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Europawahl - Bausteine

Baustein 1: Europa und ich (I): Einstellungen Jugendlicher zu Europa und zur EU

Wolfgang Sander / Julia Haarmann / Matthias Noé
Dieser Baustein dient als Einstieg in das Projekt, in dessen Verlauf eine eigene Befragung zum Thema "Jugend und Europa" geplant, durchgeführt und ausgewertet wird.

Im ersten Baustein stehen folgende Ziele im Mittelpunkt:

Die Schülerinnen und Schüler sollen…
  • sich ihrer eigenen Vorstellung von bzw. über Europa bewusst werden.
  • Statistiken zur Bedeutung der EU für Jugendliche sowie zur Wahlbeteiligung bei Europawahlen und nationalen Wahlen beschreiben und vergleichend analysieren können.
  • aus der Analyse der Statistiken heraus eine für das Projekt übergeordnete Fragestellung formulieren können.
  • auf der Basis dieser Fragestellung und mit Hilfe eines Musterfragebogens exemplarisch überprüfbare Hypothesen entwickeln können.
Zu Beginn des Projektes sollten die Schülerinnen und Schüler zunächst an das Thema Europa und ich herangeführt werden. Hierzu bietet sich eine Kartenabfrage an, mit deren Hilfe eine Art "assoziative Landkarte" zu Europa an der Tafel erstellt werden kann.
Europa1
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Das Europäische Parlament. Foto: Andrea Meschede
Die Schülerinnen und Schüler sind dabei gehalten, für sich persönlich auf Karteikarten zu notieren, welche Gedanken und Gefühle sie mit dem Begriff Europa verbinden. Um die Fülle an möglichen Aspekten etwas zu reduzieren, sollten in einer zweiten Phase die notierten Begriffe in Kleingruppen nach Oberbegriffen sortiert werden. Diese Ergebnisse sollten schließlich vorgestellt und an die Tafel gehängt werden.

Es ist zu erwarten, dass von den Schülerinnen und Schülern ganz unterschiedliche Aspekte, positive wie negative, mit Europa in Verbindung gebracht werden. Vermutlich werden sich auch Differenzen ergeben. Nach der einleitenden Diskussion subjektiver Einstellungen zu Europa sollte die Lehrperson auf das Ergebnis einer repräsentativen Befragung zur Bedeutung Europas für Jugendliche hinweisen.

Nach der Analyse der entsprechenden Statistik (ME 01.01) steht als erstes Fazit im Raum: Die befragten Jugendlichen verbinden mehrheitlich positive Aspekte mit der Europäischen Union. Die Lehrperson sollte dieses erste Ergebnis an der Tafel festhalten, bevor in einem zweiten Schritt überprüft wird, ob mit dieser positiven Grundeinstellung zur EU auch ein entsprechendes politisches Verhalten korrespondiert. Als Indikator hierfür könnte beispielhaft die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen herangezogen werden.

ME 01.01 Was die Europäische Union für Jugendliche bedeutet
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ME 01.01 Was die Europäische Union für Jugendliche bedeutet
Der Vergleich der Wahlbeteiligung bei nationalen Wahlen und der Europawahl liefert folgende Erkenntnis: Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl ist relativ niedrig, insbesondere bei jungen Wählerinnen und Wählern! Auch dieses Zwischenfazit sollte an der Tafel festgehalten werden.

Die zwei "widersprüchlichen" Erkenntnisse dürften ein Anreiz für die Schülerinnen und Schüler sein, sich hierzu zu äußern. Kommt von den Schülerinnen und Schülern nicht die gewünschte Resonanz, kann die Lehrperson notfalls einige Impulse setzen: Wie passen diese beiden Erkenntnisse zusammen? Ist das ein Widerspruch? Warum gibt es einerseits positive Assoziationen und andererseits Desinteresse an der Politik in der EU? Warum gehen junge Wähler so selten zur Europawahl? Würdet ihr zur Wahl gehen, wenn ihr wahlberechtigt wäret?

Das Problem wird nun ausgefächert, indem die Schülerinnen und Schüler begründete Vermutungen darüber anstellen, welche Faktoren sowohl für die positiven und negativen Assoziationen zu Europa als auch für die Wahlbeteiligung bestimmend sein könnten. Diese Phase dient auch dazu, dass die Schülerinnen und Schüler eine zentrale Problemstellung der Unterrichtsreihe erarbeiten und formulieren.

ME 01.02 Wahlbeteiligung bei Europawahlen
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ME 01.02 Wahlbeteiligung bei Europawahlen
Der Vorschlag, eine eigene EU-Bürgerbefragung durchzuführen, um die aufgestellte Problemfrage näher zu untersuchen, kann auch von der Lehrerseite eingebracht werden. Aufgrund bislang gemachter Erfahrungen wird man davon ausgehen können, dass die Anregung eines demoskopischen Forschungsprojektes bei den Schülerinnen und Schülern auf eine große Zustimmung stoßen wird, vor allem, wenn die Perspektive der Veröffentlichung der eigenen Ergebnisse in der Schule, der lokalen Zeitung oder im Radio eröffnet wird.

