Christian Ehring, Kabarettist und Moderator, in seiner Sendung "extra 3".

NPD-Kandidat

1.4.2016
Der Filmclip beschäftigt sich mit dem rechtsextremen Liedermacher Frank Rennicke, der zweimal als NPD-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte. Rennicke ist seit seiner Jugend im rechtsextremen Spektrum aktiv und wurde unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt. Er ist eine der bekanntesten Personen der rechtsextremen Szene in Deutschland und eine Integrationsfigur verschiedener Lager und Strömungen. Bei den Wahlen für das Amt des Bundespräsidenten erhielt er vier (2009) bzw. drei (2010) Stimmen von den Delegierten der DVU bzw. der NPD.

Mai 2009: Vertreter der NPD und ihr Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Frank Rennicke (r), sitzen in der 13. Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten.Vertreter der NPD und ihr Kandidat Frank Rennicke (r.) bei der Wahl des 11. Bundespräsidenten. (© picture-alliance/dpa)

Hintergrund



Politische Großereignisse wie die Wahl des Bundespräsidenten bieten auch randständigen Parteien wie der DVU (2011 mit der NPD fusioniert) oder der NPD Zugang zu einer breiteren Öffentlichkeit. Als Oppositionsparteien in den Landtagen von Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern durften NPD bzw. DVU (nur 2009) Wahlmänner in die Bundesversammlung entsenden. Die Bundesversammlung tritt nur zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen. Sie besteht aus den Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie einer gleichen Zahl von Delegierten , die nach dem Verhältniswahlrecht von den Landesparlamenten entsandt werden. Frank Rennicke ist seit Jahrzehnten in verschiedenen Organisationen der rechtsextremen Szene aktiv, etwa der 1994 verbotenen "Wiking-Jugend" und der 2009 verbotenen Nachfolgerin "Heimattreue Deutsche Jugend". Außerdem war er an den "Schulhof-CD"-Projekten der NPD beteiligt, mit denen die Partei Schüler für die "nationale Sache" begeistern wollte. Als in Szenekreisen prominenter Liedermacher gehört Rennicke fest zum neonazistischen Musikrepertoire. Die Liste seiner Musikveröffentlichungen ist lang, fast ebenso lang ist die der Indizierungen seiner Tonträger – unter anderem wegen der offenen Verehrung des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß.

Lernziele



Die Schüler können die diskriminierenden, rassistischen und pro-nazistischen Inhalte in Rennickes Liedern wiedergeben und verstehen, welche Auswirkungen seine Wahl zum Bundespräsidenten besonders für Bürger mit Migrationshintergrund gehabt hätte. Die Schüler erkennen die Gründe der NPD und DVU zur Aufstellung Rennickes als Kandidat und sind in der Lage zu beschreiben, welche Eigenschaften ein Bundespräsident ihrer Meinung nach haben sollte.

Einsatz im Unterricht - Kopiervorlage 13



In Aufgabe 1 soll mithilfe der im Filmclip gezeigten Liedbeispiele die ausgrenzende und anti-demokratische Weltanschauung Rennickes offengelegt werden (z.B. "Deutschland über alles, das Reich muss neu erstehen", "die Rassen zu vermischen, bis man den Menschen nicht mehr sieht, davon kann ich als Deutscher, euch singen unser Lied", "weil ich den Adolf gerne mag"). Durch die Gegenüberstellung der Zitate Joachim Gaucks und Horst Köhlers erarbeiten sich die Schüler in Aufgabe 2 die Erkenntnis, dass Rechtsextremisten nicht von der universellen Gleichwertigkeit aller Menschen ausgehen und demzufolge z.B. Migranten , politisch Andersdenkende und Juden ausgeschlossen werden. Danach erschließen sich die Schüler in Aufgabe 3 die Gründe für die Kandidatur Rennickes – wobei keine der Antworten gänzlich falsch ist: Die NPD wurde tatsächlich gewählt und ist formal berechtigt, einen aus ihrer Sicht geeigneten Kandidaten vorzuschlagen. Alle Antworten sind diskutabel, wobei die wichtige Erkenntnis ist, dass die Bühne der Präsidentenwahl zur Verspottung der Demokratie und zur Stärkung der eigenen Reihen genutzt werden sollte. Die abschließende Auseinandersetzung mit dem Amt des Bundespräsidenten (Aufgabe 4) bietet Gelegenheit zur Reflexion der eigenen Ansprüche an diese Integrationsfigur.

Didaktische und methodische Hinweise zu Filmclip und Arbeitsblatt:



 

Dossier

Rechtsextremismus

Das Auffliegen der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat gezeigt: In Deutschland sind Strukturen entstanden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen. Aber nicht nur im Untergrund oder am Rand der Gesellschaft gibt es rechtsextreme Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und den Glauben an einen starken Führer. Weiter...