Christian Ehring, Kabarettist und Moderator, in seiner Sendung "extra 3".

"Extra 3" und "NNN - Neuste Nationale Nachrichten"

5.4.2016
Seit 1976 gibt es im Norddeutschen Rundfunk (NDR) das politische Satiremagazin "extra 3". Als dessen Erfinder gilt Dieter Kronzucker. Im Laufe der Zeit gab es weitere bekannte Journalisten, die als Moderator in der Sendung auftraten. Hierzu zählen Peter Merseburger, Wolf von Lojewski, Stefan Aust und Lea Rosh. Zwischen 2007 und 2011 moderierte Tobias Schlegl die Sendung, seit 2011 Christian Ehring.

extra 3-Moderator Christian Mehringextra 3-Moderator Christian Mehring (© picture-alliance/dpa)

Mit Witz und Satire begleitet und kommentiert "extra 3" das aktuelle politische Geschehen. Neben einmaligen Beiträgen gibt es in der Sendung zudem verschiedene Rubriken als längerfristige Formate, etwa "Schlegel in Aktion" oder "Johannes Schlüter". Für Letzteres erhielten die extra 3-Autoren Jesko Friedrich und Dennis Kaupp 2009 den Adolf-Grimme- Preis "Spezial".

Auch "NNN – Neueste Nationale Nachrichten" ist eine Rubrik, die seit Längerem Bestandteil der Sendung ist. Hier werden Rechtsextreme und Neonazis durch Adolf Hitler, das "Idol" dieser rechtsextremen Szene, satirisch aufs Korn genommen: Historische Filmaufnahmen aus den 1930er Jahren, bei denen die tatsächliche Gestik und Mimik Hitlers erhalten bleiben, werden mit satirischen Texten neu versehen und eingesprochen. Die dabei verwendete Stimme stammt von Synchronsprecher und Schauspieler Robert Missler. Für die Texte sind verschiedene Autoren verantwortlich, z.B. Julian Amershi, Alicia Anker, Johannes Büchs, Matthias Grübel oder Martina Hauschild.

Das verwendete Filmmaterial stammt zum größten Teil aus dem NS-Propagandafilm "Triumph des Willens", der 1934 von Leni Riefenstahl gedreht und 1935 ausgestrahlt wurde. Dabei handelt es sich um einen propagandistischen und inszenierten Dokumentarfilm zum NSDAP-Reichsparteitag von 1934, der Adolf Hitler als "Idol" zeigt, wie ihn seine Anhänger heute noch gern sehen: stark, wortgewaltig und überzeugend. Bei der in der Reihe "Neueste Nationale Nachrichten" verwendeten Schlussszene handelt es sich um US-amerikanisches Filmmaterial, das die Zerstörung des NSDAP-Parteitagsgeländes durch die US-Armee zeigt.

Ob NPD-Funktionär , autonomer Nationaler oder rappender Nazi, ob missglückte Veranstaltungen, Skandale, Razzien durch die Polizei oder eine peinliche Rede im Parlament – die rechtsextreme Szene wird in den zwei- bis dreiminütigen Filmclips persönlich von ihrem "Vorbild" Adolf Hitler beobachtet, schonungslos kritisiert und beschimpft. Auch wenn die satirischen Filme in erster Linie amüsant wirken und dem Zuschauer die Absurditäten des Handelns der rechtsextremen Szene zeigen, erfüllen sie durchaus weitere Funktionen. Sie informieren über Entwicklungen in der rechtsextremen Szene und legen den rassistischen, menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Charakter der rechtsextremen Weltanschauung offen. Sie sollen die Zuschauer zum Nachdenken anregen und im Idealfall zum Engagement gegen Rechtsextremismus ermutigen. Die vielschichtigen Qualitäten des Formats "NNN – Neueste Nationale Nachrichten" werden auch dadurch unterstrichen, dass es 2012 in der Kategorie "Unterhaltung/Spezial" für den Grimme-Preis nominiert war.

Quelle und weitere Informationen:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/extradreischluetergrimme100.html

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/rueckschau/NNN-Neueste-Nationale-Nachrichten,nnn134.html



 

Dossier

Rechtsextremismus

Das Auffliegen der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat gezeigt: In Deutschland sind Strukturen entstanden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen. Aber nicht nur im Untergrund oder am Rand der Gesellschaft gibt es rechtsextreme Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und den Glauben an einen starken Führer. Weiter...