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GrafStat - Unterrichtsmaterial Fußball und Nationalbewusstsein

M 01.11 Bundesliga-Holländer kritisieren Oranje-Helm



Bundesliga-Holländer kritisieren Oranje-Helm

20.000 Exemplare des Oranje-Wehrmachtshelms für WM-Touristen sollen schon verkauft worden sein (Stand 12.01.2006). "Dieser Helm ist absolute Sch...", findet Herthas Niederländer Ellery Cairo.

"Jetzt Geht Losssss"! So hatten sich die niederländischen Erfinder ein gutes Geschäft mit der Fußball-WM vorgestellt. Das kämpferische Motto steht auf einer für 4,95 Euro zu erwerbenden Kopfbedeckung für die Fans - im holländischen Orange natürlich, aber ausgerechnet in der Form eines Helms der deutschen Wehrmacht: "Das witzigste Produkt zur WM in Deutschland", heißt es.

Angeblich verkauften die geschäftstüchtigen Spaßmacher schon mehr als 20.000 Plastikhelme. Doch die öffentlichen Reaktionen auf den Witz mit der Nazi-Vergangenheit sind alles andere als spaßig. "Dieser Helm ist absolute Sch..., das macht man nicht", sagte der Niederländer Ellery Cairo, der bei Hertha BSC unter Vertrag steht.

Sollte in Holland nicht erlaubt sein

Auch der Trainer von Bundesligist Borussia Dortmund, Bert van Marwijk, kann die Witzigkeit des Helmes nicht nachvollziehen. "Jeder weiß, dass ich so etwas überhaupt nicht mag. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so etwas in Holland erlaubt sein soll", schimpfte der Coach. Kevin Hofland vom VfL Wolfsburg forderte sogar: "Die Fifa sollte sich überlegen, das zu verbieten."

Auch der niederländische Fußballbund ging sofort auf Distanz - mit der Erinnerung an den Krieg spielt man nicht. Die nationalsozialistische Wehrmacht hatte die Niederlande im Mai 1940 überfallen und das Land bis zum Kriegsende besetzt gehalten.

Damit hätten doch die meisten Deutschen von heute nichts mehr zu tun, meinen die Erfinder des Helms. Dieser sei nur ein Spaßprodukt ohne politische Bedeutung. Dabei geben Sie auf ihrer eigens für den Helmverkauf eingerichteten Internet-Seite sogar brauchbare Hinweise für Oranje-Fans auf Tour in Feindesland: "Die Deutschen tun sich immer noch schwer mit der Kriegsvergangenheit." Aber man könne viel offener als früher mit ihnen darüber reden, und: "Schließlich war auch nicht jeder Niederländer im Widerstand."

Nur ein Helmchen

In dieser Offenheit sind nach Ansicht der Helmverkäufer auch derbe Scherze möglich. Der Direktor des renommierten Deutschland-Instituts in Amsterdam, Ton Nijhuis, will davon kein Aufheben machen. Schon die Tatsache, dass die Erfinder nicht von "helm", sondern in der Verkleinerungsform von "helmpje" sprechen, zeige, dass sie nichts Arges im Schilde führten. "Das sind einfach Jungens, die mit der WM etwas verdienen wollen. Na ja, dann muss man nicht über Luxemburg spotten, sondern über Deutschland", sagte Nijhuis der Zeitung "Trouw". Deren Kommentator ist überzeugt davon, dass die Deutschen die Gleichsetzung mit Nazis so leid sind, dass sie derartiges ohnehin von sich abprallen lassen.

"Vorsicht mit Witzen!" Das ist auch eine Empfehlung, die die helmpje-Leute ihrer Kundschaft auf den Weg nach Deutschland mitgeben. Der Deutsche lache zwar gerne und viel - aber nicht ganz spontan mit Fremden. Dass sie sich selbst nicht daran halten, beweist vielleicht ihr Vertrauen in diese Erkenntnis: "Deutsche haben - altmodisch gesagt - bessere Manieren und zeigen mehr Respekt als Niederländer."

Aus: Netzeitung.de, 12.01.2006, http://www.netzeitung.de/default/377194.html (15.04.2011).
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