Werkstatt Einfache Sprache

Was ist die "Werkstatt einfache Sprache"?

9.5.2016
Die "Werkstatt einfache Sprache" will das Prinzip der einfachen Sprache und den sozialen Charakter von Design für alle nachvollziehbar machen und als Modell weitergeben.

Wenn unsere Lebenswelt immer komplexer wird, sind einfache Lösungen gefragt. Umso mehr, da ca. 10 – manche sagen sogar 20 – Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Leseschwäche, mit Schreib- und Verständnisschwierigkeiten. Digitale Medien sind heute unverzichtbar für die persönliche Teilhabe an der Gesellschaft. Deshalb hat die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in der Reihe "einfach Politik" die Leitfäden "einfach Internet" in einfacher Sprache geschaffen. Hier sollen in nachvollziehbaren Schritten die häufigsten und wichtigsten Nutzungsmöglichkeiten des Internets in einfacher Sprache erklärt werden. Aus der Entwicklung der Leitfäden in einfacher Sprache entstanden Erfahrungen, die sich abgrenzen vom strengen Regelwerk der Leichten Sprache, von der kostspieligen und langwierigen Evaluierung und von der Einengung auf die Zielgruppe der Menschen mit Behinderung.

Medien in einfacher Sprache bauen auf folgenden Prinzipien auf:
  1. Einfache Erklärungen für komplizierte Sachverhalte.
  2. Jeder Mensch kann Medien in einfacher Sprache erstellen. Ziel ist nicht das Einhalten eines komplizierten Regelwerks, sondern eine möglichst große Zielgruppe mit einfachen Mitteln zu erreichen.
  3. Menschen mit Leseschwierigkeiten sollen von Anfang an beteiligt sein.
  4. einfache Sprache und stigmatisierungsarme Bildsprache
  5. Erstellung als digitale Medien zur Teilhabe an der Gesellschaft und als open source Medien, die ohne Kosten weiter verbreitet werden können.
Dieser inklusive Umgang mit Medien steht dabei auch für einen neuen Umgang mit Behinderung: Der behinderte Mensch wird nicht als betreuungsbedürftig gesehen, sondern als kompetenter Partner im Abbau von Komplexität. Auf diese Weise zeigen Menschen mit Behinderung auch Nichtbehinderten im Umgang mit Technik neue Lösungswege auf. Sie betrachtet den Nutzer als Experten in eigener Sache. Grundlage für die Projektarbeit im PIKSL Labor ist das Verständnis für die Lebenswelt der Anwender. So können Bedarfe identifiziert und entsprechende Anforderungen erfüllt werden. Inklusive Medienbildung mit den Leitfäden Internet in einfacher Sprache ermöglicht Menschen mehr Teilhabe an der Gesellschaft durch den eigenständigen Weg vom Nonliner zum Onliner.

Die "Werkstatt einfache Sprache" geht daher von einem weitgefassten Inklusionsbegriff aus. Sie entwickelt zielgruppenoffene Angebote. Das heißt, jeder soll die Angebote nutzen, der sie besser versteht als herkömmliche Angebote. Ausgangspunkt ist daher nicht die UN Behindertenrechtskonvention, sondern das Ziel, mehr gesellschaftliche Teilhabe für alle.

Jede Veränderung beginnt mit Information. Deshalb hat die Bundeszentrale für politische Bildung nicht nur die Leitfäden Internet produziert und online gestellt, sondern die "Werkstatt einfache Sprache" will den Weg dahin vermitteln, damit alle, die Medien in einfacher Sprache sinnvoll finden, sie selbst erstellen können. Die "Werkstatt einfache Sprache" stellt einerseits die Schritte vor zur Erstellung von Medien in einfacher Sprache. Sie ist aufgebaut wie ein Zettelkasten. Man entnimmt nur die Zettel, d.h. Themenblätter, die man für die eigene Aufgabe braucht.

Andererseits ist es Ziel der Werkstatt, Menschen zu ermutigen eigene visuelle Inhalte in einfacher Sprache für ihre Zielgruppe zu erarbeiten und gemeinsam zu überprüfen. Nicht der passive Konsum von Medienangeboten steht im Mittelpunkt, sondern auch inklusive Medienbildung zielt auf die aktive, selbständige sinnvolle und verantwortungsvolle Mediennutzung aller. In diesem Sinn hoffen wir auf viele Nachahmer.