Glossar Historytelling

von: Bundeszentrale für politische Bildung

Storytelling ist so alt wie die Menschheit selbst. Aber was ist Storytelling überhaupt? Und welche Rolle spielt es in der historischen Bildung als sogenanntes Historytelling? Das "Geschichte(n)erzählen" ist Thema des aktuellen Themenschwerpunktes. Unser kleines Glossar gibt einen Überblick zur Herkunft des Begriffes Historytelling und erklärt das Besondere am Geschichte(n)erzählen.

Inhalt

Storytelling ist die "Erzählkunst" bzw. das "Geschichtenerzählen". Das Geschichtenerzählen in einer Gemeinschaft kann unterhaltend sein, der Gemeinschaft helfen, mit Ängsten umzugehen, oder Identifikationsfaktoren für die Entwicklung der Gesellschaft setzen und tradieren. Nicht zuletzt helfen Geschichten bei der Vermittlung von Wissen. In Geschichten verpackt, bleibt es durch ein höheres Maß an Aufmerksamkeit und identifikationsstiftenden Faktoren besonders gut im Gedächtnis, wie Steffen Damm im Interview erklärt.

In der historischen Bildung wird das Geschichte(n)erzählen oder auch Historytelling – als Begriff eine Zusammensetzung aus dem englischen Wort für "Geschichte", "History", und dem Wort "Storytelling" – genutzt, um historische Wissensinhalte durch Geschichten zu vermitteln.

So erzählen zum Beispiel Zeitzeugen ihre Geschichten. Daten, Fakten und Informationen aus der Geschichte werden dadurch zu individuellen Erlebnissen und persönlichen Erzählungen. Geschichte wird so nicht nur greifbar, sondern auch multiperspektivisch. Durch das Geschichte(n)erzählen vieler treten individuelle Perspektiven an die Stelle der "einen Meistererzählung", die vom Staat bzw. der Mehrheitsgesellschaft erzählt wird. Und auch Minderheiten, deren Geschichten in der offiziellen Geschichtsschreibung und in Geschichtsbüchern oft nicht zu Wort kommen, werden gehört. (Hören Sie hierzu die Interviews von Martin Lücke und Josephine Apraku.)

Aktuell sind vor allem die Berichte der Überlenden von NS-Verfolgung von besonderer Bedeutung, denn die letzten Zeitzeuginnen und -zeugen sterben bald. Aus diesem Grund werden ihre Geschichten aufgezeichnet, damit auch folgende Generationen sie hören und sehen können. Hier ergeben sich durch Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten: Nicht nur können die Erzählungen digital konserviert werden, auch Interaktionen mit den Zeitzeuginnen – zum Beispiel mithilfe von 3D-Hologrammen – werden möglich, wie Bernd Körte-Braun in seinem Beitrag aufzeigt.

Weitere Möglichkeiten, Geschichte(n) auch digital zu erzählen, sich zudem über sie auszutauschen und an ihr zu partizipieren, können Websites und soziale Medien wie Twitter und Facebook bieten – oder auch Computerspiele. In diesen Medien ist der Zuhörer nicht nur Rezipient, sondern kann antworten, widersprechen, eigene Perspektiven einbringen und Geschichte(n) so selbst mitgestalten. (Mehr dazu hören Sie in den Interviews mit Steffi de Jong und Angela Schwarz.)

Doch egal, wer Geschichte(n) erzählt – der Staat, Geschichtsbücher, Zeitzeuginnen, Hologramme, Computerspiele – stets sollten die Rezipienten und Teilhabenden wie Historiker/-innen, Lehrer/-innen oder Schüler/-innen berücksichtigen, dass es subjektive Geschichte(n) sind. Mehr noch: dass Geschichte an sich immer ein konstruktivistischer Prozess ist und daher stets mit objektiver und (selbst)reflektierender Distanz betrachtet und behandelt werden muss. (Lesen Sie hierzu auch den Beitrag von Thomas Hellmuth.)

Weitere Informationen

  • Produktion: Kooperative Berlin

  • Spieldauer: 00:02:15

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

 
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Autor: Bundeszentrale für politische Bildung für bpb.de