Im Mittelpunkt dieses Bausteins steht das Wahlverhalten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Abhängigkeit von soziodemografischen Merkmalen. Folgende Lernziele sollen dabei erreicht werden:
Die Schülerinnen und Schüler sollen…
- Hypothesen zum Zusammenhang von Wahlverhalten und soziodemografischen Merkmalen formulieren können.
- empirische Daten zum Zusammenhang von Wahlverhalten und soziodemografischen Merkmalen beschreiben und zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen nutzen können.
- gängige Modelle zur Erklärung des Wahlverhaltens und zur Parteibindung kennen und erläutern können.
Als Einstieg in die Unterrichtseinheit wird die Lerngruppe mit der Karikatur MB 05.01 "Wer wählt wen?" konfrontiert, wodurch sie angeregt werden soll, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob das Wahlverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen eher zufälligen Gegebenheiten unterliegt oder differenziert nach soziodemografischen Merkmalen typisiert werden kann (Karikatur interpretieren).
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MB 05.01 Wer wählt wen? Ein Glückspiel? Aus: F. Esche/W. Huldisch/A. Steinke: Parteiendemokratie. Wahlen und Parteien in der Bundesrepublik Deutschland, Hamburg 1978, S. 11.
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Nach der Interpretation der Karikatur sollen die Schüler und Schülerinnen mit Hilfe eines Arbeitsblattes (MB 05.02) Vermutungen über Zusammenhänge zwischen Alter, Geschlecht, Beruf, Konfession und Parteipräferenz anstellen. Die Hypothesen werden anschließend gesammelt, geordnet und auf einer Folie festgehalten.
Im Anschluss sollen die Jugendlichen von traditionellen Annahmen der Wahlforschung zum Einfluss der Faktoren Alter und Geschlecht Kenntnis zu erlangen (MB 05.03) (Text exzerpieren).
Auf dieser Grundlage geht es in der nächsten Erarbeitungsphase darum, die Vermutungen der Jugendlichen und aber auch die Aussagen der Wahlforschung von 1997 anhand empirischen Untersuchungsmaterials zu überprüfen. Welche Hypothesen lassen sich verifizieren? Stimmen die Einschätzungen in Bezug auf das Wählerverhalten noch? Hierzu kann auf vorhandene Datenquellen im Internet zurückgegriffen werden.
Folgende Seiten bieten sich an:
Auf der ersten Seite können die Kriterien Alter, Tätigkeit, Geschlecht, Beruf, Schulabschluss, Haushaltseinkommen und Ost/West in ihrem Zusammenhang zur beabsichtigten Wahlentscheidung überprüft werden. Datengrundlage sind von Infratest dimap durchgeführte repräsentative Befragungen von 2000 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern.
Im Wahlarchiv der Tagesschau finden sich Parteienvergleiche, Analysen von Wählerwanderungen, Strukturdaten vergangener Bundestagswahlen sowie aktuelle Umfrageergebnisse. Ist die Möglichkeit die im Internet vorhandenen Daten zu nutzen nicht gegeben, kann alternativ auch auf die Materialien MB 05.04 und MB 05.05 zurückgegriffen werden.
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Auf Basis der Kriterien Alter, Tätigkeit, Geschlecht, Beruf, Schulabschluss, Haushaltseinkommen und Ost/West kann die beabsichtigte Wahlentscheidung überprüft werden. Datengrundlage sind von Infratest dimap durchgeführte repräsentative Befragungen von 2000 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern
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Die Auswertung der Statistiken der soziologischen Wahlforschung stellt nicht unerhebliche Ansprüche an die methodischen Fähigkeiten der Lerngruppe. Vor allem wird die Lehrperson darauf zu achten haben, dass sich die Jugendlichen die jeweiligen Bezugsgrößen eindeutig klar machen und einsehen, dass die formale Beschreibung des Aufbaus einer Tabelle nicht aus reiner Pedanterie erfolgt, sondern eine notwendige Hilfsfunktion für den Erkenntnisprozess besitzt. (Statistiken und Tabellen auswerten)
Es folgt eine Besprechung der auf der Folie festgehaltenen Hypothesen anhand der Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler. Auf diese Art und Weise kann die Überprüfung der aufgestellten Vermutungen hinsichtlich des typischen Wahlverhaltens bestimmter Gruppen stattfinden. Der Lerngruppe wird in dieser Phase zudem die grundlegende Einsicht vermittelt, dass innerhalb der Sozialwissenschaften eine Urteilsbildung über strittige Sachfragen in bestimmten Fällen sinnvollerweise durch Bezug auf Empirie erfolgt.
In einer Vertiefungsphase erhalten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit die für die Wahlforschung relevanten Kategorien von Stamm-, Wechsel- und Nichtwählern (MB 05.06 - MB 05.08) in Hinblick auf deren Bedeutung für die Parteien zu erarbeiten. Die Erarbeitung erfolgt arbeitsteilig. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten dabei die Texte zunächst in Einzelarbeit, tauschen sich dann in Partnerarbeit aus und präsentieren ihre Ergebnisse zuletzt im Plenum, wo sie im Zusammenhang diskutiert werden. Zur Sicherung erläutern die Schüler und Schülerinnen dabei mit Hilfe der neu erworbenen Kenntnisse ein auf Folie präsentiertes Schaubildmodell (MB 05.09).
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MB 05.09 Bestimmungsfaktoren des Wahlverhaltens
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Zur Vertiefung kann dabei noch Material MB 05.10
bearbeitet werden.
Zum Abschluss der Unterrichtseinheit wird dann vertiefend diskutiert, welche Konsequenzen sich angesichts des sozialen Wandels sowie den Veränderungen in der Parteibindung für den Wahlkampf der Parteien ergeben.
So stehen die Parteien vor der – mitunter widersprüchlichen – Aufgabe, ihre Stammwählerschaft zu mobilisieren, potentielle Abwanderer an sich zu binden, sowie Wechselwähler aus dem Lager anderer Parteien und bisherige Nichtwähler bzw. Erstwähler neu für sich zu gewinnen, denn oftmals entscheiden Verschiebungen um wenige Prozentpunkte über Sieg oder Niederlage einer Partei bzw. Koalition. Um ihren Wahlkampf auf diese Erfordernisse abstimmen zu können, müssen die Wahlkampfmanager darüber informiert sein, welche Sozialgruppen den genannten Wählerkategorien angehören und welche dieser Wählergruppen gezielt angesprochen werden müssen, um die noch fehlenden Prozentpunkte zu erringen.
Dieser Perspektivwechsel vom Wähler zu den Parteien fordert die Jugendlichen auf, sich in die Rolle der Parteien hinein zu versetzen, um die Wahlentscheidung schließlich als komplexes Wechselspiel der Einflussgröße "Wahlkampf" mit den sozialstrukturellen Determinanten der Wählerschaft und der nachlassenden Festigkeit ihrer Parteibindung zu begreifen. |
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