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GrafStat - Unterrichtsmaterial Fußball und Nationalbewusstsein

M 04.06 FIFA-Mitgliedschaft von Staaten



Bezeichnenderweise gehörte das Beitrittsgesuch zur Fifa vielfach zu den ersten Amtshandlungen der gerade unabhängig gewordenen Staaten: Als sei dies ebenso natürlich und notwendig wie der Beitritt zur UNO, als beschränke sich die Definition des Staatsbegriffs nicht auf die drei traditionellen Bestandteile Staatsgebiet, Staatsvolk und Regierung, sondern als müsse noch ein viertes, ebenso wesentliches Element, eine Fußball-Nationalmannschaft, hinzukommen; als sei nationale Unabhängigkeit durch die Macht definiert, die eigenen Grenzen zu verteidigen, eine Währung auszugeben und internationale Fußballspiele zu bestreiten.

Gerade neue Staaten, deren Nationalgefühl noch schwach war oder sich bedroht fühlte, fanden im Fußball eine feste Stütze - denn er erwies sich als einigende Kraft für die bisweilen traumatisierten Gemeinschaften. Der kroatische Präsident Franjo Tudjman höchstpersönlich veranlaßte die Namensänderung von "Dynamo Zagreb"; der neue Name, "Croatia", fördert die Selbstbehauptung Kroatien, während die Beibehaltung des Namens "Dynamo" in den Augen der westlichen Welt bedeutet hätte, daß die Zagreber sich noch nicht "vom bolschewistischen und balkanischen Erbe befreit" hätten. Die Nationalmannschaft ist also oft nicht nur die Folge einer Staatsgründung, sondern ein wesentliche Hilfsmittel, um die Nation zusammenzuschweißen.

Aus: Pascal Boniface: "Viele Füße für den Frieden", in: Le Monde diplomatique Nr. 5554, 12.6.1998, http://www.monde-diplomatique.de/pm/1998/06/12/a0414.text.name,ask8Ia4zP.n,6 (15.03.2006).

Heute hat die FIFA 207 Mitglieder, während die UNO als höchstes politischer Verband "nur" 191 Mitglieder hat. Die FIFA wird daher auch oft die "Vereinten Nationen des Fussballs” genannt. Der Unterschied zwischen den Mitgliedszahlen hat seine Gründe auch darin, dass z.B. Großbritannien in der UNO einen Sitz hat, in der FIFA aber England, Schottland, Wales, Nordirland und Irland vertreten sind. Es gibt aber auch Staaten der UNO, die (noch) nicht Mitglieder der FIFA sind. Gerade für Gebiete, die nicht von der UNO als eigenständig anerkannt sind, kann die Mitgliedschaft in der FIFA für das Nationalbewusstsein förderlich sein.

Allein zwischen 1975 und 2002 wurden 60 Fußball-Verbände als Mitglieder neu aufgenommen. Die FIFA unterstützt die Verbände finanziell und organisatorisch. Die Mitglieder bekommen dafür eine Anzahl attraktiver Rechte und Privilegien, haben aber auch Verpflichtungen.

Informationen zu den Mitgliedsverbänden der FIFA siehe unter: http://de.fifa.com/aboutfifa/federation/associations.html
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09. Februar 2012
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