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Materialien für die Jugendlichen
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M 02.02 Werkzeug: Zukunftswerkstatt |

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Ihr habt euch dafür entschieden, ein Projekt durchzuführen und euch auf diese Weise selbst Gedanken über Lösungsmöglichkeiten für ein Problem zu machen. Auf der Suche nach einer Projektidee ist die Zukunftswerkstatt eine geeignete Methode, um in einer Projektgruppe Themen zu entwickeln und mögliche Lösungsvorschläge und Umsetzungsstrategien zu erarbeiten. Ihr könnt zum Beispiel eine Zukunftswerkstatt durchführen, um euch über die Gestaltung eines Skate-Parks, Jugendzentrums oder Baugebietes Gedanken zu machen - sicherlich habt ihr aber auch viele andere Ideen.
Mit Hilfe einer Zukunftswerkstatt lassen sich Probleme erkennen und Lösungen für die Zukunft entwickeln. Sie umfasst drei Phasen:
Phase I - Kritikphase
Phase II - Utopie - und Phantasiephase
Phase III - Realisierungs- und Projektentwicklungsphase
Die Phasen bauen aufeinander auf und sind jeweils nochmals in weitere kleinere Schritte unterteilt. Zudem gelten für jede Phase bestimmte Regeln, die eine Person, die sich näher mit der Methode beschäftigt hat (siehe auch Literaturhinweise!), vor Beginn der Phase erläutert. Eine gute Idee ist es auch, Plakate mit den Regeln aufzuhängen, damit sie bei der Durchführung stets präsent sind. Wegen der besseren Überschaubarkeit, aber auch wegen der aufgelockerten Arbeits Atmosphäre wird empfohlen, für die Zukunftswerkstatt die Sitzordnung in einen Stuhlkreis umzuwandeln.
Phase I - Kritikphase
Für die Kritikphase gelten folgende Regeln:
Aussagen in Stichworten: kurz, konkret, kritisch (kkk)
Keine Diskussion - auch wenn's schwer fällt!
Themenbezug beachten!
(1) Brainstorming
In diesem Arbeitsschritt geht es darum, Probleme zu thematisieren. Dazu erhaltet ihr je 3-5 einfarbige Kärtchen, auf denen ihr Kritikpunkte oder Probleme, die euer Projekt betreffen, formulieren sollt. Nach zuvor festgelegter Bedenkzeit lest ihr reihum eure Kärtchen vor und legt sie in die Mitte des Stuhlkreises. In einer sich direkt anschließenden zweiten Runde, besteht die Möglichkeit, noch Ergänzungen "nachzulegen".
(2) Strukturierung der Lageanalyse
Die Kärtchen mit den Kritikäußerungen werden nun gemeinsam nach Schwerpunkten sortiert und unter einen Themenoberbegriff gestellt. Dazu wird von einem Mitglied der Projektgruppe jeweils eine beliebige Karte hochgehalten und vorgelesen, zu der dann gemeinsam aussageähnliche Karten zugeordnet werden. Ist keine andere Karte dieser Gruppe mehr zuzuordnen, so wird mit einer anderen Karte eine neue Gruppe aufgemacht. Die Gruppen werden sortiert in die Mitte gelegt. Nun wird versucht, möglichst griffige und kritische Oberbegriffe/ Themen für die einzelnen Gruppen zu finden, so dass anschließend noch mal überprüft werden kann, ob die eine oder andere Karte nicht besser umzusortieren ist (dem/der Kartenschreiber/in kommt bei Uneinigkeit hier die letzte Entscheidung zu). Anschließend werden die Karten für den nächsten Schritt in ihrer endgültigen Sortierung girlandenähnlich aneinander geheftet und nebeneinander aufgehängt.
(3) Themenfindung durch Bewertung
Mit drei "Stimmpunkten" in Form von kleinen Aufklebern dürft ihr dann den Einzelkärtchen - nicht den Gruppen insgesamt - eure Stimme geben und damit deren Bearbeitung favorisieren. Durch Auszählung der Einzelpunkte ergibt sich so ein einfach abzulesendes Stimmungsbild, das die notwendige Reduktion der zu bearbeitenden Themen für die Gruppenarbeit ermöglicht.
Die weitere Erarbeitung erfolgt dann in thematischen Kleingruppen, denen ihr euch vor Beginn der sich nun anschließenden Utopie- und Phantasiephase zuordnen sollt.
Phase II - Utopie- und Phantasiephase
Die nächste Phase der Zukunftswerkstatt ist die Utopie- und Phantasiephase – ihr Inhalt wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, was eine Utopie ist:
Die Utopie ist der Wunsch nach Besserem als dem gegenwärtigen Zustand verbunden mit dem Eingeständnis, dass dieser Wunsch wohl nie Wirklichkeit werden wird. Der Begriff "Utopie" leitet sich vom Roman Utopia von Thomas Morus ab, in dem eine bessere Gesellschaft beschrieben wird.
Oft bezeichnet Utopie eine Gesellschaft, in der Menschen ein alternatives Gesellschaftssystem praktisch leben. Utopie kann auch literarische oder filmische Werke bezeichnen, in denen eine solche "utopische" bessere Gesellschaft vorgestellt wird. Obwohl Utopien durchaus auch praktisch ausgerichtet sein können, wird der Begriff vorwiegend mit optimistisch-idealistischen Ideen verbunden, die unmöglich zu realisieren seien. Davon solltet ihr euch aber nicht entmutigen lassen – es sind auch schon Utopien wahr geworden!
