Refugee eleven

Ankommen

14.3.2017
Mit ihrem Ankommen in Deutschland erreichen Geflüchtete oft das erste Mal nach Monaten oder Jahren einen sicheren Ort. In ihren Herkunftsländern und auf der Flucht waren sie oft vielfältigen Gefahren ausgesetzt (siehe Fluchterfahrungen).
Noorullah Merzakhel und Stephen Sama spielen im Rahmen des Projekts "Refugee Eleven" auf dem Gelände des VfB Stuttgart gemeinsam Fußball und reden über ihre ersten Eindrücke von Deutschland. (© Bundeszentrale für politische Bildung)

Diese Erlebnisse haben bei vielen Geflüchteten Spuren hinterlassen. Sie benötigen medizinische Hilfe, sind von den Anstrengungen der Flucht erschöpft, verletzt oder krank. Manche Krankheiten oder Verletzungen konnten schon in ihren Herkunftsländern nicht behandelt werden.[1]

Häufig leiden Geflüchtete auch seelisch unter den Folgen der Flucht: Sie haben Schlafstörungen, Alpträume, Kopfschmerzen, Depressionen und plötzliche Ängste – oft auch erst Monate nach ihrer Ankunft. Diese Beschwerden sind häufig direkte Folge traumatischer Erlebnisse.[2] Flüchtlingshilfsorganisationen fordern deshalb mehr therapeutisches Fachpersonal, das auf den Umgang mit Fluchterfahrungen spezialisiert ist und Geflüchteten dabei helfen kann, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Sie fordern auch, dass mehr Personal eingesetzt wird, das für Geflüchtete übersetzen kann.[3]

Die psychische Belastung endet oft nicht mit der Ankunft in Deutschland. Die Sorge um Freunde und Familienmitglieder, die im Herkunftsland oder an einem anderen Fluchtort zurückgeblieben sind, bedeutet zusätzlichen Stress. Auch die Zeit, in der die Geflüchteten auf ihre Asylentscheidung warten (siehe Asylentscheidung) und es nicht sicher ist, ob sie in Deutschland bleiben können, sorgt für Unsicherheit und Angst.[4]
  • Stephen Sama

    "Ich habe mich immer gefragt, wie kann man solche Häuser bauen, die 30 bis 40 Meter hoch sind. Wie macht man das? Für mich war es am Anfang komisch, dass keiner die gleiche Hautfarbe hatte wie ich, da ich nur Weiße gesehen habe. Aber mir war damals klar, das ist jetzt mein Land."

    Stephen Sama 23 Jahre, Innenverteidiger, wechselte in der Winterpause 2016 vom VFB Stuttgart zum SpVgg Greuther Fürth
  • Noorullah Merzakhel

    "Als ich vor einem Jahr aus Afghanistan nach Deutschland kam, hat mich die Polizei aufgegriffen. Sie war sehr respektvoll. Sie haben mich befragt, dann kam ich nach Bielefeld. Als ich die Menschen und Gebäude sah – das war alles ganz neu für mich. Das erste Wichtige, was ich gelernt habe, sind Regeln."

    Noorullah Merzakhel 21 Jahre, Verteidiger bei SC Germania Erftstadt-Lechenich
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Außerdem bleibt nach der Flucht die Herausforderung, eine neue Sprache zu erlernen und sich in eine neue Gesellschaft zu integrieren.[5] Vor der Flucht haben viele Menschen häufig keine genaue Vorstellung von einem Leben in Europa.

Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach dem Ankommen kann die Begegnung mit einer neuen Gesellschaftsform Menschen zunächst überfordern. Geflüchtete möchten den Werten ihrer Herkunftsgesellschaft ebenso gerecht werden, wie denen in der neuen Gesellschaft.[6]

Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Achtung von Menschenrechten



Norullah Merzakhel und Stephen Sama spielten im November 2016 auf dem Gelände des VfB Stuttgart gemeinsam Fußball und redeten über ihre ersten Eindrücke von Deutschland.Norullah Merzakhel und Stephen Sama spielten im November 2016 auf dem Gelände des VfB Stuttgart gemeinsam Fußball und redeten über ihre ersten Eindrücke von Deutschland. (© bpb)
Oft sind es unterschiedliche Lebensweisen von Menschen, die sich erst annähern und kennenlernen müssen. Unsere persönlichen Freiheiten, Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Regeln gesellschaftlichen Zusammenlebens: Obwohl viele Geflüchtete, die in Deutschland gelebten Werte befürworten, erleben sie die tatsächlich gelebte Freiheit und Rechtsstaatlichkeit häufig zum ersten Mal. Sie schätzen den respektvollen Umgang der Menschen untereinander und die Achtung von Menschenrechten. Gleichzeitig brauchen sie Zeit, die Rechte und Pflichten unserer Gesellschaft kennenzulernen, zu verstehen und schließlich auch selbst zu leben.[7]

