Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Christiane Krüger-Hemmer


Lebenslanges Lernen


Viele Erwerbstätige müssen damit rechnen, ihren ursprünglich erlernten Beruf in einer Zeit raschen technologischen Wandels nicht ein Leben lang ausüben zu können. Lebenslanges Lernen ist erforderlich, um mit den gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen Schritt zu halten, um auch künftig Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. 


Lernaktivitäten im Erwachsenenalter


Der Adult Education Survey erhebt unter anderem Informationen über drei Lernformen im Erwachsenenalter: die formale Bildung (reguläre Bildungsgänge an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen und Hochschulen), die nicht formale Bildung (im Folgenden als Weiterbildung bezeichnet) und das informelle Lernen. Bei der Weiterbildung wird zwischen betrieblicher Weiterbildung, individueller berufsbezogener Weiterbildung und nicht berufsbezogener Weiterbildung unterschieden. Das informelle Lernen wurde im Adult Education Survey 2014 über die Frage erfasst, ob man sich selbst bewusst etwas beigebracht habe, sei es in der Arbeitszeit oder in der Freizeit, allein oder zusammen mit anderen. Die Tabelle 9 zeigt die Teilnahmequoten der drei erfassten Lernformen.

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Lebenslanges Lernen

Seit 1979 wurde in dreijährigem Abstand im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine repräsentative Umfrage bei 19- bis 64-Jährigen unter dem Titel Berichtssystem Weiterbildung (BSW) durchgeführt. Bei der Erhebung 2007 wurde das nationale Konzept mit dem neuen Konzept des europäischen Adult Education Surveys (AES) kombiniert. Seit der rein nationalen Erhebungsrunde 2010 wird ausschließlich das AES-Konzept herangezogen. Dies bedeutet, dass die Erhebung zusätzlich auch die 18-Jährigen einbezieht. Der deutsche AES 2012 war Teil der ersten verpflichtenden europäischen Befragung; letztere findet nunmehr alle fünf Jahre statt, das nächste Mal 2016. Etwa in der Mitte zwischen den europäischen Erhebungsrunden gibt es jeweils einen rein deutschen AES, so auch 2014.

Tab 9 Teilnahme an Lernformen in den letzten zwölf Monaten 
vor der Erhebung (Adult Education Survey 2014)
— in Prozent der Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 JahrenTab 9 Teilnahme an Lernformen in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung (Adult Education Survey 2014) — in Prozent der Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Rund 12 % der 18- bis 64-Jährigen besuchten in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung wenigstens einen regulären Bildungsgang an einer allgemeinbildenden oder beruflichen Schule, einer Hochschule oder waren in einer Berufsausbildung. An wenigstens einer Weiterbildungsaktivität nahmen 51 % der Befragten teil. Im Bereich der betrieblichen Weiterbildung liegt die Teilnahmequote am höchsten (37 %), gefolgt von der nicht berufsbezogenen (12 %) und der individuellen berufsbezogenen Weiterbildung (9 %). Sich selbst bewusst etwas beigebracht, also informell gelernt, haben 54 %. Insgesamt sind 73 % der 18- bis 64-Jährigen "lernaktiv", das heißt sie haben an mindestens einer der drei Lernformen teilgenommen. Rund 56 % haben an mindestens einer der beiden organisierten Lernformen teilgenommen und sind somit "bildungsaktiv".


Erwerbstätige beteiligen sich am häufigsten an Weiterbildung. Von ihnen haben 58 % an mindestens einer Weiterbildungsaktivität teilgenommen, gefolgt von Personen in einer schulischen/beruflichen Bildungsphase (54 %), Arbeitslosen (32 %) und sonstigen Nichterwerbstätigen (25 %). 


Die Weiterbildungsquote der Frauen lag mit 50 % etwa so hoch wie die der Männer (52 %). Dabei beteiligen sich Frauen mehr an nicht berufsbezogener Weiterbildung (15 % gegenüber 10 %) und weniger an betrieblicher Weiterbildung (34 % gegenüber 40 %). Die niedrigere Teilnahme von Frauen an betrieblicher Weiterbildung ist vor allem auf die verschiedenartigen Erwerbssituationen von Männern und Frauen zurückzuführen.


