Ein Ausstellungsraum der Deutschen Kinemathek Berlin. Audiovisuelle Formate sind in Filmmuseen längst etabliert, setzen sich aber auch in anderen Zusammenhängen mehr und mehr durch.

15.1.2010 | Von:
Bettina Henzler

Die DVD als Medium der Filmvermittlung

Veranschaulichung der Film-Produktion



Auf der DVD "L´acteur au cinéma" (dt. Der Schauspieler im Kino) wird unter dem Menupunkt "Der Schauspieler im modernen Kino" einerseits eine kommentarlose Verkettung von Filmausschnitten (u.a. aus Renoirs "Boudu"/ Boudu – Aus den Wassern gerettet, Rosselinis "Stromboli", Bergmanns "Sommaren med Monika"/ Die Zeit mit Monika, Godards "À bout de souffle"/ Außer Atem) präsentiert. Andererseits gibt es zu jedem Filmausschnitt auch einen Off-Kommentar, in dem Bergala das Spiel des Schauspielers erläutert. Diese DVD widmet sich damit einem weiteren Schwerpunkt in Bergalas Filmpädagogik: Der Analyse des Schaffensprozesses. Um Filme zu verstehen, so Bergalas in "Kino als Kunst" formulierte These, muss man die Besonderheiten des filmischen Produktionsprozesses kennen, muss man das Zusammenspiel von Zufall, (ökonomischen und technischen) Beschränkungen, Realität und künstlerischem Gestaltungswillen mitdenken. So lassen die Filme über die Dreharbeiten Jacques Doillons mit der 4-jährigen Hauptdarstellerin des Films "Ponette" oder über Jean Renoirs Arbeit mit Schauspielern anschaulich werden, wie aus einer engen Interaktion zwischen Regisseur und Schauspieler eine Film-Figur entsteht und dass gerade das scheinbar natürliche Spiel eines Kindes Ergebnis harter Arbeit ist.

Andere DVDs bieten einfache, interaktive Spiele, die es ermöglichen, die Entscheidungen beim Filmemachen nachzuvollziehen. Wo ist die Kamera? Auf der DVD zu dem Western "The Searchers" (Der schwarze Falke, R: John Ford) können die Kamerapositionen eines Filmausschnitts in einer Lageskizze angegeben werden, die richtige Wahl wird mit einem Bravo! belohnt. Andere interaktive Spiele zur Wahl der Filmmusik, zur Ton-Synchronisation, zur Raum-Gestaltung und zur Entstehung einer Bewegung aus Einzelnbildern sind auch auf der DVD zum Animationsfilm (Le cinéma d´animation) versammelt. Diese umfangreiche Doppel-DVD widmet sich dem dritten Schwerpunkt in Bergalas filmpädagogischen Konzept: der Realisierung von Filmen im Unterricht. Sie enthält neben 30 Animationsfilmen und dem zugehörigen Portfolio an Bildern zwei Filme, die die technischen Voraussetzungen und die einzelnen Schritte einer Animation erläutern, und zwei weitere Filme, die die schrittweise Realisierung eines Animationsfilms in einer Klasse dokumentieren. Die Ergebnisse dieser Arbeit, die von zwei Animationskünstlern angeleitet wurde, zeugen von dem großen kreativen Potential einer aktiven Film-Arbeit mit Kindern.

Diese Stichprobe aus der französischen DVD-Kollektion "L´Eden cinéma" sollte Bergalas Grundkonzept der DVD und die Vielfalt in der Umsetzung zeigen. Er und seine Mitarbeiter/innen nutzen die Möglichkeiten der hypertextuellen Verknüpfung, um Filmmaterialen und Filmwissen in den unterschiedlichsten Formen zusammenzuführen und miteinander kommunizieren zu lassen. Neben Filmen, Filmausschnitten, Bildern und interaktiven Spielen finden sich dort auch Interviews mit Regisseuren und Darstellern (u.a. Michel Ocelot, Abbas Kiarostami), Perlen des filmvermittelnden Films (von Jean Douchet, Bernard Eisenschitz, Alain Bergala) sowie Porträts und Dokumentationen, die ästhetische, historische und kulturelle Kontexte aufzeigen. Einzigartig ist dabei die Verbindung von einem hohen Anspruch an das Kino mit einer Vielfalt an kreativen Zugangs- und Vermittlungsformen, die ein interaktives, dialogisches Prinzip verwirklichen. Die DVDs bieten sich – als Forschungsfeld Kino – für alle Altersgruppen an: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Laien wie Fachleute können hier ihre Freude an Filmen und ihren vielfältigen Beziehungen finden. "L´Eden cinéma" zeigt, was in der Filmvermittlung möglich ist.


Publikation zum Thema

Kino als Kunst

Kino als Kunst

Kino ist Kunst – aber wie kann es in und außerhalb der Schule als Kunst vermittelt werden? Der französische Filmtheoretiker und Cineast Alain Bergala gibt Antworten und Denkanstöße für die Debatte um kulturelle Filmbildung. Weiter...

Zum Shop

Dossier

Der Filmkanon

Auf Initiative der Bundeszentrale für politische Bildung wurden 35 bedeutende Werke der Filmgeschichte zusammengestellt. Ziel war es, für das Medium Film zu sensibilisieren und der filmschulischen Bildung in Deutschland Auftrieb zu geben.

Mehr lesen

Cinema fairbindet

Preisträger 2011: "Bad o meh - Wind und Nebel"

Erster Cinema-fairbindet-Preisträger war im Jahr 2011 der iranische Kinderfilm "Bad o meh - Wind und Nebel". Aus der Perspektive eines kleinen Jungen zeigt Regisseur Mohammad-Ali Talebi darin, wie der Krieg das Leben einer Familie beeinflusst. Märchenhafte, metaphernreiche Szenen und Naturaufnahmen aus dem Norden Irans prägen die Erzählweise.

Mehr lesen

Das Internet hat unsere Kommunikationskultur nachhaltig verändert – vor allem für Jugendliche, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind. Kinofenster.de untersucht, wie das Smartphone den Alltag der Digital Natives prägt, welche Bedeutung die Neuen Medien für die Bildung und wie sie Eingang in filmische Erzählwelten gefunden haben. Passend zum Thema gibt es Unterrichtsmaterial von der Grundschule bis zur Oberstufe.

Mehr lesen auf kinofenster.de

Dossier

Film

Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

Mehr lesen