Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:

Michaela Kreyenfeld
, 
Sandra Krapf

Familienformen und unverheiratete Elternschaft


Inwiefern es sich bei den nichtehelichen Geburten um Geburten von Frauen in nichtehelichen Lebensgemeinschaften handelt und wie oft nach der Familiengründung noch geheiratet wird, lässt sich auf Basis der amtlichen Daten nicht erschließen. Die Daten des Mikrozensus können jedoch Aufschluss über die Familienformen geben, in denen Frauen mit Kindern leben. Da es bereits seit 1996 möglich ist, nichteheliche Lebensformen im Mikrozensus abzugrenzen, lässt sich auch die Entwicklung über die Zeit darstellen. 


Wie aus Tabelle 3 ersichtlich, ist die Mehrzahl der Frauen, die mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt leben, verheiratet. Jedoch geht dieser Anteil seit 1996 deutlich zurück. Lebten 1996 in Westdeutschland noch 85 % der Mütter in einer ehelichen Lebensgemeinschaft, ist dieser Wert bis 2012 um knapp 10 Prozentpunkte auf 76 % gesunken. In Ostdeutschland ist der Anteil der verheirateten Mütter noch stärker zurückgegangen: von 75 % im Jahr 1996 auf 57 % im Jahr 2012. Hingegen ist der Anteil an Frauen mit Kindern in nichtehelichen Lebensgemeinschaften (NEL) leicht gestiegen. Lag er im Jahr 1996 bei 4 % in Westdeutschland, sind es im Jahr 2012 bereits 6 %. In Ostdeutschland ist die NEL mit Kind mit etwa 18 % im Jahr 2012 deutlich häufiger vertreten als in Westdeutschland. Obwohl nichteheliche Elternschaften an Bedeutung gewonnen haben, ist der Anteil alleinerziehender Mütter unter Frauen mit Kindern unter 18 Jahren in beiden Landesteilen weiterhin höher als der Anteil an Frauen in nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Im Jahr 2012 sind etwa ein Viertel aller ostdeutschen Frauen, die Kinder unter 18 Jahren haben, alleinerziehend. In Westdeutschland haben knapp ein Fünftel der Frauen mit Kindern unter 18 Jahren keinen Partner, der mit ihnen im selben Haushalt lebt. Während es sich in Westdeutschland bei den alleinerziehenden Frauen mehrheitlich um geschiedene beziehungsweise verheiratete und getrennt lebende Frauen handelt, sind es in Ostdeutschland mehrheitlich ledige Frauen.
Lebensformen von Frauen und Männern (Alter 18–54) mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt 1996, 2000 2004, 2008 und 2012 — in ProzentLebensformen von Frauen und Männern (Alter 18–54) mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt 1996, 2000 2004, 2008 und 2012 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Männer, die mit Kindern unter 18 Jahren zusammenleben, sind häufiger als die entsprechenden Frauen verheiratet. Zudem sind die Anteile der Männer, die mit Kindern in einer ehelichen Lebensgemeinschaft leben, über die Zeit weniger stark zurückgegangen als die der Frauen. Diese Darstellung berücksichtigt jedoch nicht, dass Kinder nach einer Trennung oder Scheidung der Eltern überwiegend bei den Müttern leben, sodass "Trennungsväter" unberücksichtigt bleiben, wenn nur die Kinder erfasst werden, die im gemeinsamen Haushalt leben; laut Mikrozensus leben diese Väter in einer nichtfamilialen Lebensform. Da das Lebensformenkonzept des Mikrozensus überdies Verwandtschaftsverhältnisse nicht systematisch erfasst, befinden sich unter den Männern in ehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern solche, deren Vaterschaftsstatus durch Stiefelternschaft begründet ist. Auf Frauen trifft dies nur in sehr geringem Umfang zu, da die meisten Kinder nach Trennung oder Scheidung bei den Müttern wohnhaft bleiben.