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Glossar

30.11.2007
Das Glossar zum Projekt "Du kommst hier nicht rein! Jugend zwischen Ausgrenzung und Integration" aus der Reihe "Forschen mit GrafStat" enthält Begriffe rund um das Thema Integration und Migration.

Glossar A - D



Abschiebung:
bezeichnet die zwangsweise (und ggf. mit Zwangsmitteln) durchgesetzte Ausweisung von Ausländern aus Deutschland, die keine Aufenthaltsberechtigung bzw. -erlaubnis haben.

Anwerbestopp:
1973 wird vom Bundeskabinett beschlossen, dass keine ausländischen Arbeitnehmer aus den damaligen -> Anwerbestaaten mehr zum Zwecke der Arbeitsaufnahme nach Deutschland einreisen dürfen. In der Zwischenzeit sind jedoch Griechen, Portugiesen und Spanier - ehemalige Anwerbeländer - Mitgliedsstaaten der EU geworden. Für ihre Staatsangehörigen besteht Freizügigkeit, d.h. sie können in jedem Mitgliedsstaat Arbeit aufnehmen. Zwar ist der A. auch weiterhin gesetzlich festgeschrieben, allerdings besitzt er aufgrund der vielen Ausnahmeregelungen und der Erweiterung der EU kaum noch Gültigkeit. Eine gänzliche Aufhebung des Gesetzes steht aber noch aus.

Anwerbevertrag:
Am 20. Dezember 1955, unterzeichneten in Rom der italienische Außenminister, der deutsche Arbeitsminister und der deutsche Botschafter den deutsch-italienischen Anwerbevertrag. Dieses Datum gilt als der Beginn der Migrationsbewegungen im 20. Jahrhundert in Deutschland. Es folgen weitere Anwerbeverträge mit Spanien und Griechenland (1960), mit der Türkei (1961), Portugal (1964), Tunesien und Marokko (1965) sowie Jugoslawien (1968). Eine Begrenzung innerhalb der EU erfolgt heute zum Beispiel durch das -> Arbeitnehmer Entsendegesetz.

Arbeitsmigration:
Unter Arbeitsmigration versteht man das -> Auswandern von Menschen aus ihrer Heimat zu dem Zweck einer Arbeit in einem fremden Land. Hierbei ging (und geht auch heute noch) die Wanderung vorwiegend aus industriell unterentwickelteren Ländern in die Industrienationen. Die Arbeitsmigration sollte früher durch -> Anwerbeverträge gesteuert werden. Heute wird seitens der Länder der Zuzug eher nach Qualifikationsbedarf gesteuert -> Green-Card Initiative.

Arbeitnehmer-Entsendegesetz:
Das Arbeitnehmer-Entsendegesetz vom 01.03.1996 regelt die zwingenden Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern, die zur grenzüberschreitenden Erbringung von Dienstleistungen nach Deutschland kommen. Diese Arbeitsbedingungen beziehen sich hauptsächlich auf Mindestlohn und Urlaubsanspruch.

Assimilation:
Assimilation bezeichnet die Anpassung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen aneinander. Es beschreibt also die vollständige Anpassung einer Minderheit an die Mehrheitsgesellschaft bei Verlust von Sprache und Kultur des Herkunftlandes. Umstritten ist, ob es sich bei der Assimilation um ein gezieltes "Aufzwingen" der Eigenschaften und Einstellungen der dominanten Gesellschaft handelt.

Asyl:
Unter der Bezeichnung Asyl versteht man einen Zufluchtsort, von dem man nicht gewaltsam weggeholt wird. Das Grundgesetz gewährt politischen Flüchtlingen Asyl (Art. 16 a GG), wenn eine Prüfung ergibt, dass der Asylsuchende politisch verfolgt wird und deshalb seine Heimat verlassen musste.

Asylbewerber:
Asylbewerber sind Menschen, die in einem fremden Land ->Asyl, das heißt um Aufnahme und Schutz vor politischer, religiöser oder geschlechtsspezifischer Verfolgung beantragen. Wird ihr Antrag um Asyl abgelehnt, müssen sie Deutschland wieder verlassen. Herrscht allerdings in ihrem Heimatland Krieg oder Bürgerkrieg, wird die -> Abschiebung ausgesetzt.

Aufenthaltsgesetz:
Das Aufenthaltsgesetz enthält die gesetzlichen Grundlagen über die Ein- und Ausreise und den Aufenthalt von Ausländern in Deutschland. Es ist seit dem 1. Januar 2005 in Kraft und ersetzt das -> Ausländergesetz. Es ist Hauptbestandteil des -> Zuwanderungsgesetzes.

Aufenthaltserlaubnis:
Die Aufenthaltserlaubnis ist ein Titel nach dem neuen -> Aufenthaltsgesetz. Sie bezeichnet den befristeten Aufenthalt für mindestens sechs Monate, wobei dies nicht immer mit einer Arbeitserlaubnis verbunden sein muss. Eine Aufenthaltserlaubnis wird in der Regel erteilt, wenn die Voraussetzungen für die Aussetzung einer -> Abschiebung gegeben sind.

