Datenreport 2016

Betriebliche Berufsausbildung



3.5.2016
Im dualen Ausbildungssystem besuchen Jugendliche die Berufsschule und werden zusätzlich aufgrund der mit den ausbildenden Stellen beziehungsweise Betrieben abgeschlossenen Ausbildungsverträge auch praktisch am Arbeitsplatz ausgebildet. Dieses System hat den Vorteil, dass theoretischer und praktischer Lernstoff verknüpft wird. Für die Unternehmen dient die Ausbildung von Jugendlichen auch der Sicherstellung des eigenen Fachkräftenachwuchses. Das System ist im deutschsprachigen Raum sehr stark verbreitet. 


Im Jahr 2014 haben rund 518.000 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag neu abgeschlossen. Das sind etwa 7.500 Verträge weniger als im Vorjahr. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 führte auch in Deutschland zu einem Rückgang des Ausbildungsplatzangebotes. Da gleichzeitig demografiebedingt die Zahl der Jugendlichen sank, die an einer Ausbildungsstelle interessiert sind, führte dies im Ergebnis zu einer Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt.
Abb 7 Angebot und Nachfrage von Ausbildungsplätzen — in TausendAbb 7 Angebot und Nachfrage von Ausbildungsplätzen — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die Chancen der Jugendlichen hängen neben der regionalen Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftsentwicklung auch von individuellen Qualifikationen ab, unter anderem auch von den erreichten Schulabschlüssen. Von den Jugendlichen, die 2014 einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, besaßen ein Viertel (26 %) Abitur oder Fachhochschulreife. Mehr als zwei Fünftel (42 %) verfügten über einen Realschul- oder gleichwertigen Abschluss und 32 % blieben mit ihrem erreichten Abschluss darunter. Ungefähr einer von zehn Jugendlichen mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag (9 %), hatte vor Abschluss des Ausbildungsvertrages an einer berufsvorbereitenden Qualifizierung oder beruflichen Grundbildung teilgenommen. Dabei werden zum Beispiel durch den Besuch einer Berufsfachschule, eines schulischen Berufsgrundbildungsjahres oder Berufsvorbereitungsjahres, die Chancen auf einen Ausbildungsplatz durch einen höherwertigen Schulabschluss verbessert oder die Zeit bis zur nächsten Bewerbungsrunde im folgenden Jahr überbrückt. 


Die Verteilung der Auszubildenden auf die Ausbildungsberufe ließ deutliche Schwerpunkte erkennen: Im Jahr 2014 konzentrierten sich 38 % der Ausbildungsplätze männlicher und 55 % der Ausbildungsplätze weiblicher Auszubildender auf jeweils zehn von insgesamt 328 anerkannten Ausbildungsberufen. Bei den jungen Männern rangierte der Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers mit 7 % der männlichen Auszubildenden in der Beliebtheitsskala eindeutig an erster Stelle. Dann folgten die Berufe Industriemechaniker (5 %) und Elektroniker (4 %). Bei den jungen Frauen waren die Berufe Kauffrau für Büromanagement (11 %), Medizinische Fachangestellte (7 %) und Kauffrau im Einzelhandel (6 %) am stärksten besetzt. Frauen erlernen neben den Berufen im dualen Ausbildungssystem häufig auch Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen, wie zum Beispiel Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Altenpflegerin, deren Ausbildung meistens rein schulisch erfolgt. Da die Wahl des Ausbildungsberufes stark von den am Ausbildungsmarkt vorhandenen Stellen abhängt, kann man bei den genannten, am stärksten besetzten Berufen nicht zwingend von den "beliebtesten Berufen" sprechen.
Abb 8 Auszubildende in den zehn am stärksten besetzten Berufen, Teil 1Abb 8 Auszubildende in den zehn am stärksten besetzten Berufen, Teil 1 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Von den 1,36 Millionen Jugendlichen, die sich 2014 in einer Berufsausbildung im dualen Ausbildungssystem befanden, waren rund 83.000 Ausländerinnen beziehungsweise Ausländer. Ihr Anteil an den Auszubildenden ist seit Mitte der 1990er-Jahre von 8 % auf 6 % im Jahr 2014 gesunken. Im Vergleich zum Ausländeranteil an den Absolventinnen und Absolventen allgemeinbildender Schulen (2014: 9 %) waren Ausländerinnen und Ausländer im dualen System unterrepräsentiert. Von den ausländischen Auszubildenden besaßen im Jahr 2014 etwa 35 % einen türkischen Pass, 13 % die Staatsangehörigkeit eines der Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawiens, 9 % die italienische und 4 % die griechische Staatsangehörigkeit.


Nicht alle Jugendlichen, die eine Ausbildung beginnen, bringen diese auch zum Abschluss. Ein Viertel (25 %) löste den Ausbildungsvertrag 2014 vor Erreichen der Abschlussprüfung auf. Die Gründe für diese vorzeitigen Lösungen können bei dem beziehungsweise der Auszubildenden liegen, bedingt zum Beispiel durch einen Betriebs- oder Berufswechsel. Ebenso gibt es Gründe auf Ausbilderseite, etwa bei Aufgabe des Betriebes oder Wegfall der Ausbildereignung. Ein großer Teil dieser Jugendlichen beginnt anschließend erneut eine Ausbildung im dualen System.


Im Jahr 2014 haben rund 424.000 Jugendliche ihre Ausbildung erfolgreich mit einer bestandenen Abschlussprüfung beendet. Im dualen Ausbildungssystem können diese Prüfungen zwei Mal wiederholt werden. Rund 90 % der Prüfungsteilnehmerinnen und -teilnehmer haben die Prüfung bestanden.
Abb 9 Ausbildungsverträge und 
bestandene Abschlussprüfungen — in TausendAbb 9 Ausbildungsverträge und bestandene Abschlussprüfungen — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)





 

Dossier

Bildung

Bildung ist ein Grundrecht. Sie bereitet Menschen auf das Leben vor und verspricht sozialen Aufstieg. Vielen gilt sie als Universallösung für die Herausforderungen unserer Zeit. Findet die Bildungspolitik die richtigen Antworten? Das Dossier zeigt, worum es beim Thema Bildung heute geht. Weiter... 

Zahlen und Fakten

Top 15

15 ausgewählte Grafiken zeigen wichtige Aspekte aus den "Zahlen und Fakten"-Angeboten. Themen wie "Armut trotz Arbeit", "Entwicklung der öffentlichen Finanzen", "Grenzüberschreitender Warenhandel": mit unterschiedlich detaillierten Grafiken für den Einstieg und das vertiefte Studium, interaktiven Elementen zur besseren Verständlichkeit und den Daten, Texten und Grafiken zum Download. Weiter...