Geschichte begreifen

12.11.2008 | Von:
Christine Kindt

Izzy Fuhrmann - ein jüdischer Musiker zwischen Verfolgung und Emigration

16 Schülerinnen und Schüler dokumentierten 2006 das Leben und die Verfolgung des jüdischen Musikers Izzy Fuhrmann in einer Ausstellung. Sie arbeiteten dazu intensiv mit der in Los Angeles lebenden Tochter des Musikers zusammen.

Brigitte Medvin, Tochter des in Vergessenheit geratenen jüdischen Musikers Izzy Fuhrmann, träumte lange davon, das Werk und das Schicksal ihres im Nationalsozialismus verfolgten Vaters einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ergebnis war eine Schülerausstellung, in der 16 Elftklässlerinnen und Elftklässler aus Schwerin die lange aufbewahrten und außerhalb der Familie Fuhrmann unbekannten Dokumente über den Musiker zeigten. Die Erarbeitung der mit dem ersten Preis im Wettbewerb "Kinder zum Olymp" ausgezeichneten Ausstellung soll im Folgenden beschrieben werden.

Einstieg in das Projekt

Die Schülerinnen und Schüler hatten überdurchschnittliches Interesse an Geschichte und arbeiteten freiwillig an der Schüleraustellung mit. Alle verfügten aus dem Schulunterricht über historische Grundkenntnisse.


Im Januar 2006 wurden zunächst Aufgaben- und Zielstellung des Projektes vorgestellt. Im März begann die Arbeit mit einem Workshop im Jüdischen Museum Berlin und einem Treffen mit Brigitte Medvin, die eigens aus ihrem Wohnort Los Angeles angereist war. Ziel war es, die vorhandenen Grundkenntnisse der Schülerinnen und Schüler zur Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland und zur Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands und Europas anhand von konkreten Beispielen der Diskriminierung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Familien zu festigen.

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Info

Methodensteckbrief

  • Teilnehmerzahl: 15
  • Altersstufe: Klasse 12
  • Zeitbedarf: 9 Monate, je 2 Wochenstunden
  • Kosten: 500 Euro
  • Benötigte Ausstattung: Standard-Schulausstattung
  • Nach einer Führung durch das Jüdische Museum übten die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit historischen Quellen. Sie befassten sich zunächst in kleinen Gruppen von drei bis vier Personen mit Zeugnissen jüdischer Familien aus ganz unterschiedlichen Städten und sozialen Schichten. Ziel dieser Arbeitsphase war es, die Informationen aus schriftlichen Quellen herauszusuchen und zu bewerten. In einem zweiten Schritt sollten die Schülerinnen und Schüler diese dann ins Verhältnis zu ihrem geschichtlichen Wissen aus den Lehrbüchern stellen. Es ging also um Fragen wie:
    • Wie spiegelten sich die diskriminierenden Maßnahmen der Nazis im Leben der betreffenden Familie wider?
    • Warum erhielt eine Familie Hilfe von ihren Mitmenschen, andere nicht?
    • Welche ähnlichen Erfahrungen machen die Personen in den Quellen, wo sind ihre Erlebnisse unterschiedlich?
    Die Schülerinnen und Schüler betrachteten also das Verhältnis zwischen konkreter, persönlicher Geschichte auf der einen Seite und allgemeiner Geschichte auf der anderen Seite. Die Ergebnisse der Gruppenarbeit stellten sie im Plenum vor.

    Dies vertieften sie dann durch das anschließende Gespräch mit und über Brigitte Medvin. Zunächst erzählte die 1933 Geborene, welche Kindheitserlebnisse, welche Träume ihrer Kindheit ihr in Erinnerung geblieben sind. Mit Hilfe eines Mitarbeiters des Leo-Baeck-Instituts am Jüdischen Museum Berlin stellten die Schülerinnen und Schüler unter Verwendung der bisherigen Arbeitsresultate die Verbindung zwischen Frau Medvins Erfahrungen und den Entwicklungen in Deutschland ab 1933 her.

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