden Sie hier grundlegende Informationen zur didaktischen Konzeption und deren Umsetzung in Ihrem Unterricht.

Übersicht



Zielgruppe

Klasse 7-10, alle Schulformen

Ziele

  • Reflexion über den eigenen Lebensverlauf und die eigene Identität (Identitätsfindung, Zukunftsplanung, Lebenswandel, soziale Bezüge und Strukturen etc.)
  • Erarbeitung der Kernelemente von Sozialisation, Sozialisationsinstanzen und Krise
  • Auseinandersetzung mit besonderen Sozialisationsschwierigkeiten für Menschen mit Fluchterfahrungen
  • Ableiten von Handlungsstrategien aus der Resilienzforschung - Unterstützungsmöglichkeiten in Krisensituationen für sich und andere ermitteln
  • Methoden: Durchführung einer Befragung; Auswertung von Statistiken; Fallberarbeitung (biografische Portraits);
  • Empathie durch Perspektivwechsel

Unterrichtsfächer

Politik / SoWi / Gesellschaftslehre

Themenbezug

Identität(-sfindung), Zukunftsplanung, Lebenswandel, soziale Bezüge und Strukturen, Resilienz, Flucht, Krise; Befragungsmethoden, Neue Medien, Fallstudien, Statistiken auswerten

Dauer

2 - 4 Wochen, je nach Baustein-Auswahl

Aufwand

Je nach Schwerpunktsetzung und Umfang

Materialien

  • je Baustein: Schema des Unterrichtsverlaufs und didaktische Hinweise, Sachinformationen und Unterrichtsmaterialien
  • Onlinefragebogen für Klassenbefragung zur zeitsparenden Teilnahme
    Alle Materialien stehen im Bereich Forschen mit GrafStat unter www.bpb.de/grafstat zur Verfügung.

Autor/innen

Prof. Dr. Andrea Szukala, Prof. Dr. Wolfgang Sander, Cornelius Knab, Sabine Kühmichel
unter Mitwirkung von Katrin Wedeking, Lisa Schenkel, Nane Knümann und Jan Schröter

Einführung



Ambivalenzen und Krisenerfahrungen sind für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mehr denn je eine geteilte Erfahrung – was ihnen selbst häufig kaum bewusst ist. Sie sind wirksamer Bestandteil der Sozialisation, der sie bestimmenden Entwicklungsprozesse und der darin stattfindenden Problemverarbeitungen. Anders als jungen Menschen vielfach suggeriert wird, sind sie auch heute nicht die autonomen Autoren ihres Lebens, sondern sie sind vielfachen Anforderungen und Belastungen in Feldern ausgesetzt, in denen sie keine oder eine nur geringe Situationskontrolle erleben. Dies gilt namentlich für die Aspirationen der sozialen Umgebung, für Ortswechsel und Migration (auch nach Flucht und Vertreibung), für die erlebte Unsicherheit der ökonomischen Lebensgrundlagen, beispielweise durch Prekarisierung nach Arbeitsplatzverlust. Der gleichzeitige Anspruch, „alles sein“ zu können, als Manager der eigenen Identität(en) zu agieren und sich selbst zu präsentieren, überfordert viele Kinder und Jugendliche, die unter diesen Randbedingungen nicht stabil befähigt werden, Handlungsfähigkeit und Resilienz auszubilden, um tatsächliche Krisen zu verstehen, zu bearbeiten und zu bewältigen.

Inhalt des Projektes



Der inhaltliche Kern dieses Forschen-mit-GrafStat-Projektes besteht in der forschenden Auseinandersetzung mit Verarbeitungsprozessen von Ereignissen im Lebensverlauf und ihrer Rahmung durch den Prozess der Sozialisation. Zentrale Fragestellungen lauten:
  • Wie bin ich der geworden, der ich bin?
  • Wie kann ich meinen Lebensweg beschreiben und verstehen?
  • Welche gesellschaftlichen Prozesse beeinflussen diese Entwicklung?
  • Welche Wirkungen haben Krisen und Brüche im Lebensverlauf und wie kann man/ich sie (mit Hilfe anderer) bewältigen?
Durch die sozialwissenschaftliche Perspektivierung („Vom Ich zum Du und zum Wir“) gelingt Menschen so zu befähigen, ihren eigenen Weg zu verstehen, zu be- und verarbeiten und zugleich Empathie für andere zu entwickeln.

Ziele des Projektes



Auch sozialkundliche Curricula fordern, dass Jugendliche lernen, mit ihrer Identität und deren gesellschaftlichen Rahmungen umzugehen („Das Ich in der Gesellschaft“). Dabei ist die Milieugebundenheit der politischen und sozialen Erfahrung in vielen Bildungsprojekten als Ausgangspunkt häufig heikel, denn sie erzeugen bei Jugendlichen fatalistische Sichtweisen vom eigenen Lebensweg. Das Projekt „Krisenerfahrung und Sozialisation“ will einen Beitrag dazu leisten, dass durch das Aufarbeiten von sozio-ökonomisch und historisch bestimmten Kontinuitäten und biographischen Brüchen das „Ich-Projekt“ in seiner gesellschaftlichen Bestimmtheit neu verstanden und behandelt werden kann. Dieser Zugang wird gewählt, um auf zwei Ebenen zum politischen und gesellschaftlichen Lernen (s. Reinhardt 2012, 161ff.; Petrik 2012) beizutragen:
  1. Zum einen können persönliche Krisenerfahrungen auf einer neuen Ebene bearbeitet, kontextualisiert und somit entlastet betrachtet werden;
  2. zum anderen wird die Empathie für Personen, für die die Kontrolle des eigenen Lebensverlaufs prekär oder brüchig wird (zum Beispiel Flüchtlinge oder Betroffene schwerer Wirtschafts- oder Sozialkrisen), verbessert;
  3. durch die Perspektive auf das Thema der Wirksamkeit und Resilienz werden Handlungswege der Krisenbewältigung aufgezeigt.

Methode des Projektes



Mit Hilfe der aktivierenden Befragung im Format Forschen-mit-GrafStat können Jugendliche untersuchen, inwieweit das eigene Leben in familiale und gesellschaftliche Prozesse eingebunden ist und inwieweit politische und gesellschaftliche Ereignisse sich in eigenen/gemeinsamen Narrativen widerspiegeln (oder auch nicht). Es geht darum, die Bedeutung von biographischen Ereignissen für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Konzepte und Methoden exemplarisch deutlich zu machen. So können Jugendliche in selbst erhobenen biographischen Daten ihre eigene Lebensgeschichte sichtbar machen. Sie stellen im Lernprozess Bezüge zu Lebensverläufen Gleichaltriger her und machen Übereinstimmungen, Brüche, Unterschiede und Gegensätze im Vergleich mit anderen Geburtskohorten ausfindig. Dazu greifen sie auf repräsentative Daten ausgewählter anderer Studien (z.B. SHELL-Jugendstudie, World Vision Kinderstudien, Jugend.Leben, LiFE etc.) zu, die für eine weiterführende sozialwissenschaftliche Deutung wesentliche Anknüpfungspunkte bieten.



 
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