Geschichte begreifen
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Simulationsspiele


10.11.2008
Simulationsspiele können historischen Alltag inszenieren und nachvollziehbar machen. Eine Einführung.

Simulationsspiele sind absichtsvolle Nachahmungen historischer Situationen, die den historischen Alltag im Sinne einer nachvollziehenden Inszenierung abbilden. Zum Beispiel: "Wir drucken ein kritisches Flugblatt zur Machtübernahme der NSDAP mit einer historischen Druckerpresse". Meistens stellen Simulationsspiele jedoch Entscheidungen oder Entwicklungen dar. Beispiele sind "Wer war Schuld am ersten Weltkrieg?" oder "War die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 alternativlos?"

Methodische Vorüberlegungen



Simulationen werden in der historisch-politischen Bildung realisiert, weil sie den Spielenden ermöglichen, historische Strukturen und Entscheidungen selbstständig nachzuvollziehen und ihr Handeln zu reflektieren. Dieses Lernen durch eigene Erfahrung ist besonders nachhaltig.

Zudem ist die Methode besonders motivierend, da sie das Lernen mit einem konkreten Ziel verbindet – zum Beispiel, das Spiel zu gewinnen oder die Mitspieler zu überzeugen.

Simulationen fördern sowohl Fach-, Sozial- als auch Methodenkompetenz: Lernende müssen den historischen Kontext sowie die Motivationen der Handelnden intensiv erforschen, um diese innerhalb der Simulation erfolgreich nutzen zu können. So entwickeln sie Strategien zum Auffinden und Bewerten relevanter Inhalte. Innerhalb der Spielsituationen setzen sie ihr Wissen strukturiert und aufgearbeitet ein und üben so ihren sprachlichen Ausdruck sowie die Präsentation von Ergebnissen. Sie interagieren mit anderen; dabei wird jeder Einzelne in den Lernprozess eingebunden.

Info

Methodensteckbrief

  • Teilnehmerzahl: k.A.
  • Altersstufe: Klasse 10-13
  • Zeitbedarf: Variabel
  • Preis (ohne Fahrten): Nicht ermittelbar
  • Benötigte Ausstattung: Abhängig von der Simulationsstruktur

  • Multiperspektivität innerhalb historischer Situationen sichtbar zu machen, die Kontroversität von Bewertungen dieser Situationen zu verdeutlichen und die Pluralität von Geschichtsbildern aufzuzeigen sind wichtige Ziele historischen Lernens. Simulationsspiele ermöglichen dies nicht nur, die benannten Prinzipien sind bereits strukturell in der Methode verankert.

    Nicht zuletzt sind Simulationen ein Analyseinstrument, um etwas über die Lernenden zu erfahren: Ihren Wissensstand, die Befähigung zur Anwendung des Wissens, sowie ihr Geschichtsbewusstsein.

    Bedingungen des Einsatzes



    Diesen Möglichkeiten stehen eine Reihe potentieller Schwierigkeiten gegenüber, die vor dem Einsatz der Methode bedacht werden müssen. Simulationsspiele sind ressourcenintensiv. Der Aufwand zur Vorbereitung muss in einem angemessenen Verhältnis zu den Lernzielen und -effekten stehen.

    Simulationsspiele sind gruppendynamische Prozesse. Die Struktur und Durchführung der Simulation, die Rollenvergabe oder die Regeln für das Zusammenarbeiten müssen begründet werden können und transparent für alle Beteiligten sein.

    Simulationsspiele sind auch "Spiele". Der Lernerfolg und die Motivation hängen deshalb auch von der Performance ab. Die Anleitenden benötigen Kenntnisse aus den Bereichen "Darstellendes Spiel" sowie Kommunikation und Rhetorik. Spiel ist zudem mit der Lust verbunden, etwas zu tun – für dieses Tun müssen Freiräume geschaffen werden. Und Spielen heißt nicht zuletzt: Konkurrieren und Gewinnen wollen.


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