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Europawahl - Bausteine
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Baustein 5: Jugend und Politik - zwei getrennte Welten? |

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Wolfgang Sander / Julia Haarmann / Matthias Noé
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Ausgehend von der geringen Wahlbeteiligung gerade junger Wähler bei der Europawahl, die in der Unterrichtseinheit 3.1 näher untersucht worden ist, soll in dieser Unterrichtseinheit am Beispiel der Gruppe der Jungwählerinnen und Jungwähler das Verhältnis zur Politik näher betrachtet und in einen größeren Zusammenhang gesetzt werden. Dabei werden vertiefend empirische Daten und Erklärungsansätze miteinander in Verbindung gebracht.
Jugend und Politik - zwei getrennte Welten?
Die Karikatur "Ob’s wohl am Köder liegt?" (ME 05.01) wird von den Schülern und Schülerinnen auf Grund des bisher vorhandenen Wissens relativ einfach gedeutet werden können.
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ME 05.01 Karikatur: Ob’s wohl am Köder liegt? Zeichnung: Manuel König
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Vermutlich zustimmend werden sie die durchaus selbstkritisch zu kennzeichnende Reaktion der Politiker zur Kenntnis nehmen. Im Kontrast dazu steht die Karikatur "Jugend damals - heute" (ME 05.02). Hier wird die Jugend von heute pauschalisierend als unpolitisch und spaßorientiert persifliert. Diese Karikatur wird aller Wahrscheinlichkeit nach Ablehnung bis Protest bei den Jugendlichen hervorrufen (Karikatur interpretieren). Hieraus könnte sich die weiterführende Frage ergeben, wie sie ihr Verhältnis zur Politik beschreiben würden.
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ME 05.02 Jugend damals – heute. Zeichnung: Roger Schmidt
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An dieser Stelle kann nun die weiterführende Erarbeitung des Themas einsetzen. Dabei sollte das Augenmerk darauf liegen, nicht so sehr gegenseitige Schuldzuweisungen zu analysieren, sondern schwerpunktmäßig die Unterschiede und die Gegensätzlichkeiten deutlich zu machen. Denn es ist sowohl den Jugendlichen, wie auch den erwachsenen Politikern nicht immer klar, worin diese Gegensätze bestehen, und wie sie zustande kommen. Die beiden Positionen A und B sollen arbeitsteilig erarbeitet werden, um der jeweils anderen Seite zu verdeutlichen, inwiefern, auf welche Art und Weise und in welchen Bereichen die Jugend sich der Politik (Position A) und umgekehrt die Politik sich der Jugend (Position B) versagt.
Distanzierung auf beiden Ebenen
Die angebotenen Materialien (ME 05.03 - ME 05.12) können exemplarisch ausgewertet werden. Die Schülerinnen und Schüler werden dazu in Gruppen eingeteilt, welche sich entweder auf Position A oder Position B konzentrieren. Für jede Gruppe besteht die Kunst darin, mit den vorhandenen Materialien ein in sich schlüssiges Schaubild zu erstellen, um der jeweils anderen Seite die eigene Position deutlich zu machen, ohne dabei in eine anklagende oder schuldzuweisende Haltung zu verfallen.
Die Schülerinnen und Schüler können dadurch Zusammenhänge, kausale Beziehungen und Gegensätze verdeutlichen. Dazu sollten die den jeweiligen Positionen zugeordneten Materialien zunächst in Einzelarbeit bearbeitet werden. Arbeitsaufträge unter den Texten und Statistiken helfen, die für die Konstruktion eines Schaubildes relevanten Informationen (Belege und Gründe für die Position) zu fokussieren (Text in ein Schaubild umwandeln).
In der anschließenden Gruppenarbeit entwickeln die Schülerinnen und Schüler gemeinsam auf Grundlage der Vorbereitungen einen auf den Belegen basierenden Argumentationsgang. Diesen können sie in Form eines Schaubildes auf Folie oder auf einem Plakat visualisieren.
Beispielhaft seien hier mögliche Belege und Gründe für die Positionen aufgeführt:
Position A: Jugend versagt sich der Politik
- kritische Einstellung zur Politik (ME 05.04)
- kritische Einstellungen zu Politikern und Parteien (ME 05.04)
- geringes Interesse an Politik (ME 05.03 )
- geringes Vertrauen in politische Institutionen (ME 05.05)
- Jugendliche sind organisationsmüde (ME 05.06).
- viele Jugendliche sind materialistische Hedonisten und versagen sich der klassischen (Partei-)Politik (ME 05.07, ME 05.06).
- geringe Wahlbeteiligung (bekannt aus ME 01.03)
Position B: Politik versagt sich der Jugend- veraltete, unattraktive Strukturen der Parteien (ME 05.09)
- Parteien werden als bürgerfern wahrgenommen (ME 05.08)
- junge Menschen sind in Parteien unterrepräsentiert (ME 05.12).
- junge Politiker haben es in etablierten Strukturen schwer (ME 05.10
).
- junge Wähler für die Parteien nicht so attraktiv (ME 05.11).
