Schultafel

18.10.2018 | Von:
Prof Dr. Stefan Rappenglück

Simulation von Demokratie als Weg des praktischen Lernens?

Digitale oder analoge Planspiele, Debatten-Wettbewerbe, Schule als Staat

Ein sehr spannendes und sehr erfolgreiches Format in der politischen Bildung stellen Planspiele bzw. Politiksimulationen dar.

Die Methode wird sehr intensiv in den USA, den Niederlanden und in der Schweiz eingesetzt, u.a. auch in der Politikberatung. Sehr bekannte Planspiele in Deutschland sind die Planspiele „Polis“(Bundeswehr), „Börse“(Deutscher Börsenhandel) sowie der Klassiker „Ökopoly“(Frederic Vester). Die Planspielmethode wird inzwischen sehr erfolgreich in der Schule, der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung, in der internationalen Jugendarbeit und in Hochschulen durchgeführt. Dies zeigt sich u.a. auch in der Etablierung eines eigenständigen Fachverbandes für Simulationen, der SAGSAGA (Gesellschaft für Planspiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz e.V.) (vgl. www.sagsaga.org) und der Etablierung des „Deutschen Planspielpreises“ für gelungene Abschlussarbeiten und Dissertationen aus dem Feld der Planspiele. Auch gibt es erstmals ein interdisziplinäres Handbuch zur Planspielmethode in der schulischen und außerschulischen politischen Jugend-und Erwachsenenbildung (vgl. Petrik/Rappenglück 2017). Einen systematischen Überblick über deutschsprachige Simulationen in der politischen Bildung bietet die „Planspiel-Datenbank“ der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de/lernen/unterrichten/Planspiele).

In Simulationen werden komplexe Planungs-, Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse möglichst realitätsnah nachgeahmt. Die Teilnehmer von Simulationen treten aus der passiven Rolle eines Spielers bzw. Bürgers und übernehmen auf der Basis einer Ausgangslage – dem “Szenario“ – für die Dauer des Planspieles eine aktive Rolle. In der Regel werden Gremien auf unterschiedlichen Ebenen (Kommunal, Landes, Bundes- und Europaebene, UNO) und die Arbeit der Medien durch ein Presseteam nachgebildet bzw. „gespielt“. Je nach Anlage des Spieles kommen weitere Rollen hinzu. Das gewählte Szenario kann entweder fiktiv oder real sein. Die meisten Simulationen basieren auf realen Ausgangslagen.

Die Methode ermöglicht Jugendlichen und Erwachsenen, sich aktiv mit einem Unterrichtsthema oder einer politischen Frage auseinanderzusetzen, d.h. sie ermöglicht ein hohes Maß selbstbestimmten Lernens.

Im Rahmen der Arbeitsgruppe wird an konkreten Beispielen das Potential der Methode für die Vermittlung von Demokratie- und Politikkompetenz vor allem von jungen Menschen diskutiert. Es werden Ergebnisse der Begleitforschung (qualitativ und quantitativ) zu Wirkungen und Gelingensbedingungen von Politiksimulationen vorgestellt und diskutiert. Befunde zu ihren Wirkungen auf Wissen, Motivationen, Einstellungen und Handlungsbereitschaften von Schüler/-innen weisen darauf hin, dass politische Planspiele einer „politischen Prozessverdrossenheit“ (Helmar Schöne) entgegenwirken können.


Was hat Bildung mit Demokratie zu tun? Eine ganze Menge! Um die Welt um sich herum zu verstehen, politische Sachverhalte zu durchschauen und sich auch in verzwickten Fragen ein eigenständiges Urteil bilden zu können, muss man vieles wissen. Doch Wissen allein macht noch keinen Demokraten. Was braucht man eigentlich, um in der heutigen Demokratie handlungsfähig zu sein und wie können unsere Bildungseinrichtungen dazu beitragen?

Mehr lesen

Grundfragen und Kontroversen

Definitionen

Politische Bildung? Politik? Demokratie? Politische Bildung verhandelt Begriffe und Konzepte, die wir alltäglich verwenden, die in der politischen Praxis eingesetzt oder in der Wissenschaft diskutiert werden. Die spontanen, in der Öffentlichkeit gesammelten Statements zeigen ein Mosaik der Annäherungen an zentrale Begriffe und Bruchstücke von Vorstellungen darüber, was politische Bildung selbst sein könnte.

Mehr lesen

Schule soll dazu beitragen, dass junge Menschen zu mündigen Bürgern werden. Das scheint selbstverständlich und steht in jedem Schulgesetz. Doch was leisten unsere Schulen eigentlich in dieser Hinsicht? Wie lassen sich demokratische Kompetenzen fördern und die Mitbestimmung von Eltern und Lernenden stärken? Was macht Partizipation in der Schule überhaupt aus?

Mehr lesen

Interaktives Wahltool

Wahl-O-Mat

Seit 2002 gibt es den Wahl-O-Mat der bpb. Mittlerweile hat er sich zu einer festen Informationsgröße im Vorfeld von Wahlen etabliert. Hier erfahren Sie, wie ein Wahl-O-Mat entsteht und was seine Ziele sind. Im Archiv können Sie außerdem jeden Wahl-O-Mat der vergangenen Jahre noch einmal nachspielen.

Mehr lesen

kinofenster.de

Film des Monats: The Big Short

Mit The Big Short hat Regisseur Adam McKay Michael Lewis' gleichnamiges Sachbuch über die Finanzkrise 2007/08 verfilmt. Ein paar Außenseiter sehen den Zusammenbruch des US-amerikanischen Bankenwesens voraus und spekulieren an der Börse auf den Crash. So profitieren einige Wenige von der Bankenkrise, während Millionen von Amerikanerinnen und Amerikanern ihre Häuser und Ersparnisse verlieren. Mithilfe von Stars wie Christian Bale, Ryan Gosling und Brad Pitt sowie einer humorvollen, ausgefeilten Filmsprache gelingt es dem Film, die komplexen Hintergründe der Finanzkrise anschaulich zu erklären.

Mehr lesen auf kinofenster.de