Das sich anschließende kooperative Planungsgespräch dient der Klärung von zwei Hauptfragen:
  • Erstens sollte sich die Klasse über Ziel und Fragestellung des Vorhabens im Klaren sein und dabei auch das gemeinsame Handlungsprodukt im Auge haben: "Was wollen wir untersuchen? Welche Bereiche sollen in der Befragung berücksichtigt werden? Was soll am Ende stehen?"
  • Zweitens müssen sich alle Beteiligten über die mit den Zielen verbundenen Aufgaben verständigen: "Welche Aufgaben müssen wir lösen, um unser Ziel zu erreichen? Welches methodische und inhaltliche Wissen benötigen wir? Wie können wir uns das am besten aneignen?"
Wenn der Aufgabenkatalog zusammengestellt und geordnet ist, erscheint es sinnvoll, eine grobe Gesamtplanung mit Phasen, Terminen, Aktivitäten etc. des Projekts zu erstellen und als Wandzeitung im Klassenraum für alle sichtbar aufzuhängen. Gleichzeitig bietet dies die Möglichkeit, die Planungsarbeit für eventuell später auftretende Teilprobleme offen und revisionsfähig zu gestalten.

Der Planungsprozess fördert die Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Jugendlichen; die vorbereiteten und ergänzenden Konzepte seitens der Lehrperson stehen keinesfalls im Widerspruch dazu, sondern sind als unverzichtbare "Starthilfen" anzusehen.

ME 01.04 Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2004 in Deutschland nach Alter und Geschlecht
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ME 01.04 Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2004 in Deutschland nach Alter und Geschlecht
Es empfiehlt sich in der Einführungsphase kurz auf den beiliegenden Musterfragebogen (ME 04.01) zu verweisen und so deutlich zu machen, dass Vorarbeiten schon vorliegen und die Befragung für die Schülerinnen und Schüler machbar ist. Die Entwicklung eines eigenen Fragebogens sollte angesichts der knappen Zeit nicht angestrebt werden; sie ist sehr zeitaufwändig und anfällig für Fehler. Die Items wurden bereits in der Praxis erprobt und ermöglichen es, die Ergebnisse der eigenen Befragung mit denen anderer Schulen oder Institutionen (Jugend-Eurobarometer) zu vergleichen. Auf diese Weise können die Schülerinnen und Schüler mit einem bewährten Instrument arbeiten und daran wichtige methodische Fähigkeiten erlernen und einüben. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler anhand des Musterfragebogens mit dem Konzept der hypothesenorientierten Datenauswertung bekannt gemacht werden. Die Bildung von Hypothesen kann mit Hilfe des Arbeitsblattes ME 01.05 exemplarisch eingeübt werden. Um die Schülerinnen und Schüler nicht zu demotivieren, sollten an dieser Stelle lediglich einige Hypothesen zu Übungszwecken gebildet werden.

Detailliertere Hinweise bezüglich der Planung, Durchführung und Auswertung einer eigenen GrafStat-Befragung finden Sie in Baustein 4 sowie im allgemeinen GrafStat-Teil dieses Bandes, auf welche in den entsprechenden Phasen bei Bedarf zurückgegriffen werden kann.


01. Oktober 2008

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Redaktion

Tabellarische Übersicht

Baustein 1

Unterrichtsmaterialien

ME 01.01 Was die Europäische Union für Jugendliche bedeutet
ME 01.02 Wahlbeteiligung bei Europawahlen
ME 01.03 Wahlbeteiligung Europawahl 2004 in Deutschland nach Geschlecht und Alter
ME 01.04 Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2004 in Deutschland in der Entwicklung
ME 01.05 Arbeitsblatt: Bildung von Hypothesen
Projekt Jugend und Europa
Auswertung der (nicht-repräsentativen) Online-Befragung: Jugend und Europa – Europawahl 2009
Auswertung der Online-Befragung
Hier finden Sie die Auswertung der Ergebnisse der nicht-repräsentativen Onlinebefragung von 4065 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Thema „Jugend und Europa“. Erste Ergebnisse zeigen ein optimistisches Stimmungsbild.
Auswertung der (nicht-repräsentativen) Online-Befragung: Jugend und Europa – Europawahl 2009
Europawahl
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Links ins Internet
In diesem Bereich finden Sie eine kommentierte Auflistung informativer Links zum Thema Europa und Europawahl 2009. Die Übersicht umfasst sowohl Geschichte und Institutionen der EU, als auch den Themenbereich Jugend und Europa.
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Methodensammlung
Auf diesen Seiten findet sich eine Reihe von Methodenmodulen. Diese bestehen in der Regel aus Hinweisen für die Lehrenden und einem Arbeitsblatt für die Schülerhand. Weiterhin erhalten Sie hier hilfreiche Informationen zur Dokumentation des Befragungsprojektes.
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