Geschichte begreifen
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Musikprojekte


14.11.2008
Musik aus Ghettos und Konzentrationslagern ermöglicht Jugendlichen eine Annäherung an den Nationalsozialismus und den Holocaust. Die Herangehensweise eignet sich für schulische und außerschulische Projekte.

Musik als Thema und Musik als kreatives Medium in der historisch-politischen Bildung hilft insbesondere jungen Menschen, die schwer erträglichen und in ihrer emotionalen Dimension mit Worten nicht zu beschreibenden historischen Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus über einen nonverbalen Weg (rezeptiv oder produktiv) zu erfahren. So können sich Schülerinnen und Schüler beispielsweise über die (musikalische) Auseinandersetzung mit Liedern aus Konzentrationslagern Wissen über den historischen Kontext von NS-Verfolgung und KZ-Gefangenschaft aneignen.

Eine Violine. Bild: ©  RainerSturm / PIXELIO, www.pixelio.deEine Violine. (© RainerSturm / PIXELIO, www.pixelio.de)
Über den Einsatz kreativer Arbeitstechniken in der historisch-politischen Bildungsarbeit gibt es bislang wenig Literatur. Das Zeichnen und das Anfertigen von Papiercollagen, Wandtafeln oder kleinen Kunstgegenständen beispielsweise dürfte jedoch zu den gängigen Praktiken bei der Arbeit mit Jugendlichen gehören. Kreative Methoden können - weil sie das ganzheitliche Erleben aktivieren - eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Methoden wie Führungen, Vorträgen oder dem Quellen- und Literaturstudium darstellen.

Musik als Thema historischen Lernens am Beispiel von Musik in Konzentrationslagern



In den nationalsozialistischen Ghettos und Konzentrationslagern gab es eine große Zahl von Musikerinnen und Musikern. Diese waren, je nach Handlungsspielräumen des jeweiligen Lagers, unterschiedlich musikalisch aktiv. Anhand zahlreicher Quellen ist beispielsweise das kulturelle Leben im Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt dokumentiert.

Die SS-Lagerleitung nutzte die "Freizeitgestaltung" für propagandistische Zwecke. Auch in anderen Lagern existierten von der Leitung geduldete Häftlingsorchester und -chöre oder im Verborgenen kleinere Gesangs- und Musikensembles.

Überlebende berichten zuweilen, die Musik habe ihnen das Leben gerettet. Um jedoch einer Fehleinschätzung zum Musizieren unter Extrembedingungen Vorschub zu leisten, muss betont werden, dass sich Kreativität trotz der brutalen Verhältnisse, trotz Hunger, Kälte, Erschöpfung, Gewalt und Tod entwickelte.

Die Gefangenen investierten aus eigenem Willen und nur zu oft unter Lebensgefahr Kräfte und wertvolle Freizeit, um sich und Mitgefangenen ein heimliches "Musikleben" zu ermöglichen. Viele KZ-Häftlinge, die singen oder musizieren konnten, überlebten die Lager nicht.

Das Thema Musik in Konzentrationslagern eignet sich gut, um ein mehrtägiges oder mehrwöchiges Musik- bzw. Geschichtsprojekt in Verbindung mit einem Besuch am historischen Ort durchzuführen, beispielsweise dort, wo KZ-Lieder beziehungsweise KZ-Kompositionen entstanden.

Info

Methodensteckbrief

  • Teilnehmerzahl: Ab 15 bis höchstens 25 Jugendliche
  • Altersstufe: Ab 14 Jahre
  • Zeitbedarf: Je nach thematischem Schwerpunkt ein- bis mehrtägige Projekte (im Rahmen des Schulunterrichts) oder mehrwöchige Projekte (Kooperation Schule-Gedenkstätte)
  • Kosten bei Tagesprojekten: Sachmittel für Kopien, eventuelle Reisekosten für den Besuch einer Gedenkstätte; Kosten bei mehrwöchigen Projekten: Sachmittel für Kopien oder Filmausleihe, Reisekosten für den Besuch in der kooperierenden Gedenkstätte und eventuell in einer Fachbibliothek, eventuell Honorarmittel für eine außerschulische Fachkraft zur Projektbetreuung
  • Benötigte Ausstattung: Fachliteratur zu Konzentrationslagern, Zeitzeugentexte zu Musik, Quellen und Dokumente wie Noten, Liedtexte, Programmhefte, Zeichnungen, Fotografien aus der Lagerzeit; CDs und Tonkassetten; (Dokumentar-)Filme; eventuell Musikinstrumente und Übungsräume (in der Schule oder der Gedenkstätte)

  • Voraussetzung sind musikhistorische Kenntnisse über den Ort. Dadurch wird der Zusammenhang zwischen Musik oder Liedern und der heutigen Gedenk- oder Bildungsstätte für Jugendliche nachvollziehbar: Was ist über die Geschichte des Ortes bekannt? Gibt es eine Ausstellung, die die historischen Ereignisse dokumentiert, durch die sich bereits Anknüpfungspunkte zum Thema Musik ergeben?

    Folgende Fragen ermöglichen einen Bezug zur Musikgeschichte und selbstständige forschende Weiterarbeit:

    • Wurde in diesem Konzentrationslager (freiwillig/auf Befehl) musiziert oder gesungen? Gab es ein Orchester oder einen Chor?
    • Wird dies durch Noten, Instrumente, Konzertprogramme, Fotos, Zeichnungen, Erinnerungsberichte überliefert? Welche Lieder wurden gesungen/ welche Musik gespielt?
    • Gibt es noch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die im Lager Musik gemacht/ gehört haben und befragt werden könnten? Was ist über deren Biografie bekannt?
    Diese Fragen beantworten können die Jugendlichen durch eigenständige Recherchen, beispielsweise in einer Bibliothek oder dem Archiv einer Gedenkstätte anhand von Originalquellen (Zeichnungen, Programme aus der Lagerzeit, Fragmente von Noten, Fotos und ähnliches), Erinnerungsberichten oder von Fachliteratur.

    Es empfiehlt sich, eine Vorauswahl zu treffen oder die Mitarbeiter des Archivs um entsprechende Vorarbeiten zu bitten. So können Erfolgserlebnisse bei der Recherche gewährleistet werden. Schülerinnen und Schüler besitzen meist wenig Frustrationstoleranz, wenn sie nach einer gewissen Zeit der Recherche nicht fündig werden. Können Zeitzeugen Auskunft über das (heimliche) Musizieren in einem ehemaligen Konzentrationslager geben, sollte die Möglichkeit zum Zeitzeugengespräch mit Ton- oder Videoaufzeichnung genutzt werden.

    Die Ergebnisse des Projektes können die Schüler in einer Dokumentationsbroschüre, auf einer Internet-Seite oder im Rahmen einer Ausstellung an ihrer Schule präsentieren. Ziel kann auch sein, Lieder aus Konzentrationslagern selbst einzustudieren und sie auf einem Konzert darzubieten.


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