Aufenthaltstitel:
Der Aufenthaltstitel ist ein Oberbegriff für das Visum, die befristete -> Aufenthaltserlaubnis und die unbefristete -> Niederlassungserlaubnis. Ausländer: Als Ausländer werden in Deutschland alle Menschen bezeichnet, die keinen deutschen Pass besitzen, die also keine deutschen Staatsbürger sind. Ausländerfeindlichkeit: Ausländerfeindlichkeit beschreibt eine negative, vorurteilsvolle Einstellung gegenüber -> Ausländern. Dies zeigt sich durch Ausgrenzung oder auch durch Gewaltanwendung.

Auswanderung:
Auswanderung oder Emigration ist das dauerhafte Verlassen des eigenen Heimatlandes. Wahre Auswanderungswellen wurden in der Vergangenheit durch Wirtschaftskrisen oder durch Naturkatastrophen ausgelöst, die einen weiteren Aufenthalt in den Ursprungsgebieten unmöglich machten.

Bleiberecht:
Im November 2006 wurde in der Innenministerkonferenz beschlossen, dass seit Jahren in Deutschland lebenden Ausländern ein Bleiberecht gewährt werden soll, wenn sie nachweisen können, dass sie sich durch eigene Arbeit ernähren. Ihnen wird somit ein gesicherter -> Aufenthaltstitel zugesprochen.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF):
Das Bundesamt als Kompetenzzentrum für Migration, Integration und Asyl nimmt vielfältige Aufgaben wahr. Es entscheidet über Asylanträge und Abschiebeschutz von -> Flüchtlingen. Weiterhin gehört zu den Schwerpunkten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die sprachliche, soziale und gesellschaftliche Integration von Zuwanderern in Deutschland zu fördern und zu koordinieren.

Bündnis für Demokratie und Toleranz:
Im Jahr 2000 gründeten die Bundesministerien des Inneren und der Justiz am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, nach einer Serie rechtsextremer Gewalttaten das "Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt" und gaben damit den Bürgern einen zentralen Ansprechpartner. Das Bündnis verfügt über einen Beirat von 22 Personen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik.

Chancengleichheit:
Vor dem Gesetz sind alle Bürgerinnen und Bürger gleich. Das gilt auch für die Chancen, die jeder Bürger haben soll und unabhängig vom Geschlecht, von der Hautfarbe oder der Religion eines Menschen.

Deutsche Staatsbürgerschaft:
Staatsbürgerschaft und Staatsangehörigkeit werden in Deutschland synonym verwendet. Die deutsche Staatsangehörigkeit wird durch Geburt erworben. Wenn also ein Elternteil deutsch ist, wird das Kind auch deutsch. -> Ausländer können, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, die -> Einbürgerung beantragen und dann die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Diversity:
Der Begriff Diversity, wird meist mit Heterogenität, Vielfalt oder Verschiedenartigkeit übersetzt. Das Konzept beachtet die Vielfalt, hebt sie positiv hervor und möchte sie zum Vorteil aller Beteiligten nutzen.

Doppelte Staatsbürgerschaft:
-> Mehrfache Staatsbürgerschaft

Duldung:
Die Duldung bezeichnet eine vorübergehende Aussetzung der -> Abschiebung. Die Duldung beinhaltet keine Arbeitserlaubnis, was reguläre Lohnarbeit oder Selbstständigkeit ausschließt. In der Praxis leben rund 200 000 Geduldete in Deutschland, fast die Hälfte schon seit mindestens 10 Jahren. Da die Duldungen immer nur kurzfristig ausgesprochen werden und so jederzeit mit baldiger Abschiebung gerechnet werden muss, bedeutet dieser Zustand eine erhebliche Belastung für die Betroffenen. Auch die Kinder geduldeter Personen haben in Deutschland wenig Zukunft. Sie dürfen keine weiterführende Schule besuchen, keine Ausbildung machen, nicht arbeiten. Zusätzlich werden sie alle 12 Monate schriftlich daran erinnert, dass sie jederzeit ausgewiesen werden können, unabhängig davon, ob sie schon in Deutschland geboren wurden oder schon zwischen 10 und 20 Jahren hier leben. Einige Verbesserungen für die Betroffenen bieten die neuen Beschlüsse zum -> Bleiberecht.

Quellen:



Asylmagazin Online, »www.asyl.net«
Auenthaltstitel Online: Bleiberrecht, »www.aufenthaltstitel.de«
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, »www.bamf.de«
Bundesministerium der Justiz: Gesetz über zwingende Arbeitsbedingungen bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen (Arbeitnehmer-Entsendegesetz - AEntG), »http://bundesrecht.juris.de«
Hanisauland: Chancengleichheit, »www.hanisauland.de«
Hanisauland: Staatsangehörigkeit, »www.hanisauland.de«
Interkultur: Diversity und Interkulturelles, »www.interkultur.info/interkultur.html«
Uno-Flüchtlingshilfe: Was bedeutet es geduldet zu sein? »www.uno-fluechtlingshilfe.de«
(Alle Quellen: Stand 06.12.2007)



 

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