Für die Utopie- und Fantasiephase gibt es folgende "goldenen Regeln", die für das Gelingen dieser Phase unbedingt einzuhalten sind:
Nur positive Äußerungen sind erlaubt! Keine Killerphrasen wie z.B. "Das geht doch nicht!", "Du spinnst ja!" usw. (Evtl. für Verstoß eine gemeinnützige "Sanktion" vereinbaren.)
Alle Restriktionen sind aufgehoben! (Geld, Macht, Technik usw. sind unbegrenzt vorhanden.)
Durch diese Regeln positiv gestimmt - jegliche Skepsis ist verboten - wird nun in den Kleingruppen zu den jeweiligen Oberthemen eine Utopie entwickelt.
(1) Positive Wendung
Zuerst sollt ihr die girlandenähnlich aneinander gehefteten Kritikpunkte positiv wenden. Dazu überlegt ihr euch ideale Lösungen zu den einzelnen Problemen und schreibt diese auf bunte Kärtchen, die ihr auf die einfarbigen Problemkärtchen legt, bis alle negativen Kärtchen überdeckt sind. Für den nächsten Schritt kann dann die "Girlande" mit den Kritikpunkten ganz entfernt werden, da die negativen Begriffe hier nicht mehr notwendig, sondern eher hinderlich sind.
(2) Utopische Modellbildung
Auf Grundlage der positiven Formulierungen auf den bunten Kärtchen wird nun eine Utopie bzw. ein Phantasiemodell zur Lösung des Problems in der Projektgruppe entwickelt. Hier sollt ihr eurer Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen. Schafft euch das weltbeste Skater-Zentrum, ein luxuriöses Jugendheim oder eine hervorragend ausgestattetes Medienzentrum - ihr habt alle Macht und alles Geld zur Verfügung, um euch eine neue Zukunft zu schaffen!
(3) Vorbereitung der Utopie-Präsentation
Im letzen Schritt der Utopiephase soll sich die Kleingruppe eine geeignete Präsentation für die von ihr entwickelte Utopie überlegen, d.h. eure Ergebnisse sollen nicht einfach in einem Vortrag der Klasse vorgestellt werden, sondern durch eine gespielte Szene (Radio-/Fernsehbericht, Situation aus dem Leben etc.), eine Pantomime, o.ä. verdeutlicht werden. Möglich ist auch die Anfertigung eines Bildes, einer Collage oder einer Geschichte. Auch hier ist wieder Kreativität gefragt!
Phase III - Realisierungs- und Projektentwicklungsphase
In dieser Phase geht es darum, die Zukunftsphantasien mit den realen Bedingungen der Gegenwart zusammenzubringen und Wege zu ihrer Durchsetzung zu finden.
Für die Realisierungs- und Projektentwicklungsphase gelten folgende Regeln bzw. Ziele und Arbeitsschritte:
Mindestens ein konkretes Projekt soll entwickelt werden. (Projektplan auf Tapete aufzeichnen.)
Eine Handlungsstrategie soll entwickelt werden. (kurz-, mittel- und langfristige Schritte planen)
Ein Finanzierungsplan muss aufgestellt werden. (Was kostet nichts? Was kostet wie viel? Wo könnte das Geld herkommen?)
Mögliche Gegner und Verbündete sollen benannt werden.
Verantwortliche und Initiatoren sollten benannt und vorgeschlagen werden.
Konkrete Vereinbarungen sollen getroffen, Termine geplant ...... werden.
In den Kleingruppen sollen nun wieder auf Basis der Utopien realisierbare Projekte (Anschaffung von neuen Computern, Einrichtung eines Grillplatzes etc.) oder zumindest konkrete Produkte (z.B. Brief an Ämter, Politikerinnen und Politiker, Interessengruppen, Medien) entwickelt werden.
Wichtig!
Material:
Materialien und Hilfsmittel sind je nach Thema, Zielsetzung und Gruppengröße verschieden. Hier nur einige Beispiele und Denkanstöße für die Materialbeschaffung ohne Anspruch auf Vollständigkeit: große Papierbögen, Pinnwände, Nadeln, Bastelmaterial (für Collagen, Modellbau, etc.), Stifte, Kassettenrecorder/CD-Player, CDs oder Kassetten, digitale Aufnahmegeräte wie Videokameras usw. ….
Das Material solltet ihr sorgfältig zusammenstellen, und die Räume, in denen die Zukunftswerkstatt stattfinden soll, nach Möglichkeit schon am Abend vor der Werkstatt hergerichtet (offener Stuhlkreis, Pinnwände oder Wandzeitungen, Material bereitstellen, Tische weitgehend hinausstellen).
Ergebnispräsentation:
Es wäre zu schade, wenn die Ergebnisse eurer Zukunftswerkstatt nur "im kleinen Kreis" bekannt würden – plant eine Veranstaltung, in der ihr eure Zukunftswerkstatt präsentiert. Einladungen könnt ihr an die für die Umsetzung des Projekts wichtigen Leute und weitere Interessierte (Politikerinnen und Politiker, Expertinnen und Experten, Planerinnen und Planer, Eltern, Anwohner und Anwohnerinnen usw.) schicken. Außerdem dürfen natürlich die Medien nicht fehlen! |
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