Hochqualifizierte Männer und Frauen nahmen auch im Beobachtungszeitraum des Adult Education Survey 2014 deutlich häufiger an Weiterbildung teil als Geringqualifizierte. So bildeten sich 67 % der Akademikerinnen und Akademiker weiter, aber nur 39 % der Personen ohne beruflichen Abschluss.


Die Teilnahme an regulären Bildungsgängen konzentrierte sich stark auf die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen (67 %) und – in schwächerem Ausmaß – auf die der 25- bis 34-Jährigen (14 %). In den älteren Vergleichsgruppen liegt die Teilnahmequote an regulären Bildungsgängen in den letzten zwölf Monaten dagegen jeweils bei höchstens 3 %. Bei der Weiterbildung sind die altersmäßigen Unterschiede geringer. Erst in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen ist eine geringere Weiterbildungsbeteiligung zu beobachten. Beim informellen Lernen unterscheiden sich die Altersgruppen bezüglich der Teilnahme kaum.
Tab 10 Teilnahme an Lernformen in den letzten zwölf Monaten 
vor der Erhebung nach Alter (Adult Education Survey 2014) 
— in Prozent der Bevölkerung der jeweiligen AltersgruppeTab 10 Teilnahme an Lernformen in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung nach Alter (Adult Education Survey 2014) — in Prozent der Bevölkerung der jeweiligen Altersgruppe Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Im Jahr 2014 erhielten 172.000 Personen Leistungen nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) oder auch kurz "Meister-BAföG" genannt. Dies war gegenüber 2004 ein Anstieg von rund 29 %. Ursächlich hierfür sind unter anderem zwei Änderungsgesetze, die die Förderbedingungen und die Förderleistungen verbessert haben. Nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz können Personen gefördert werden, die sich nach abgeschlossener Erstausbildung auf einen Fortbildungsabschluss, zum Beispiel zum Handwerksmeister oder Fachwirt, vorbereiten. Diese Förderung wurde überwiegend von männlichen Fachkräften genutzt (68 %), nur 32 % der Geförderten waren Frauen. Der finanzielle Aufwand betrug 2014 insgesamt 588 Millionen Euro (als Darlehen 397 Millionen und als Zuschuss 190 Millionen Euro). Rund 75.000 (44 %) der Geförderten nahmen an einer Vollzeitfortbildung teil, davon 29 % Frauen und 71 % Männer. Eine Teilzeitfortbildung machten 97.000 Geförderte, davon 34 % Frauen und 66 % Männer. Die Geförderten waren überwiegend zwischen 20 und 35 Jahre alt. Am stärksten vertreten war die Gruppe der 20- bis 24-Jährigen (35 %), gefolgt von den 25- bis 29-Jährigen (34 %) und den 30- bis 34-Jährigen (15 %).

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Meister-BAföG

Die Aufstiegsförderung nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) soll Nachwuchskräften helfen, ihre Weiterbildung für einen Fortbildungsabschluss zu finanzieren, der einen beruflichen Aufstieg ermöglicht. Diese Förderung, auch "Meister-BAföG" genannt, wurde 1996 eingeführt. Das Gesetz gewährt allen Fachkräften einen Rechtsanspruch auf staatliche Unterstützung für alle Formen der beruflichen Aufstiegsfortbildung. Der angestrebte Abschluss muss über dem Niveau einer Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfenprüfung oder eines Berufsfachschulabschlusses liegen. Damit erstreckt sich die Förderung auf alle Bildungsmaßnahmen im Bereich der gewerblichen Wirtschaft, der Freien Berufe, der Hauswirtschaft und der Landwirtschaft, die gezielt auf anerkannte Prüfungen, zum Beispiel nach der Handwerksordnung, vorbereiten. Hierzu gehören auch Fortbildungen in den Gesundheits- und Pflegeberufen sowie an staatlich anerkannten Ergänzungsschulen. Die Leistungen für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestehen aus einem sogenannten Maßnahmebeitrag (für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren) bis zu einer Höhe von 10.226 Euro, der mit einem Anteil von 30,5 % als Zuschuss und im Übrigen als Darlehen gewährt wird.Geförderte in Vollzeitform können darüber hinaus monatliche Zuschüsse und Darlehen für den Lebensunterhalt und die Kinderbetreuung erhalten.

Tab 11 Aufstiegsförderung nach dem 
Aufstiegsfortbildungs­förderungsgesetz (AFBG)Tab 11 Aufstiegsförderung nach dem Aufstiegsfortbildungs­förderungsgesetz (AFBG) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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