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Grundlagen von e-Learning


Michael Wache
Inhalt

E-Learning: Begriff & Lernkultur

Mehrwertpotenziale

Strukturelle Nachteile

Lernen

Technologien

Didaktik

E-Learning-Kompetenz

Schlüsselaufgaben

Lernen
Um Lernprozesse durch den Einsatz digitaler Technologien wirksam unterstützen und optimieren zu können, muss man wissen, wie Lernprozesse funktionieren und durch welche Faktoren sie beeinflusst werden.

Was ist Lernen?
Durch Aufnahme und Verarbeitung von Informationen generieren Menschen in Lernprozessen mentale Strukturen, auf denen die Eigenschaften "Wissen", "Gefühle" und "Fähigkeiten" basieren. Informationen werden beim Lernen nicht einfach passiv konsumiert – der Erwerb von Wissen vollzieht sich vielmehr als unablässiges Überprüfen, Bestätigen, Strukturieren und Erweitern von mentalen Strukturen. Menschliche Individuen realisieren in Lernprozessen deshalb immer aktive mentale Leistungen.

In alltäglichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet der Begriff Lernen i.d.R. Praxisformen, in denen Lernprozesse zielgerichtet organisiert und absolviert werden. Unter diesem Blickwinkel bezeichnet "Lernen" eine Subjektaktivität, die unter methodischer Anleitung an institutionalisierten "Lernorten" – angefangen vom Elternhaus, über den Kindergarten, die Vorschule, Schule, Berufsschule, Hochschule, berufliche Weiterbildung bis zur außerschulischen Erwachsenenbildung - stattfindet.

Neben diesen Lernprozessen gibt es aber auch eine Vielzahl von Lernprozessen, die menschliche Individuen sozusagen "nebenbei" - integriert in andere Lebensaktivitäten wie "Kommunizieren", "Spielen", "sich informieren" - realisieren. Ebenso wie "Wissen" und "Fähigkeiten" unterschiedliche Grade der Bewusstheit haben, gibt es auch bei Lernprozessen unterschiedliche Grade der Bewusstheit und Intentionalität. Analog zu dem in der Kognitionsforschung geprägten Begriff des "tacit knowledge" haben viele im Alltag realisierte Lernprozesse den Charakter eines "tacit learning". Dabei handelt es sich um Lernprozesse, die nicht bewusst als "Lernleistungen" absolviert und reflektiert werden. Gerade im Kontext der e-Learning-Kultur sind diese "nebenbei"-Lernprozesse unter dem Begriff "Informelles Lernen" in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld der Forschung geraten. Auch in der politischen Bildung spielen solche Prozesse des informellen Lernens eine große Rolle, denn politische Werte, Einstellungen und Wissensbestände prägen sich bei den meisten Menschen in erster Linie durch eine Vielzahl alltäglicher, unreflektierter und häufig unbewusster Lernprozesse aus. Fasst man den Begriff des Lernens unter diesem Blickwinkel, bildet Lernen eine zentrale Dimension der alltäglichen Lebenspraxis, die sich in dem Diktum ausdrücken lässt: "Man kann (fast) nicht nicht lernen."

Grundlage für die didaktische Gestaltung von e-Learning-Szenarien bilden Theorieannahmen, die Antworten auf zwei Fragen geben: "Wie funktionieren Lernprozesse generell?" und "Wie müssen Lernszenarien gestaltet sein, damit sie Lernprozesse optimal unterstützen?"

In der Forschung und Fachkommunikation zu diesen beiden Fragen dominieren seit einigen Jahren Positionen, die sich aus den Annahmen des konstruktivistischen Paradigmas ableiten lassen. Im deutschsprachigen Diskurs haben in diesem Zusammenhang folgende Annahmen von Heinz Mandl [1] große Verbreitung gefunden:

Wie funktionieren Lernprozesse generell?
  • Lernen ist ein aktiver Prozess, der nur über eine aktive Beteiligung des Lernenden möglich wird.
  • Lernen ist ein selbstgesteuerter Prozess, d.h. beim Lernen realisiert der Lernende Steuerungs- und Kontrollprozesse.
  • Lernen ist ein konstruktiver Prozess, d.h. ohne den individuellen Erfahrungs- und Wissenshintergrund und eigene Interpretation findet kein Lernen statt.
  • Lernen ist ein situativer Prozess, d.h. Lernen erfolgt stets in einem spezifischen Kontext.
  • Lernen ist ein sozialer Prozess, d.h. Lernen ist ohne sozialen Austausch nicht möglich.
Wie müssen Lernszenarien gestaltet sein, damit sie Lernprozesse optimal unterstützen?
  • Lernen in einem authentischen Kontext:
    Inhalte sollten sich an Problemen orientieren, die für die Lernenden relevant sind. Die Darstellung von realistischen Problemen oder authentischen Fällen sichert einen hohen Anwendungsbezug des Gelernten.

  • In multiplen Kontexten lernen:
    Die Lernenden sollten dazu angeregt werden, das Gelernte in unterschiedlichen Problemstellungen zu betrachten (z.B. durch Integration verschiedener Anwendungsbeispiele in das Lernarrangement).

  • Lernen in einem sozialen Kontext:
    Das gemeinsame Lernen und Arbeiten sollte Bestandteil möglichst vieler Lernphasen sein (z.B. Lernen in Kleingruppen an der Lösung eines authentischen Falls).

  • Mit instruktionaler Unterstützung lernen:
    Den Lernenden sollten die erforderlichen Informations-Ressourcen zum Lernen zur Verfügung gestellt werden und sie sollten die Möglichkeit haben, bei Bedarf Unterstützung durch einen Berater zu bekommen.


12. Mai 2003

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