Jugendliche sitzen bei einem Rollenspiel hinter Stacheldraht, 08.06.2016.

31.3.2016

M 03.01.04 Erol und die Schule

Die Schule spielte in Erols Leben eine sehr widersprüchliche Rolle. Auf der einen Seite gab es Lehrerinnen und Lehrer, die ihn förderten und ihn in seinem künstlerischen Schaffen bestärkten. Auf der anderen Seite gab es aber auch Lehrende, die ihn aufgrund persönlicher Abneigungen diskriminierten.

Ich war ein super Schüler. Ich hatte ein super Verhältnis zu den Lehrern. Klar, ein paar beschissene Lehrer gibt es immer. In der Grundschule hatte ich fast nur gute Lehrer. Dann wurde mir das Gymnasium abgesprochen, obwohl ich die Noten für das Gymnasium hatte. Ich weiß nicht, ob es richtig oder falsch war, die Entscheidung für die Realschule. Die Noten waren immer gut, im Zweierbereich. Natürlich hab ich meine Fähigkeiten genutzt. Ich war umgänglich und hatte meine Freunde. Die konnte ich immer fragen, wenn ich Fragen hatte. Es gab aber auch sehr, sehr schlechte Lehrer. In der Realschulzeit hatte ich eine Frau, die hat mich gehasst wie die Pest. Die hat gesagt „Ey, ich weiß gar nicht, was du hier willst. Geh auf die Hauptschule.“ Und das bloß, weil ich meine Hausaufgaben vergessen hatte. Da war jetzt nicht so ein großes Trara drum zu machen, normalerweise. Aber gut. Auch das habe ich überwunden und durchgezogen. Ich hab an mich geglaubt. Ich habe an mich selber geglaubt. An das, was ich kann, oder an das, was ich werden will, oder an das, was ich sein will.

Erol alias Rapper "Credibil"Erol alias Rapper "Credibil" (© Mikis Fontagnier)
Und dann, auf der letzten Schule, auf der Guttenbergschule, hatte ich eigentlich nur gute Lehrer. Nur, nur, nur. Und die haben auch bewundert, was ich schon an Musik mache, was ich an graphischen Dingern mache. Die haben mir Respekt gezollt. Die haben mich mit „Sie“ angesprochen. Da hat man sich gleich auf Augenhöhe getroffen. Dazu kam noch, dass ich diesen Schulzweig sehr bewundert habe. Ich fand es wichtig, dass man in eine Richtung lernt, die einem auch was bringt und die einen interessiert. Ich werde in meinem Leben keine Raketen bauen. Ich muss nicht wissen, wo die landet und wo die startet. Ist mir scheißegal. Aber ich will wissen, wie man fotografiert. Ich will Wissen über Tiefenschärfe. Ich will wissen, warum machen wir den Flyer so und nicht so? Das hat mir dann im Nachhinein etwas gebracht. Aber ich kann bis heute keine Rakete bauen und deren Kurvendiskussion aufstellen.

An dieser Schule haben sie mir einfach gezeigt, dass ich Sachen entdecken kann, die mich auch interessieren. Wir haben auf einmal Bücher gelesen. Ich hasse Bücherlesen über alles, auch heute noch. Aber sie haben mir gesagt: „Digga, das ist nichts anderes, als ob Du deine Texte schreibst.“ Und die haben mir quasi im Unterricht gezeigt, dass das, was ich bei Azad oder bei Savas oder bei Materia so krass befürworte, in diesen Büchern steckt. Weil immer, wenn ich mich gemeldet habe, war der Lehrer baff. Ich hab denen von Metaphern erzählt. Das war auch das Schöne an Deutsch. Ich bin immer noch der schlechteste Rechtschreiber. Aber ich kann dir halt sagen, was für ein Gefühl mir die Farbe Lila gibt, warum der Horizont blau ist und wie man Sehnsucht in Worte packen kann. Und die Lehrer waren so: „Krass, woher weißt du das?„Nix Mann, seit zehn Jahren hör ich Musik. Und bei uns geht es um den krasseren Vergleich und die besseren Reime und wer gibt dir etwas, was dir der andere nicht geben kann.“

Quelle: Interview mit Erol Peker (Credibil) vom 08.03.2016, durchgeführt von Cornelius Knab

Aufgaben:
  1. Erschließe anhand des Interviews, welche Rolle die Schule in Erols Sozialisation gespielt hat.
  2. Arbeite heraus, welche Relevanz die Lehrpersonen für Erols weiteren Lebensweg nach der Schule hatten.
  3. Erol sagt: „Ich habe an mich selber geglaubt, an das, was ich kann.“ Setze dich damit auseinander, welche Konsequenzen diese Einstellung für den weiteren Lebensweg von Erol gehabt hat.
  4. Nimm Stellung zu folgender These: „Die Schule ist ein Ort, an dem die Talente und Stärken von Kindern und Jugendlichen gefördert werden können.“ Beziehe dich dabei auf Erols Schilderungen und deine eigenen Erfahrungen.
Das Arbeitsmaterial PDF-Icon M 03.01.04 Erol Schule ist als PDF-Dokument abrufbar.


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