Zuflucht Gesucht

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1.9.2017 | Von:
Katharina Reinhold

Juliane aus Simbabwe: Handreichung für Pädagoginnen und Pädagogen

Die Handreichung gibt im Kontext von Julianes Geschichte Anregungen, mit Kindern zu Verlust, Flucht und Trauma zu arbeiten. Abgestimmt auf die Fragestellungen des Arbeitsblatts gibt es Übungen, um Wertschätzung und Anerkennung sowie Gewalterfahrungen und die Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen zu thematisieren.

Gesamtlänge des Films: 4:51 min. (incl. Abspann)

Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Fächer: Deutsch, Sachunterricht, Politik, Kunst, Religion/Ethik

Schwerpunkte: Gefühle, Kinderrechte, Gesundheit, Armut, Trauma

Ziele: Annäherung an das Thema Flucht, Entwicklung von Empathie, Förderung von Wertschätzung und Rücksichtnahme der Kinder untereinander, Kennenlernen der Kinderrechte (besonders Gesundheit, elterliche Fürsorge), Entwicklung eines Verständnisses für ängstliche, schüchterne oder traumatisierte Kinder und Kompetenzen im Umgang Allgemeiner Hinweis zum Einsatz des Arbeitsblattes: Die Übungen können auch unabhängig voneinander bearbeitet werden.

Vor dem Sehen des Films

Vorentlastung: Sie können am besten einschätzen, ob und was die Kinder über Simbabwe oder andere Länder im südlichen Afrika wissen. Kurze Hintergrundinfos sind im Arbeitsblatt gegeben, ebenso Links zu ausführlicheren Darstellungen.

Weitere Hintergrundinformationen zu politischen Lage in Simbabwe finden Sie hier: http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54685/simbabwe

Auch das Thema Waisenhaus wird auf dem Arbeitsblatt kindgerecht erklärt.

Übung 1: Juliane kennenlernen

Fächer: z.B. Deutsch, Sachunterricht, Politik, Religion/Ethik, Kunst

Dauer: ca. 20 min.

Angestrebte Kompetenzen: Informationen aus Bildern entnehmen, beschreiben und auf Basis von Vorerfahrungen einordnen und bewerten.

In der Übung setzen die Kinder sich mit der Protagonistin des Films, Juliane aus Simbabwe, auseinander und stellen sich auf die Stimmungen im Film ein.

Zunächst beschreiben sie Juliane möglichst genau.

Eine mögliche Antwort:

Juliane hat einen sehr großen Kopf mit auffällig großen, dunklen Augen. Ihr Mund steht offen. Sie hat dunkle Haare, die zu kleinen Zöpfen geflochten sind. Sie hat eine große weiß-rosafarben-gestreifte Schleife und kleine Perlen in den Haaren. Ihr Kleid ist ebenfalls rosa-weiß gestreift. Ihre Hautfarbe ist dunkel.


Die Standbilder aus dem Film zeigen Juliane in verschiedenen Situationen und in unterschiedlichen Gemütslagen. Die Kinder ordnen den Fotos verschiedene Gefühle zu.

Antwortmöglichkeiten (Beispiele):

Bild 1 (im Kinderheim, zeichnend): z.B. erwartungsvoll/neugierig/nachdenklich/einsam

Bild 2 (auf dem Schulhof in Simbabwe): z.B. traurig, einsam

Bild 3 (dunkler Hintergrund): z.B. ängstlich, erschrocken

Bild 4 (in der Tür der engl. Schule): neugierig, ängstlich, hoffnungsvoll, vorsichtig

Bild 5 (in der engl. Schule mit helfendem Erwachsenen): fröhlich, offen, freundlich, hoffnungsvoll)

Bild 6 (mit der Mutter): glücklich, fröhlich, sorglos, liebevoll


Anschließend spekulieren die Kinder auf Basis ihrer Bildanalyse über den Film: Wird er eher fröhlich, lustig, spannend oder traurig sein?

Eine mögliche Antwort:

Vermutlich werden die Kinder zu dem Schluss kommen, dass der Film traurig und fröhlich, vielleicht auch spannend ist.


