Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Elle Krack-Roberg, Stefan Rübenach, Bettina Sommer, Julia Weinmann


Familien und ihre Strukturen


Als Familie werden im Mikrozensus alle Eltern-Kind-Gemeinschaften definiert. Im Einzelnen sind das Ehepaare, Lebensgemeinschaften sowie alleinerziehende Mütter oder Väter mit ledigen Kindern im Haushalt. In diesem Abschnitt liegt der Schwerpunkt auf Familien mit minderjährigen Kindern. Das bedeutet, dass mindestens ein minderjähriges Kind im elterlichen Haushalt aufwächst, gegebenenfalls gemeinsam mit minder- oder volljährigen Geschwistern. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um leibliche Kinder, Stief-, Pflege- oder Adoptivkinder handelt.


Im Jahr 2014 gab es in Deutschland knapp 8,1 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern; 2004 waren es noch 9,0 Millionen Familien gewesen. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Familien um rund 1,0 Millionen gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 10 %.


Bei einigen Familien in Deutschland besitzt mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund: Im Jahr 2014 waren das 2,5 Millionen Familien. Das entspricht einem Anteil von 30 % an allen Familien mit Kindern unter 18 Jahren. Im Vergleich zu 2005 – hier wurde erstmals der Migrationsstatus im Mikrozensus abgefragt – hat sich die Zahl der Familien mit Migrationshintergrund um 68.000 beziehungsweise 3 % erhöht. Die Zahl der Familien ohne Migrationshintergrund war hingegen rückläufig, und zwar von 6,5 Millionen im Jahr 2005 auf 5,6 Millionen im Jahr 2014 (– 14 %).

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Familien mit Migrationshintergrund


Zu den Familien mit Migrationshintergrund zählen alle in einem Haushalt zusammenlebenden Eltern-Kind-Gemeinschaften, bei denen mindestens ein Elternteil eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt oder die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung oder – wie im Fall der Spätaussiedler – durch einbürgerungsgleiche Maßnahmen erhalten hat.


Familienformen


Hinter den rückläufigen Familienzahlen stehen unterschiedliche Entwicklungen der einzelnen Familienformen. Während die Zahl traditioneller Familien (Ehepaare mit Kindern) kontinuierlich gesunken ist, stieg die Zahl alternativer Familienformen (Alleinerziehende und Lebensgemeinschaften mit Kindern). Gab es 2004 noch 6,7 Millionen Ehepaare mit minderjährigen Kindern, so waren es zehn Jahre später nur noch 5,6 Millionen (– 17 %). Umgekehrt hat sich die Zahl der Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern von 684.000 im Jahr 2004 auf 883.000 im Jahr 2014 erhöht (+ 22 %). Die Zahl der Alleinerziehenden stieg in diesem Zeitraum ebenfalls – wenn auch nicht kontinuierlich – um 66 000 auf gut 1,6 Millionen (+ 4 %). Die wachsende Bedeutung alternativer Familienformen führte zu einer Verschiebung der Familienstrukturen, bei der allerdings nach wie vor die Ehepaare mit Kindern deutlich überwiegen. Im Jahr 2014 waren sieben von zehn Familien (69 %) Ehepaare (2004: 75 %). Alleinerziehende Mütter oder Väter machten 20 % aller Familien aus (2004: 18 %). Weitere 10 % aller Familien waren Lebensgemeinschaften mit Kindern (2004: 8 %).
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform — in ProzentFamilien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Unter den Familien mit Migrationshintergrund war 2014 die eher traditionelle Familienform der Ehepaare mit Kindern – relativ gesehen – mit 78 % deutlich weiter verbreitet als unter den Familien ohne Migrationshintergrund (66 %). Nur 15 % der Familien mit Migrationshintergrund waren alleinerziehende Mütter oder Väter (ohne Migrationshintergrund: 23 %). Weitere 7 % waren Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern (ohne Migrationshintergrund: 12 %).
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform 
und Migrationsstatus 2014 — in ProzentFamilien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform und Migrationsstatus 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Familiengröße


