Geschichte begreifen

13.11.2008 | Von:
Loretta Walz

Videointerviews

Ziele von Medienprojekten

Die Projektarbeit vermittelt neben den Inhalten auch Erfahrungen im Umgang mit dem Medium Film, mit journalistischen Grundsätzen und filmischer Gestaltung. Speziell bei der Arbeit mit lebensgeschichtlichen Interviews von Überlebenden nationalsozialistischer Konzentrationslager geht es auch um den sensiblen Umgang mit persönlichen Erinnerungen und präzise Recherchen.

Ziel der Arbeit sollte sein, dass sich auch in heterogenen Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, Kenntnissen und Fähigkeiten jeder Einzelne in den verschiedenen Arbeitsansätzen und Umsetzungsweisen wiederfindet. Die vielfältige Arbeit an einem Medienprodukt und das gemeinsame Endergebnis kommen diesem Ziel entgegen.

Vorarbeiten

In Absprache mit den Teilnehmenden wird eine klare inhaltliche Eingrenzung für das zu erstellende Medium getroffen, zum Beispiel welche Aspekte des Lebens der ehemaligen Häftlinge im Lager oder ihrer Biographie vor und nach der Haftzeit thematisiert werden sollen.

Im zweiten Schritt wählen die Medienpädagoginnen und Medienpädagogen aus dem Fundus lebensgeschichtliche Interviews aus, in denen sich die Interviewten zu den gewählten Thematiken äußern.

Die entsprechenden Ausschnitte werden aus den Interviews kopiert, transkribiert und manchmal übersetzt. Dies geschieht bei Waidak media e.V. überwiegend durch die Medienpädagoginnen und Medienpädagogen.

Für die eigene filmische Auseinandersetzung der Jugendlichen recherchieren die Medienpädagoginnen und Medienpädagogen weitere Ausgangspunkte, zum Beispiel mögliche Drehorte oder weitere Interviewpartner (Personen, die mit der zu dokumentierenden Geschichte biographisch oder professionell verbunden sind).

Umsetzung

Entsprechend den Kenntnissen und dem Erfahrungshintergrund der Gruppe benötigen die Jugendlichen eine Einführung in das gestellte Thema, beispielsweise in die Geschichte eines Konzentrationslagers. Diese Einführung sollte ermöglichen, dass die Jugendlichen später eigene Fragen an den historischen Ort und seine Geschichte(n) entwickeln, denen sie dann filmisch nachgehen.

Zudem ist es sinnvoll, gemeinsam mit den Jugendlichen Filmbeispiele und Arbeitsergebnisse anderer Gruppen anzuschauen und zu diskutieren. Die Schülerinnen und Schüler können so die Medienpädagogen und ihre Arbeitsweise kennenlernen und erste Ideen für einen eigenen Film entwickeln.

Wichtig für eine zielgruppenspezifische Projektarbeit zum Thema des Nationalsozialismus ist die Frage "Was hat das alles mit mir und mit dem Heute zu tun?" Teil von Medienprojekten sollte ein Austausch über die bisherigen Erfahrungen mit einem Gedenkstättenbesuch oder der Behandlung des Themas im Unterricht sein. Waidak media e.V. ermutigt die Jugendlichen auch, die Geschichten ihrer Familien während der NS-Zeit zu erforschen. Diese gegenwartsbezogenen Auseinandersetzungen können zu einem wichtigen inhaltlichen Bestandteil der Filme werden.

Einstieg in die Technik

Dem Einstieg über die thematische Ebene des Projekts folgt eine Einweisung in den Umgang mit der Videotechnik (Kamera, Licht und Ton) sowie eine Vorstellung der Gestaltungsmöglichkeiten in der filmischen Arbeit. Danach beginnen die ersten Übungen mit der Videokamera.

Auch das Interviewen muss vor dem "Ernstfall" geübt werden. Fragen werden gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeitet. Die wichtigsten Regeln: Fragen sollen den Interviewten Raum zum Erzählen geben. Daher dürfen die Fragen weder mit Ja oder Nein beantwortbar sein, noch vorgefertigte Floskeln nahe legen. Auch das spontane Nachfragen in Interviewsituationen muss besprochen und geprobt werden. Bei der Befragung von Zeitzeugen, insbesondere Überlebenden von Konzentrationslagern, muss intensiv über die Angemessenheit von Fragen reflektiert werden.

Bei Waidak media e.V. arbeiten Kleingruppen getrennt und innerhalb der Gruppen arbeitsteilig an diesen Kapiteln. So machen einige Jugendliche Aufnahmen historischer Orte oder Interviews, andere sichten Archivmaterialien (schriftliche Quellen, Fotografien, Realien). Weitere Jugendliche setzen sich mit spezifischen historischen Ereignissen oder Personen auseinander und bereiten die Informationen so auf. Diese Informationen können später als eingespielte Kommentare im Film ergänzen, was über Bilder oder Interviews nicht erzählt werden kann.

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