Werkstatt Einfache Sprache

Inklusion oder Exklusion durch Leichte Sprache?

9.5.2016
Leichte Sprache gilt in der Inklusionsdebatte als Königsweg zur Erweiterung der Chancen zu gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Die Kritik nimmt aber mit der Entwicklung von Alternativen zu.

Leichte Sprache gilt in der Inklusionsdebatte als Königsweg zur Erweiterung der Chancen zu gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten

In Deutschland leben weit über 10 Millionen Menschen mit Leseschwäche. Alte und junge Menschen, die Gründe sind ganz unterschiedlich. Seit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gilt Leichte Sprache in der Inklusionsdebatte als Königsweg zur Erweiterung der Chancen zu gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie wird insbesondere von den Behindertenverbänden gefordert.

Unterschied Leichte und einfache Sprache (nach capito Standard): "Level-One". Aufteilung der Zielgruppen nach Verständniskompetenz in sechs Niveaustufen.

Der Unterschied Leichte und einfache Sprache wurde in einer Studie (Level-One) benannt. Die Zielgruppen wurden nach Verständniskompetenz aufgeteilt.
Es gibt sechs Niveaustufen. Interessant sind die ersten drei:

A1=Leichte Sprache Beschreibung: Kann einzelne vertraute Namen, Wörter und ganz einfache Sätze verstehen, z.B. auf Schildern, Plakaten oder in Katalogen. Kriterien für die Verständlichkeitsstufe A1 gelten für Menschen mit starken Behinderungen oder Menschen nicht deutscher Muttersprache, die gerade beginnen Deutsch zu lernen.

A2=Leichte Sprache Beschreibung: Kann ganz kurze, einfache Texte lesen. Kann in einfachen Alltagstexten (z.B. Anzeigen, Prospekten, Speisekarten oder Fahrplänen) konkrete, vorhersehbare Informationen auffinden und kann kurze einfache persönliche Briefe verstehen Kriterien für die Verständlichkeitsstufe A2 gelten für Menschen mit Behinderung oder Menschen nicht deutscher Muttersprache, die über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen.

B1=einfache Sprache Beschreibung: Kann Texte verstehen, in denen vor allem sehr gebräuchliche Alltags-oder Berufssprache vorkommt. Kann private Briefe verstehen, in denen von Ereignissen, Gefühlen und Wünschen berichtet wird. Kriterien für die Verständlichkeitsstufe B1 gelten für Menschen nicht deutscher Muttersprache mit dem Sprachniveau fortgeschrittener Anfänger und für Menschen mit deutscher Muttersprache und geringem Bildungsniveau.

Leichte Sprache, von den Behindertenverbänden gefordert, steht immer mehr wegen ihrer Ökonomisierung aber auch wegen ihrer unzureichenden sprachwissenschaftlichen Fundierung in der Kritik: Bettina Zurstrassen fasst diese zusammen in "Gesellschaftliche Exklusion durch Leichte Sprache?" und kann belegen: "Das Konzept der Leichten Sprache lässt sich aus der UN-BRK also nicht zwingend ableiten." In der deutschen Übersetzung der Konvention von 2009 wird nicht der Begriff "Leichte Sprache" verwendet, sondern "Einfache Sprache" (Art. 2). "Easy to read" (Art. 9) in der englischen Version wird übersetzt mit "leicht lesbar und verständlich" (Art. 9).



 
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9–11/2014)

Leichte und Einfache Sprache

Die Konzepte der Leichten und Einfachen Sprache zielen darauf, sprachliche Hürden für diejenigen abzubauen, die Alltags- oder auch Fachsprachen (etwa "Amtsdeutsch", Wissenschaftssprachen) nicht oder nur schwer verstehen. Während Leichte Sprache insbesondere seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland 2009 an Bedeutung gewonnen hat, erhält Einfache Sprache seit den jüngsten Erkenntnissen über das Ausmaß des funktionalen Analphabetismus besondere Relevanz. Weiter...