Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages
26.10.2012

MW 04.04 Entwicklung des Frauenwahlrechts in Deutschland

Das Recht der Frauen, wählen und sich politisch beteiligen zu können, ist heute in Deutschland und in allen Ländern Europas eine Selbstverständlichkeit. Es musste aber über viele Jahre weitgehend von den Frauen erkämpft werden.

Im Jahr 1848, bei der Wahl für die Nationalversammlung, waren Frauen noch ausgeschlossen. Es durften lediglich begüterte Männer ab 25 Jahren wählen. Im Jahr 1850 wurden erste Bestimmungen erlassen, die den Frauen die Mitgliedschaft in politischen Vereinen und Verbänden explizit verboten. Bald schon traten erste Frauenrechtlerinnen auf den Plan und forderten die Rechte ein, die die Männer schon besaßen. Um 1902 wurde das Vereinsrecht gelockert und Frauen waren befugt, an Veranstaltungen von Parteien teilzunehmen. Allerdings mussten sie sich in einem gesondert gekennzeichneten Bereich aufhalten und durften dort lediglich zuhören, sich aber nicht selbst beteiligen.

1904 wurde in Berlin die Gründungskonferenz des "Weltbundes für Frauenstimmrecht" abgehalten. Nach der Aufhebung des Vereinsrechts 1908 war es den Frauen erlaubt, in politischen Parteien und in Organisationen über politische Themen zu beraten. 1917 formierte sich der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht.

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs und der Ausrufung der Weimarer Republik stellte der Rat der Volksbeauftragten das Regierungsprogramm vor, das auch die Proklamation des Frauenwahlrechtes beinhaltete: Wahlberechtigt waren nun alle Frauen und Männer ab 20 Jahren. Am 30. November 1918 wurde das aktive und passive Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger in der Verordnung über die Wahl zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung verankert. In Artikel 109, Abs. 2 der Weimarer Verfassung ist zu lesen: "Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten."

Im Jahr 1919 fand die erste Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung unter Beteiligung der Frauen statt. Die Wahlbeteiligung lag bei ca. 90 % und war bei den Frauen um 1,7 % höher als bei den Männern. Es wurden 41 weibliche Abgeordnete gewählt.

Unter den Nationalsozialisten fand ein Rückschritt hinsichtlich des Frauenwahlrechts statt. Die Nationalsozialisten verständigten sich schon früh darauf, Frauen weder in die Parteiführung noch in die leitenden Ausschüsse zu integrieren. Nach der Machtübernahme im Jahr 1933 wurden die Rechte der Frauen weiter eingeschränkt, indem man sie z. B. aus höheren Positionen verdrängte. Die Rolle als Hausfrau und Mutter hatte Priorität. Das passive Wahlrecht wurde den Frauen entzogen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in beiden deutschen Staaten das aktive und passive Wahlrecht für Frauen wieder eingeführt. Der hart umkämpfte Artikel 3 des Grundgesetzes vom 13. Mai 1949 besagt: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Männer und Frauen haben also beide das aktive und passive Wahlrecht.

Mit Angela Merkel hat Deutschland seit 2005 zum ersten Mal eine Bundeskanzlerin. In der aktuellen Regierung werden fünf Bundesministerien durch Frauen geleitet. Mit Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen, Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland und Christine Lieberknecht in Thüringen gibt es zudem drei weibliche Ministerpräsidentinnen in den 16 Bundesländern.

Eigener Text nach:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Im Fokus. Im Detail: Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland, 01.12.2008, www.bmfsfj.de/mag/root-dezember-4,did=114188.html?referrerDocId=114158 (11.09.2012).

Zeit online, Sie gingen voran, 08.03.2007, http://www.zeit.de/2007/11/A-Finnland-Frauenwahlrecht/seite-1 (11.09.2012). Die Bundesregierung (Hrsg.): Bundeskabinett, www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Bundeskabinett/bundeskabinett.html (11.09.2012).

Arbeitsaufträge:
  1. Lies dir den Text sorgfältig durch und unterstreiche wichtige Etappen in der Geschichte der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland.
  2. Skizziere den Verlauf in einer kurzen Chronologie mit Jahreszahlen und Stichworten zu den Ereignissen.
  3. In der aktuellen Bundesregierung sind neben der Bundeskanzlerin weitere Frauen als Ministerinnen tätig. Welche Frauen sind dies und welche Bundesministerien besetzen sie?