Etwas mehr als die Hälfte (53 %) der knapp 8,1 Millionen Familien betreute 2014 ein minderjähriges Kind (und gegebenenfalls weitere volljährige Kinder). Zwei minderjährige Kinder lebten in 36 % der Familien. Drei und mehr minderjährige Kinder wuchsen in 11 % der Familien auf.
Familien nach Zahl der Kinder unter 18 Jahren — in ProzentFamilien nach Zahl der Kinder unter 18 Jahren — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Verteilung der Familien nach der Zahl der Kinder nur geringfügig verändert. Dennoch ist im Vergleich zu 2004 sowohl die Zahl der Familien mit minderjährigen Kindern als auch die Anzahl der in diesen Familien lebenden minderjährigen Kinder gesunken. Diese Entwicklung lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Rein rechnerisch zogen die Familien 2004 durchschnittlich 1,63 minderjährige Kinder groß. Im Jahr 2014 waren es mit 1,61 minderjährigen Kindern etwas weniger.


Deutliche Unterschiede hinsichtlich der Kinderzahl zeigen sich zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund. Bei Familien mit Migrationshintergrund leben häufiger drei und mehr minderjährige Kinder im Haushalt. Im Jahr 2014 war das in 15 % der Familien mit Migrationshintergrund der Fall. Dieser Anteil betrug bei den Familien ohne Migrationshintergrund nur 9 %. Demgegenüber war der Anteil der Familien, die nur ein im Haushalt lebendes minderjähriges Kind versorgten, bei den Familien mit Migrationshintergrund geringer (48 %) als bei den Familien ohne Migrationshintergrund (55 %).
Familien nach Zahl der Kinder unter 18 Jahren 
und Migrationsstatus 2014 — in ProzentFamilien nach Zahl der Kinder unter 18 Jahren und Migrationsstatus 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Monatliches Familiennettoeinkommen


Nach den Ergebnissen des Mikrozensus hatten 2014 in Deutschland 9 % aller Familien ein monatliches Familiennettoeinkommen von weniger als 1.300 Euro. Rund 32 % der Familien verfügten monatlich über 1.300 bis unter 2.600 Euro, 40 % über 2.600 bis unter 4.500 Euro und 19 % über 4.500 Euro und mehr. Bei den Familien mit Migrationshintergrund lagen die Anteile der Familien in den beiden unteren Einkommensstufen (unter 1.300 Euro: 10 %; 1.300 bis unter 2.600 Euro: 42 %) höher als bei den Familien ohne Migrationshintergrund (9 % beziehungsweise 27 %). Umgekehrt waren dort die Anteile der Familien in den beiden oberen Einkommensklassen (2.600 bis unter 4.500 Euro: 41 %; 4.500 Euro und mehr: 23 %) höher als bei den Familien mit Migrationshintergrund (36 % beziehungsweise 12 %).
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren 
nach monatlichem Nettoeinkommen und Migrationsstatus 2014Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach monatlichem Nettoeinkommen und Migrationsstatus 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Ehepaare sowie Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern hatten 2014 in Deutschland mehrheitlich (Ehepaare 72 %, Lebensgemeinschaften 81 %) ein monatliches Familiennettoeinkommen zwischen 1.300 und 4.500 Euro. Bei den Alleinerziehenden zeigt sich ein anderes Bild: Vier von zehn Alleinerziehenden (36 %) lebten von einem monatlichen Familiennettoeinkommen von unter 1.300 Euro. Während nur 21 % der alleinerziehenden Väter mit Kindern unter 18 Jahren ein monatliches Familiennettoeinkommen von weniger als 1.300 Euro hatten, mussten 37 % der alleinerziehenden Mütter mit einem Monatseinkommen in dieser Höhe zurechtkommen.
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach monatlichem Nettoeinkommen und Familienform 2014 — in ProzentFamilien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach monatlichem Nettoeinkommen und Familienform 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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