Geschichte begreifen

13.11.2008 | Von:
Loretta Walz

Videointerviews


Das Material sichten

Nach dem Drehen beginnt die eigentliche Arbeit am Film. Orientiert an der Frage "Wie kann aus dem Material ein spannender, zu Diskussionen anregender Film werden, der angesichts der Themendichte einen 'erträglichen' Zeitrahmen einhält?" wird das konzeptionelle Grundgerüst gebaut. Ziel ist eine Filmdramaturgie, die dem Publikum trotz der Schwere einiger Themen beim Ansehen Lust, mitunter auch Spaß, verschafft.

Außerdem sollen die Positionen der Jugendlichen erkennbar sein. Damit diese authentisch sind, beziehungsweise damit die Jugendlichen nicht auf Grund angenommener sozialer Erwünschtheit auf allzu bekannte Weise moralisieren, muss innerhalb des Projekts Konsens darüber herrschen, dass man über die Darstellung und Bewertung von Geschichte streiten können muss.

In ihren jeweiligen Gruppen sortieren die Schülerinnen und Schüler die Materialfülle, wählen aus und erstellen schriftliche Schnittkonzepte. Die Filmsequenzen aus Interviews und selbst gedrehtem Material, Bilder, Fotos und/oder Dokumente werden in eine erste Reihenfolge gebracht.

Außerdem werden Kapitel und eventuell Zwischenüberschriften eingefügt. So entsteht ein erster Rohschnitt des Gesamtfilms. Ein solches Schnittkonzept entspricht dem Drehbuch, das bei dieser Form dokumentarischer Arbeit erst nach den Dreharbeiten entsteht.

Den Film montieren

Die Filmmontage ist ein langwieriger und zeitintensiver Prozess, der inhaltlichen Grundsätzen - der Dramaturgie und dem Drehbuch - folgt. Sie setzt auch technische Kenntnisse eines Schnittprogramms voraus. Es ist deshalb eine Grundsatzentscheidung, ob die Jugendlichen an diesem Schritt beteiligt werden. Die enge Betreuung der Jugendlichen bei der Filmmontage erfordert viel Zeit.

Auch die angestrebte Qualität des Produkts spielt bei dieser Entscheidung eine Rolle. Wird ein technisch sehr professionelles Produkt erwartet und liegt das Hauptaugenmerk der Pädagoginnen und Pädagogen auf einer inhaltlichen Auseinandersetzung, kann man von einer Beteiligung der Jugendlichen an diesem Produktionsschritt absehen.

In den Projekten von Waidak media e.V. wird der Schnitt meistens von den Medienpädagoginnen und Medienpädagogen technisch umgesetzt. Um dennoch den konzipierten Film der Schülerinnen und Schüler umzusetzen, muss der so genannte Rohschnitt immer wieder mit der gesamten Gruppe gesichtet und verfeinert werden, bis schließlich der fertige Film vorliegt.

Im Anschluss an den inhaltlichen Schnitt erhalten die Filmsequenzen aus dem vorbereiteten Material einen Sprechertext. Aufgezeichnet werden ebenso Titel und Bildunterschriften. Zweifelhafte oder widersprüchliche Aussagen müssen nachrecherchiert und gegebenenfalls berichtigt werden. Tonmischung und Musik kommen am Ende hinzu.

Alle Texte bis hin zum Abspann und den Danksagungen verfassen die Jugendlichen. Die Medienpädagoginnen und Medienpädagogen ergänzen die Ideen.

Das Ergebnis präsentieren

Abschluss eines Medienprojektes ist die öffentliche Uraufführung des Produkts. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer präsentieren ihre Arbeit und bereiten die Premiere vor. Sie laden ein, bewerben und gestalten die Veranstaltung.

Die Abschlussveranstaltung präsentiert allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie auch den Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern das fertige Werk auf "großer Bühne" - und dabei wird auch den Machern, Geldgebern und Unterstützern gedankt. Die Präsentation und anschließende Diskussion mit dem Publikum bildet das Ende eines Projektes, in dem meist viel Zeit, Kraft und Engagement steckt.

Literatur

Kandorfer, Pierre: DuMont´s Lehrbuch der Filmgestaltung. Köln: DuMont Buchverlag 1984.

van Appeldorn, Werner: Handbuch der Film- und Fernsehproduktion. München: TRVerlagsunion GmbH 1988.

Creative Commons License

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