Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Claire Grobecker, Olga Pötzsch, Bettina Sommer


Altersaufbau, Geburten und Sterbefälle


Altersaufbau


Die Zahl der Geburten beeinflusst unmittelbar den Altersaufbau der Bevölkerung. Außerdem besteht eine Wechselwirkung zwischen der Stärke eines Altersjahrgangs und den Geburten sowie Sterbezahlen: Zum einen beeinflusst die Stärke der einzelnen Altersjahrgänge die Zahl der Geburten und Sterbefälle in bestimmten Zeiträumen, gleichzeitig wirken sich aber wiederum die Veränderungen von Geburtenhäufigkeit oder Sterblichkeit auch auf die Stärke der jeweiligen Jahrgänge aus. Langfristig führen solche Veränderungen zu einer Verschiebung der Anteile der einzelnen Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung. Einen zusätzlichen Faktor stellt die Zu- und Abwanderung dar, da die meisten Zu- und Abwanderer junge Erwachsene sind. In Deutschland führen diese verschiedenen Faktoren dazu, dass die Gruppe der Kinder und Jugendlichen kleiner wird und die Gruppe der Personen im Rentenalter wächst, während sich der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter – derzeit – wenig verändert. 


Altersaufbau der Bevölkerung Deutschlands 2014 — in Tausend je AltersjahrAltersaufbau der Bevölkerung Deutschlands 2014 — in Tausend je Altersjahr Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Um den Altersaufbau der Bevölkerung zu veranschaulichen, verwendet die Statistik eine grafische Darstellungsform, die als Alterspyramide bezeichnet wird, auch wenn sie – für Deutschland betrachtet – längst keine Pyramidenform mehr hat. So gleicht sie heute eher einer "zerzausten Wettertanne", wie sie einmal bildhaft beschrieben wurde.

Eine neue, interaktive Bevölkerungspyramide (www.destatis.de/bevoelkerungspyramide/) bietet die Möglichkeit, die Veränderung der Altersstruktur im Zeitraum zwischen 1950 und 2060 zu verfolgen und dabei einen bestimmten Geburtsjahrgang zu beobachten. Die Anwendung basiert auf den Ergebnissen der 13. koordinierten Bevölkerungsvoraus­berechnung für Deutschland. 


Die Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus zeigt Tabelle 4: Im Jahr 2014 betrug in Deutschland der Anteil der Heranwachsenden (unter 20-Jährige) 18 %. Auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) entfielen 61 % und der Seniorenanteil (65-Jährige und Ältere) lag bei 21 %. Rund 6 % der Bevölkerung waren hochbetagt, das heißt 80 Jahre oder älter. Der Jugendquotient (Zahl der unter 20-Jährigen je 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren) lag bei 30 und somit unter dem Altenquotient (Zahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren) mit 35. Im Jahr 1950 lag der Jugendquotient noch bei 51 und der Altenquotient bei 16, seit 2006 jedoch übersteigt der Altenquotient den Jugendquotienten (vgl. Kasten).
Entwicklung der AltersstrukturEntwicklung der Altersstruktur Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

In Deutschland werden etwa 5 % mehr Jungen als Mädchen geboren. Im Jahr 2014 kamen im Durchschnitt auf 100 neugeborene Mädchen 105 Jungen. Weil Männer statistisch gesehen nicht so alt werden wie Frauen, verändern sich die Anteile von Frauen und Männern mit den Altersgruppen. Während also bei den unter 50-Jährigen in der heutigen Bevölkerung der Männeranteil überwiegt, sind in der Altersgruppe 50- bis 59-Jährigen ungefähr so viele Männer wie Frauen enthalten. In den höheren Altersgruppen überwiegen dann zunehmend Frauen: Von den 60- bis 69-jährigen Personen sind 52 % weiblich. In den obersten Altersgruppen beträgt der Frauenanteil bei den 70- bis 79-Jährigen 55 % und bei den 80-jährigen oder älteren Personen sogar 65 %. Gründe für den geringeren Männer­anteil in den höchsten Altersgruppen sind neben der höheren Lebenserwartung von Frauen auch heute noch die starken Männerverluste durch den Zweiten Weltkrieg. So steigt mittlerweile mit den nachlassenden demografischen Auswirkungen des Krieges auch der Anteil der Männer an den Hochbetagten (27 % im Jahr 2000; 35 % im Jahr 2014).


i

Jugendquotient, Altenquotient und Gesamtquotient


Neben der absoluten Zahl der Bevölkerung in einem bestimmten Alter ist die Beziehung zwischen den verschiedenen Altersgruppen ein Charakteristikum des Alterungsprozesses. Wird der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter die jüngere Bevölkerung, für deren Aufwachsen, Erziehung und Ausbildung gesorgt werden muss, gegenübergestellt, so ergibt sich der Jugendquotient. Wird die Zahl der Personen im Rentenalter, also der ­potenziellen Empfänger von Leistungen der Rentenversicherung oder anderer Alterssicherungssysteme auf die Zahl der Personen im Erwerbs­alter bezogen, ergibt sich der Altenquotient. Beide Quotienten zusammen addieren sich zum Gesamtquotienten, der aufzeigt, in welchem Ausmaß die mittlere Altersgruppe sowohl für die jüngere als auch für die ältere Bevölkerung, die nicht im Erwerbsleben stehen, im weitesten Sinne zu ­sorgen hat. Für die Abgrenzung des erwerbsfähigen Alters wird hier die Altersspanne von 20 bis 64 Jahren gewählt, da in dieser Lebens­phase die meisten Menschen erwerbstätig sind.


