Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:

Michaela Kreyenfeld
, 
Sandra Krapf

Erwerbsverhalten von Müttern und Vätern


Parallel zu den Veränderungen in den Familienstrukturen hat sich das Erwerbsverhalten von Frauen und insbesondere jenen mit Kindern gewandelt. In Westdeutschland ist die Erwerbsquote von Frauen seit den 1980er-Jahren kontinuierlich angestiegen (siehe Kapitel 5.1.4) und liegt mittlerweile bei über 70 % und damit auf einem ähnlichen Niveau wie die Erwerbsquoten von Frauen in den nordischen Ländern Europas. Die Erwerbsquote ist jedoch kein hinreichender Indikator, um die Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere jenen mit Kindern, abzubilden, da sie nicht die Variationen im Erwerbsumfang berücksichtigt. Diese sind gerade für die Beurteilung der Erwerbsmuster in Deutschland relevant, da hier der Anstieg der Erwerbsquote von Frauen vor allem mit einem Anstieg des Anteils in Teilzeit arbeitenden (10–29 Arbeitsstunden pro Woche) und marginal beschäftigten Frauen (1–9 Arbeitsstunden pro Woche) mit Kindern zusammenfällt, während sich der Anteil der Vollzeit erwerbstätigen Frauen mit Kindern bislang wenig verändert hat. 


Abbildung 4 stellt vor diesem Hintergrund die Erwerbsbeteiligung von Frauen nach Alter des jüngsten Kindes, das im Haushalt lebt, dar. In Westdeutschland dominiert mittlerweile die Teilzeiterwerbstätigkeit unter Frauen mit Kindern. 44 % der Frauen, die Kinder unter 18 Jahren haben, sind teilzeiterwerbstätig. Nur etwa 23 % gehen einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach. Obwohl die Bedeutung der Nichterwerbspersonen über die Zeit deutlich zurückgegangen ist, sind im Jahr 2012 immerhin noch 23 % der westdeutschen Frauen Nichterwerbspersonen; sie haben weder eine Erwerbstätigkeit angegeben, noch sind sie in Elternzeit oder erwerbslos. Bei Frauen mit Kindern unter drei Jahren fallen sogar 35 % in diese Kategorie. In Ostdeutschland ist dieser Anteil mit 27 % etwas geringer. Im Unterschied zu Westdeutschland sind 31 % der ostdeutschen Mütter mit Kindern unter drei Jahren Vollzeit berufstätig. Betrachtet man Mütter mit Kindern unter 18 Jahren, sind 52 % der ostdeutschen Frauen vollzeiterwerbstätig. Auffallend im Ost-West-Vergleich ist zudem der relativ hohe Anteil von erwerbslosen Frauen in Ostdeutschland. Insgesamt kommt der Teilzeiterwerbstätigkeit von Müttern in Ostdeutschland mit 18 % eine geringere Rolle zu als in Westdeutschland, dennoch ist der Anteil teilzeiterwerbstätiger Frauen in Ostdeutschland nach der Wende deutlich angestiegen.
Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern mit Kindern1 nach Alter des jüngsten Kindes 2012 — in ProzenErwerbsbeteiligung von Frauen und Männern mit Kindern1 nach Alter des jüngsten Kindes 2012 — in Prozen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Betrachtet man die Erwerbsmuster von Männern, die mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt leben, dominiert in West- wie in Ostdeutschland die Vollzeiterwerbstätigkeit. Lediglich 4 beziehungsweise 5 % der Männer im jeweiligen Landesteil gehen einer Teilzeiterwerbstätigkeit nach. Während Frauen, die in Teilzeit arbeiten, am häufigsten die Betreuung von Kindern als Grund für die Teilzeiterwerbstätigkeit angeben, sind es bei den Männern andere Gründe – vor allem der Grund, dass sie keine Vollzeiterwerbstätigkeit finden konnten. Ebenfalls gering erscheint der Anteil der Väter, die in Elternzeit sind. Bei den Vätern mit Kindern im Alter von null bis zwei Jahren sind es in beiden Landesteilen nur 2 %, die zum Zeitpunkt des Interviews ihre Erwerbstätigkeit aufgrund einer Elternzeit unterbrochen oder reduziert haben. Hier muss zum einen beachtet werden, dass die Altersgruppe relativ breit gewählt ist. Bei kleinen Kindern (unter einem Jahr) erhöht sich der Anteil von Vätern in Elternzeit auf etwa 3 %. Zum anderen muss beachtet werden, dass es sich um Personen handelt, die sich »in der Berichtswoche«, also in der Woche vor dem Interviewzeitpunkt, in Elternzeit befinden. Dies entspricht dem Anteil an Vätern in Elternzeit zu einem bestimmten Beobachtungspunkt und ist nicht mit dem Anteil der Väter, die jemals Elternzeit genommen haben, gleichzusetzen. Es entspricht auch nicht dem Anteil an Vätern, die Elterngeld beziehen, da Elterngeldbezug im Gegensatz zur Elternzeit auch für Nichterwerbspersonen und Erwerbslose möglich ist. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt der Anteil der Väter der im Jahr 2012 geborenen Kinder, die jemals Elterngeld bezogen haben, bei 29 %. Dieser Wert ist deutlich höher als der Anteil der Väter, die in der Berichtswoche in Elternzeit sind. Ein wesentlicher Grund für diese Unterschiede ist, dass viele Väter nur relativ kurz – zumeist bis zu zwei Monate – Elternzeit nehmen.