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Materialien für die Jugendlichen

M 03.06 Werkzeug: Teilnehmende Beobachtung



Zu Beginn eures Projektes werdet ihr möglichst viele Informationen über den Gegenstand eurer zukünftigen Projektarbeit benötigen, um euch ein genaues Bild vom Ist-Zustand eures Tätigkeitsfeldes zu machen: Spielen denn wirklich so viele Kinder im Viertel, dass ein neuer Spielplatz benötigt wird? Lohnt es sich überhaupt, die Öffnungszeiten den Jugendzentrums zu verlängern, oder gehen die meisten Jugendlichen ohnehin um 20 Uhr nach Hause? Euch fallen bestimmt noch viele weitere Beispiele ein …



Um eine Antwort auf eure Fragen zu finden, könnt ihr neben der GraftStat-Befragung mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung arbeiten. Die teilnehmende Beobachtung ist eine qualitative wissenschaftliche Methode, bei der die Forscherin bzw. der Forscher direkt in das zu untersuchende soziale Forschungsfeld geht. Die gewonnenen Daten zeichnen sich durch Authentizität aus, ein Nachteil kann allerdings das manchmal schwierige Spannungsverhältnis zwischen eigener Teilnahme und Distanz sein.



Vorgehensweise
Ihr steht in direkter persönlicher Beziehung mit den Beobachteten und sammelt Daten, während ihr gleichzeitig Teil der beobachteten Situation seid. Dies erfolgt üblicherweise in fünf Schritten:
  1. Orientierungsphase: Dem Beobachter eröffnet sich schrittweise die neue Alltagswelt.
  2. Vertiefende Phase: Die Integration des Beobachters in die Gruppe: persönlich einbringen, aber nicht aufdrängen.
  3. Integration / Sozialisation des Beobachters ("going native"): Dabei besteht die Gefahr, dass sich der Beobachter fast völlig mit der Gruppe identifiziert, dass er sich die Vorstellungen der Gruppe weitgehend zu eigen macht und so die wissenschaftliche Distanz verliert.
  4. Selbstdarstellung des Beobachters - ehrlich aber nicht undiplomatisch.
  5. Beendigung der Forschung: In der Abschlussphase der Beobachtung kann es zu einer emotionalen Annäherung einzelner Mitglieder an den Beobachter kommen. Diese Personen sollten nach Beendigung der Forschung nicht einfach ignoriert werden. Es sollte einen taktvollen Rückzug aus der Gruppe geben, so könnte man sich zum Beispiel mit der Gruppe oder einzelnen Mitgliedern nach der Forschung noch treffen. Wichtig ist, dass man sich einer möglichen Beeinflussung der Beobachtungs-/Forschungsergebnisse durch persönliche Beziehungen bewusst ist und dies ggf. bei der Auswertung mit berücksichtigt.



Jede teilnehmende Beobachtung muss in Form möglichst detaillierter Beobachtungsprotokolle dokumentiert werden. In jedem Falle müssen diese Protokolle aber außerhalb der aktiven Beobachtung, d.h. in Pausen o.ä. zusammengestellt bzw. überarbeitet werden, um schließlich die Grundlage für die Schlussauswertung zu bilden.



Ein Kernkriterium der teilnehmenden Beobachtung ist der Beobachtungsleitfaden, anhand dessen sich der Forscher während seiner Beobachtungsphase orientieren sollte. Dieser Leitfaden dient der genauen Aufschlüsselung dessen, was untersucht werden soll. Es ist nicht notwendig, den Leitfaden ständig vor sich liegen zu haben, der Beobachter sollte ihn verinnerlicht haben und für die Erstellung der Beobachtungsprotokolle zugrunde legen. Dieser Leitfaden kann im Laufe der Forschung auch durch neue Aspekte ergänzt werden.



Material
Notizblock, Stift, gegebenenfalls auch digitale Aufnahmegeräte wie Videokameras und Fotoapparate



Tipp:
Eine Gruppe von Studentinnen und Studenten hat eine teilnehmende Beobachtung am Berliner Leopoldsplatz durchgeführt – die Dokumentation, die euch bei der Planung einer eigenen Beobachtung bestimmt hilfreich ist, findet ihr unter:
http://armutszeugnisse.de/orte/orte_04.htm



Projektbeispiel
Im folgenden Beispiel geht es darum, die Einstellungen der Parteien zur Schaffung neuer Skaterwege genauer unter Lupe zu nehmen. Da die Projektarbeit zeitlich mit dem Wahlkampf zusammenfällt, haben die verschiedenen Parteien sicherlich bereits Stände in der Fußgängerzone oder an einem anderen zentralen Platz aufgebaut und warten darauf, die Wählerinnen und Wähler mit Informationsmaterial und durch direkte Ansprache zur Wahl ihrer Partei anzuregen.



Diese Info-Stände der Parteien sollt ihr erkunden. Plant im folgenden euer Vorhaben:





Problemstellung
Am Anfang sollte eine Frage oder ein klärungsbedürftiges Problem stehen. Worüber willst du etwas herausbekommen?



Verschiedene Fragen sind möglich:
  • Von welcher Partei erfahrt ihr am meisten über das, was sie über kommunale Freizeitangebote an Jugendliche denkt?
  • Über welche Themen werdet ihr informiert?
  • Wie verhalten sich die Parteimitglieder an den Infoständen? Freundlich, aufdringlich, ...?
Überlege dir weitere Fragen:



Organisation
Stellt Kontakt zu den verantwortlichen Personen her und vereinbart einen Termin für die Erkundung.
Besorgt einen Fotoapparat, Recorder oder eine Videokamera/Webcam zur Dokumentation.



In diesem Fall sind die Büros der Parteien in eurer Stadt anzusprechen. (Finden sich im Telefonbuch). Erklärt euer Vorhaben und nennt einen Termin.
Notiere hier die jeweiligen Adressen und Telefonnummern der Parteibüros:



Durchführung
Teilt euch gemäß eurem Arbeitsauftrag in Gruppen: legt fest, wer fragt, wer schreibt, wer die Organisation (Anruf bei dem Büro der Partei, Terminabsprache) und die Zeitplanung im Auge behält.



Notiere hier für deine Gruppe, wer was macht:
  • Fragen:
  • Schreiben:
  • Organisieren:
  • Zeit planen:



Auswertungsphase
Jetzt werden die Informationen jeder Gruppe zusammengetragen und für alle zu-gänglich gemacht, entweder in Form eines Referats oder als Wandzeitung (siehe Methodenblatt "Wandzeitung"). Wie beurteilst du den Erfolg der Erkundung?



Fasst eure Erkenntnisse auf einer Folie oder einer Wandzeitung zusammen und bereitet einen Vortrag vor. Falls ihr auch fotografiert oder gefilmt habt, zeigt euren Mitschüler/innen eure Ergebnisse.



Präsentation
Wenn gewünscht, können eure Ergebnisse in einem größerem Rahmen mitgeteilt werden. Ihr könnt eine Ausstellung organisieren und durch Plakate und Wandzeitungen die Mitschüler und Mitschülerinnen informieren.



Besprecht diese Präsentation in der Projektgruppe!



Aus: Holzbrecher (Pädagogische Hochschule Freiburg): Qualitative Forschungsmethoden; Internet: http://www.ph-freiburg.de/fakultaet-1/ew1/holzbrecher/methoden-paed-praxisforschung.html; 14.03.2004


 
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