- programmatische Ausrichtung auf ältere Wähler (ME 05.10
)
- Politiker sind zu alt um Jugendliche zu verstehen (ME 05.12).
- Gesellschaftliches Engagement Jugendlicher ist oft projektorientiert und wird nicht als politisch wahrgenommen oder nicht ernst genommen (ME 05.11).
Der Lehrkraft ist angesichts knapper Zeit natürlich ebenso vorbehalten aus der Materialsammlung lediglich exemplarisch einzelne Texte auszuwählen. Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler selbstverständlich auch ihre eigenen Erfahrungen mit Politik einbringen und ergänzend auf vermutete Zusammenhänge hinweisen (z.B. Altersstruktur der Mitglieder des Bundestages, Behandlung jugendpolitischer Themen im Bundestag und in den Programmen der politischen Parteien etc.).
Ein Teufelskreis der Distanzierung
Nachdem die Schaubilder und die Ergebnisse der beiden Arbeitsschwerpunkte im Plenum präsentiert worden sind, werden einige Rückfragen erfolgen und Auffassungen zu klären sein. Insgesamt wird der Lerngruppe in dieser Phase sehr schnell deutlich werden, dass beide Positionen nicht nur irgendwie
zusammenhängen, sondern sich möglicherweise sogar verstärken.
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ME 05.08 Die Parteien aus der Sicht der Bürger. Zeichnung: Felix Mussil
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Dieser Vermutung kann anschließend vertiefend nachgegangen werden. Inwieweit könnte möglicherweise ein unheilvolles Zusammenspiel von Position A und Position B dazu beitragen, dass sich gleichsam wie in einem Teufelskreis die Distanz beider Bereiche verstärkt, ohne dass die eine oder andere Seite dies explizit wünscht? Politiker haben geringe Verbindung zur Lebenswelt der Jugendlichen – Jugendlichen fehlt sehr häufig der direkte Bezugspunkt zur Politik. Der so ersichtliche Teufelskreis kann durch den Lehrer mit Hilfe einer grafischen Darstellung an der Tafel verdeutlicht werden.
Ideen und Konzepte zur Annäherung von Jugend und Politik
Wie aber kann dieser Teufelskreis der Distanzierung
überwunden werden? Nach einer Präzisierung der Fragestellung im Plenum können in einer anschließenden Gruppenarbeitsphase Vorschläge erarbeitet werden, was Politiker tun können/sollten, und was Jugendliche selbst tun können/sollten, um die Distanz zu überwinden. Dabei geht es nicht so sehr darum, Großentwürfe zu entwickeln, sondern konkret kleine Schritte und Schrittfolgen zu benennen, wie eine Annäherung der beiden Bereiche Jugend und Politik denkbar ist.
Ihre Lösungsideen präsentieren die Gruppen im Plenum. An dieser Stelle kann auf Grundlage der erhobenen Daten (Jugendbefragung), sowie der Ideen der Schülerinnen und Schüler aus der Gruppenarbeitsphase ein Gespräch mit einem (Europa-)Politiker vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet werden (Experten befragen).
Wenn die Unterrichtszeit es erlaubt, können die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe eines Webquests (ME 05.13 , ME 05.14, Webquest durchführen) Webseiten parteinaher Jugendorganisationen im Hinblick auf ihre Attraktivität für junge Menschen und ihren Informationsgehalt untersuchen. Sie sollen kritisch prüfen, ob diese geeignet dafür sind bei Jugendlichen (Jung- und Erstwähler) Interesse und Engagement für Politik zu wecken.
Dazu untersuchen die Schülerinnen und Schüler in Teams oder Kleingruppen jeweils eine Webseite mit Hilfe eines vorbereitenden Bewertungsschemas im Hinblick auf gestalterische wie inhaltliche Aspekte. Als Lehrer sollte man an dieser Stelle darauf achten, dass bei den Schülerinnen und Schülern nicht eine Copy+Paste-Mentalität
dominiert, also die Inhalte unkritisch in ein Worddokument hineinkopiert werden. Ein kurzer Exkurs zu den Themen Urheberrecht, geistiges Eigentum und zur Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Internetseiten (bei Integration von freien Recherchemöglichkeiten) kann hier von Nöten sein.
Hinweis:
Zeitaktuelle Links zu möglichen jugendnahen Aktionen der Parteien vor der Wahl sind im Internetangebot zu finden: www.bpb.de/grafstat
In der Präsentationsphase stellen die Schülerinnen und Schüler anschließend mittels Kurzvorträgen ihre Ergebnisse dar und beurteilen, inwiefern sie die untersuchten Webseiten für geeignet halten, bei Jugendlichen ein Interesse und Engagement im Bereich Politik zu bewirken. Die Verwendung der Ergebnisse kann auf motivierende Art und Weise erweitert werden, indem die Beurteilungen der Webseiten an die betreffenden parteinahen Jugendorganisationen geschickt werden. Somit tragen die Lernenden ihre Resultate aus dem Klassenraum heraus und erhalten durch die erbetene Reaktion seitens der adressierten Organisationen eine greifbare Rückmeldung sowie die Möglichkeit zum Dialog über ihre Ansichten und Wertungen. |
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