Neben den Menschen, die ohne konkrete Vorstellungen nach Deutschland kommen, gibt es auch einige, die ein ganz falsches Bild von Deutschland haben. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Viele Schleuser setzen Gerüchte in die Welt, um ihr Geschäft anzukurbeln.[8] Darum verbreiten sie, auch im Internet, die Idee von einem paradiesischen Leben in Deutschland. Das Auswärtige Amt und die Vereinten Nationen versuchen mit Informationskampagnen diesen falschen Gerüchten entgegenzutreten.[9]
Warum suchen Geflüchtete in Deutschland Schutz?Warum suchen Geflüchtete in Deutschland Schutz? (© bpb)

Aber nur für wenige Menschen, die nach Deutschland fliehen, sind die falschen Berichte und Gerüchte tatsächlich der ausschlaggebende Grund. Die meisten von ihnen suchen Schutz vor Krieg und Verfolgung in ihren Herkunftsländern.[10]


Aufgaben für den Unterricht

  • Wie geht es Menschen, die nach Deutschland geflohen sind? Wie ist ihr körperlicher und seelischer Zustand – und warum?
  • Vor welchen Herausforderungen stehen Menschen, die nach einer Flucht in Deutschland ankommen?
  • Welche Regeln des Zusammenlebens müssen Menschen, die in Deutschland leben, befolgen? Sammle Beispiele und diskutiere sie in der Gruppe.




Fußnoten

1.
Vgl. Bpb (2015): Fluchtpunkt Europa. Unsere humanitäre Verantwortung. Bonn: Körber-Stiftung (Band 1671), S. 196.
2.
Vgl. Cordula von Denkowski, Spektrum (2015): Das Trauma nach der Flucht. Im Internet: http://www.spektrum.de/news/das-trauma-nach-der-flucht/1369633
3.
Vgl. Sara Geisler, fluter (2016): Gefangen in Bildern. Im Internet: http://www.fluter.de/gefangen-in-bildern
4.
Vgl. Gabriele Siebert, UNHCR ( 2016): Flucht und Trauma im Kontext Schule, S. 22. Im Internet: http://www.unhcr.at/fileadmin/user_upload/dokumente/06_service/unterrichtsmaterialien/
UNHCR_Traumahandbuch_WEB_neu.pdf
5.
Vgl. Eva Lutter, Manuela Westphal, bpb (2015): Familie im Kontext von Fluchtmigration. Im Internet: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gangsterlaeufer/200860/familie-im-kontext-von-fluchtmigration
6.
Vgl. Gabriele Siebert, UNHCR ( 2016): Flucht und Trauma im Kontext Schule, S. 21. Im Internet: http://www.unhcr.at/fileadmin/user_upload/dokumente/06_service/unterrichtsmaterialien/
UNHCR_Traumahandbuch_WEB_neu.pdf
7.
Vgl. Bpb (2015): Fluchtpunkt Europa. Unsere humanitäre Verantwortung. Bonn: Körber-Stiftung (Band 1671), S. 190.
8.
Vgl. Die Bundesregierung (2017): Fragen und Antworten: Flucht, Migration, Integration. Warum kommen die Menschen ausgerechnet nach Deutschland? Im Internet: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluechtlings-Asylpolitik/4-FAQ/_node.html?id=GlossarEntry1659128
9.
Vgl. Christian Werner und Tarek Khello, Deutschlandfunk (2016): Gelockt von falschen Versprechungen. Im Internet: http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-in-deutschland-gelockt-von-falschen.724.de.html?dram:article_id=360598
10.
Vgl. Christian Werner und Tarek Khello, Deutschlandfunk (2016): Gelockt von falschen Versprechungen. Im Internet: http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-in-deutschland-gelockt-von-falschen.724.de.html?dram:article_id=360598
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