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Nationalbewusstsein und Fußball
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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - Was bleibt vom "neuen Nationalgefühl"? |

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Andrea Meschede / Wolfgang Sander / Julia Behr
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Deutschland im "Schwarz-Rot-Gold-Rausch"? |
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Wer hätte noch im Mai 2006 gedacht, dass wir uns einige Wochen später in einer Art "Patriotismusrausch" befinden? Während der vier Weltmeisterschaftswochen im Sommer
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Zeichnung: Klaus Stuttmann
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machten viele Geschäfte den wahrscheinlich größten Umsatz mit Devotionalien in den Nationalfarben der Teilnehmer-Länder. Statt Erraten von Autokennzeichen etablierte sich während längerer Autofahrten das Flaggenzählen. Bäckereien verkauften Weltmeisterbrot. In nahezu jeder Kneipe, jedem Café wurde das gemeinsame WM-Gucken (neudeutsch: "Public Viewing") zelebriert und dazu Getränke in den (deutschen) Nationalfarben gereicht. Auch wenn wir unser Unterrichtsprojekt in Erwartung einer Renaissance der Patriotismusdebatte konzipiert hatten, wurden auch wir von dem Ausmaß der Begeisterung überrascht.
"Mich würde es nicht wundern, wenn künftig mehr Fahnenmasten mit der deutschen Flagge im Vorgarten zu sehen sind ...", hatte Projektleiter Wolfgang Sander Mitte Juni in einem Interview mit den Westfälischen Nachrichten vermutet – und Recht behalten: auch nach der WM sind noch zahlreiche Fahnen an Autos und Häusern zu entdecken. Viele Deutsche zeigten offen ihre Verbundenheit mit der deutschen Nationalmannschaft und schmückten sich und anderes mit den Farben Schwarz-Rot-Gold.
Das war sicher angesichts der WM im eigenen Land auch zu erwarten. Für Erstaunen sorgten da schon eher die vielen Migrantinnen und Migranten, die der deutschen Mannschaft zujubelten und dazu auch die deutsche Flagge nutzten. Bei der aktuellen Diskussion um Integration von Menschen anderer Kulturen sehen spätestens die Kinder der dritten Einwanderer-Generation die viel beschriebenen Probleme zumindest beim Fußball nicht mehr: "Für die ist Deutschland die erste Heimat", sagte Taciddin Yatkin, Präsident der Türkischen Gemeinde Berlin, am 30. Juni in der netzeitung. "Wir fühlen uns hier als fester Bestandteil, deshalb schlagen unsere Herzen für Deutschland."
(http://www.netzeitung.de/vermischtes/416278.html)
Doch ist die flaggenbetonte Unterstützung der (eigenen) Mannschaft schon ein Zeichen für ein Nationalbewusstsein alter Prägung? Oder ist die Fußball-WM und die lockere Partystimmung nur ein besonders willkommener Anlass, die Verbundenheit der Deutschen mit ihrem Land nach außen zu zeigen? Hat sich durch die WM im eigenen Land das Bild der Deutschen von sich selbst verändert?
Nicht jeder freute sich über die ungehemmten Feiern in Schwarz-Rot-Gold, so manche finden die "Deutschland" und "Sieg"-Rufe der Fans in Erinnerung an die Verbrechen des Landes im Zweiten Weltkrieg nach wie vor mehr als unpassend. Und befürchten, dass mit dem neuen "Selbstbewusstsein" auch das Wissen um diesen Teil der deutschen Vergangenheit in Vergessenheit gerät. Andere - wie der Spiegel-Kulturchef Matthias Matussek - sehen die bisherigen "Analphabeten des nationalen Gefühls" auf dem Weg zu einem neuen Wir-Gefühl in der immer internationaler werdenden Welt.
Antworten darauf, inwiefern die WM 2006 den Patriotismus in Deutschland beeinflusst hat, wird man wohl erst im Rückblick auf die Ereignisse aus einem gewissen zeitlichen Abstand geben können. Somit bleibt das Thema "Fußball und Nationalbewusstsein" noch weiter aktuell – auch für eine Bearbeitung im (Politik-)Unterricht. |
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