Übung 2: Den Film sehen und verstehen

Fächer: z.B. Deutsch, Sachunterricht, Politik, Religion/Ethik

Dauer: ca. 20 min.

Angestrebte Kompetenzen: Informationen aus Bewegtbildern und Texten entnehmen und verstehen. Inhalte zusammenfassen. Verständnis für Kinder mit Fluchtgeschichte entwickeln.

Da die Kinder durch die Übung „Juliane kennenlernen“ bereits verschiedene Spielorte und Stimmungen erfasst und sich auf den Film vorbereitet haben, ist es gut möglich, den Film als Ganzes anzuschauen und die Fragen im Anschluss zu bearbeiten. Alternativ kann der Film in kurzen Abschnitten angeschaut werden und im Anschluss besprechen sie die Fragen und weitere Reaktionen in der Klasse.

Möglicherweise ruft der Film bei einigen Kindern starke emotionale Reaktionen hervor. Die Kinder sollten Gelegenheit haben, ihre Gedanken und Gefühle spontan äußern zu können. Alle Äußerungen sollten gleichwertig akzeptiert werden.

Die Ausschnitte starten jeweils bei der angegebenen Stelle, stoppen müssen Sie jedoch selbst. Wir empfehlen, dies vor dem gemeinsamen Anschauen in der Klasse auszuprobieren. Die Fragen können Sie mündlich im Gespräch erörtern, oder die Kinder beantworten sie schriftlich auf dem Arbeitsblatt.

Juliane in Simbabwe (0:00 - 1:44 min.)

Aufgabenstellung: Beschreibe, was Juliane als kleines Kind in Simbabwe erlebt. Beantworte dabei folgende Fragen: Wer kümmert sich um sie? Bei wem lebt sie? Wie ist es dort? Wie geht es Juliane dabei?

Eine mögliche Antwort:

Julianes Mutter verschwand („verließ sie“), als sie erst dreieinhalb Jahre alt war. Sie kam dann in ein kirchliches Waisenhaus. Dort lebten etwa 30 weitere Kinder, es gab nicht genug zu essen und kaum sauberes Wasser zum Trinken. Juliane fühlte sich einsam und traurig, andere Kinder lachten sie aus.


Der Neuanfang in Europa (2:46 - 3:17 min.)

Aufgabenstellung: Finde heraus, wo für Juliane und ihre Mutter ein neues Leben beginnt. Gib wieder, wie es ihr in der Schule ergeht.

Eine mögliche Antwort:

Sie bekommen ein Visum für Großbritannien und fliegen dort hin (im Text heißt es: Nach Europa). Der erste Schultag war schrecklich, Juliane traute sich kaum zu sprechen. Sie hat häufig Angst und bekommt Panikattacken.


Panik (3:07 - 3:36 min.)

Aufgabenstellung: Erkläre, wovor Juliane Angst hat und wie es ihr geht, wenn sie große Angst bekommt.

Eine mögliche Antwort:

Sie bekommt im Unterricht nichts mehr mit. Sie hat Angst davor, dass sie nach Hause kommt und ihre Mutter weg ist. Sie bekommt Herzrasen, atmet immer schneller und wird plötzlich ohnmächtig.


Es wird besser (3:36 - 4:06 min.)

Aufgabenstellung: Werte aus, was Juliane hilft, damit es ihr besser geht. Gib wieder, wie sie sich selbst beschreibt. Was denkst du, was Juliane meint mit ihrer Aussage: „Am Ende des Tunnels wartet immer ein Regenbogen“?

Eine mögliche Antwort:

In der Schule wurde eine Gruppe eingerichtet, um Schülerinnen und Schüler mit Problemen zu unterstützen. Dort kann Juliane hingehen, wenn sie wütend oder traurig ist oder Angst hat und mit jemandem darüber reden. Die Erwachsenen dort versuchen ihr dann zu helfen. Sie kommt immer besser mit anderen zurecht. Sie sagt, sie sei eine Kämpferin und Überlebenskünstlerin. Mit dem Satz beschreibt sie ihre Erfahrung, dass auf schlechte Zeiten immer gute folgen. Es ist ein Bild der Hoffnung.

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Autor: Katharina Reinhold für bpb.de
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