Geburten, Sterbefälle


Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren in der Bundesrepublik Deutschland durch hohe Geburtenzahlen geprägt. Ab 1947 wurden deutlich mehr Geburten als Sterbefälle registriert. Der darauf folgende sogenannte Baby-Boom wandelte sich Ende der 1960er-Jahre zu einem rapiden Rückgang der Geburten. Die Zahl der lebend geborenen Kinder ging vom Höchststand im Jahr 1964 (1,36 Mil­lionen) bis auf 782.000 im Jahr 1975 zurück. Danach gab es von 1976 bis 1990 einen Anstieg der jährlichen Geburten­zahlen von 798.000 auf 906.000. Seit 1997 (812.000 Geburten) war wieder ein kontinuierlicher Geburtenrückgang zu beobachten. Im Jahr 2005 wurden erst­mals unter 700.000 Kinder geboren und im Jahr 2011 wurde mit 663.000 Neu­geborenen die niedrigste Geburten­zahl seit 1946 registriert. Im Jahr 2014 lag die Zahl der Geburten (715.000) wieder geringfügig höher.

i

Geburtenhoch im Sommer

Die monatlichen Geburtenzahlen zeigen, dass sich die Geburten nicht gleichmäßig über das Jahr verteilen. Der geburtenstärkste Monat ist nach der absoluten Zahl der Lebendgeborenen der Juli. Im Jahr 2014 kamen 9,0 % aller Neugeborenen im Juli zur Welt (66.960). Berücksichtigt man jedoch zusätzlich unterschiedliche Monatslängen, dann war die Zahl der Geburten je Tag im September 2014 am höchsten. Diese Verteilung hat sich allerdings erst seit Anfang der 1980er-Jahre herausgebildet.


Der Geburtenrückgang bewirkte, dass seit 1972 jedes Jahr weniger Kinder geboren wurden als Menschen starben. Im Jahr 2014 lag die Zahl der Gestorbenen um 153.000 höher als die Zahl der lebend geborenen Babys.

Lebendgeborene und Gestorbene in Deutschland 
1946 bis 2014 — in TausendLebendgeborene und Gestorbene in Deutschland 1946 bis 2014 — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Lebendgeborene und Gestorbene in DeutschlandLebendgeborene und Gestorbene in Deutschland Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Das durchschnittliche Alter der Mutter beim ersten Kind betrug im Jahr 2014 rund 30 Jahre. Etwa 55 % aller Frauen, die ihr erstes Kind 2014 bekommen haben, gehörten den Jahrgängen 1981 bis 1988 an und waren damit zwischen 26 und 33 Jahre alt. Lediglich 3 % der ersten Geburten entfielen auf Frauen im Alter ab 40 Jahren.


i

Mehrlingsgeburten


Im Zeitraum seit 1950 hatte der Anteil der Mehrlingsgeburten sein Tief Ende der 1970er-Jahre erreicht und stieg seitdem deutlich an. Von den Frauen, die 1950 Mutter wurden, hatten 1,2 % Mehrlingsgeburten, Mitte der 1970er-Jahre waren es 0,9 % gewesen und 2014 stieg der Anteil auf 1,9 %. 


Im Jahr 2014 gab es insgesamt 13.000 Mehrlingsgeburten. Die meisten davon waren Zwillingsgeburten (98 %). In 282 Fällen wurden Drillinge geboren und in 11 Fällen Vierlinge.


Mit der für das Jahr 2014 in Deutsch­land rechnerisch ermittelten durch­schnitt­lichen Kinderzahl von 1,47 Kindern je Frau wird die zur Erhaltung der Bevölkerungs­zahl auf längere Sicht er­forderliche Zahl von 2,1 Kindern je Frau deutlich unter­schritten. Gleichzeitig nimmt in Deutsch­land die durchschnitt­liche Lebenser­wartung weiter zu. Sie beträgt 2010/2012 für einen neugeborenen Jungen 78 Jahre und für ein neugeborenes Mädchen 83 Jahre. Gegenüber dem Stand von Mitte der 1980er-Jahre entspricht dies einer Zunahme bei den Jungen um rund sechs Jahre und bei den Mädchen um annähernd fünf Jahre. Ein 60-jähriger Mann hat 2010/2012 rechnerisch noch eine Lebenszeit von durchschnittlich 21 Jahren vor sich. Eine gleichaltrige Frau hat rechnerisch noch eine Lebenszeit von 25 Jahren zu erwarten (siehe auch Abschnitt 1.1.4).