Der Feind von außen

FEINDBILDER - Kapitel 6

von: Holger Kulick

Die Stasi-Observation vermeindlicher Spione aus dem Ausland.

Inhalt

In den 50er Jahren stand zunächst die kriminalpolitische Arbeit im Mittelpunkt von Stasi-Fotografen, doch schon ab den frühen 60er Jahren wurden dicke Fotoalben über vermeintliche Spione oder DDR-Bürger mit Westkontakten angelegt. Besonders intensiv ins Stasi-Visier gerieten bundesdeutsche Diplomaten und alliierte Verbindungssoldaten der Amerikaner, Briten und Franzosen, die sich – gemäß dem Viermächtestatut – auch in der DDR ungehindert bewegen durften. Dabei kam es zu regelmäßigen Verfolgungsjagden, die mehrere Stasi-Videos dokumentieren. Dazu der ehemalige US-Diplomat Walter Andruszyszyn: „In gewisser Weise war es ein Katz- und Mausspiel. Eigentlich war es ja nicht illegal, dass unsere Soldaten hier durch die Gegend marschierten, auch über die Felder. Das hat ja nur die DDR geärgert, aber das war uns ziemlich egal. Gut so, die DDR war ja schließlich kein freundlicher Staat zu uns. Aber das gleiche passierte auch in der Bundesrepublik mit russischen Soldaten. Wenn sie dabei etwas gemacht haben, was nicht dem Abkommen entsprach, haben wir sie auch wieder nach Hause geschickt.“ Von allen Seiten versuchte die Stasi auch die Ständige Vertretung der Bundesrepublik, kurz StäV (siehe Glossar) genannt, auszuforschen. Nicht nur mit Kameras und Abhörmikrofonen, sondern auch durch gezielte, oft erpresste Mitarbeit inoffizieller Stasi-Mitarbeiter (IM). IMB hießen inoffizielle Mitarbeiter mit Feindberührung (z. B. Westkontakt), IME waren inoffizielle Mitarbeiter im besonderen Einsatz. Mit Fotos zur Mitarbeit erpresst werden sollte der Bitterfelder Chemiker Rolf Staeck. Als er sich weigerte und die Erpressung seinem Bruder im Westen mitteilte, musste er umgehend und unfreiwillig die DDR verlassen. Auf die Frage, ob er die DDR damals verlassen wollte, antwortet Rolf Staeck: „Eigentlich nicht. Bei diesen Begegnungen im Gartenhaus der Ständigen Vertretung war das ja so, seit 1976, der Biermann-Ausbürgerung, dass die ‚Familie‘ immer weniger wurde und die meisten Gespräche darum kreisten: Gehst Du oder bleibst Du? Oder unter welchen Bedingungen kann man bleiben, darf man bleiben? Muss man hier bleiben? Und ich war der Meinung, dass wir die Dinge in der DDR verändern müssen und nicht alle weggehen können. Dass das keine Lösung ist. Deshalb war es für mich persönlich eigentlich eine Niederlage weggehen zu müssen, was andere Leute nicht verstanden haben, was ich auch verstehe. Es haben ja Leute Kopf und Kragen riskiert, ihr Leben riskiert, um in den anderen deutschen Staat zu kommen.“

Die Dokumentation „FEINDBILDER“ zeigt in 12 Kapiteln umfangreiches Originalmaterial aus den Bild- und Videoarchiven der DDR-Staatssicherheit.

Weitere Informationen

  • Kamera: Markus Stockhaus, Holger Eckermann

  • Schnitt: Anne Berrini, Karin Bölling, Holger Kulick

  • Didaktisches Material: Petra Anders

  • Produktion: 12.2006

  • Spieldauer: 00:17:08

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

 
© 2006 Bundeszentrale für politische Bildung

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