Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Elle Krack-Roberg, Stefan Rübenach, Bettina Sommer, Julia Weinmann


Vereinbarkeit von Familie und Beruf


Arbeit und Karriere auf der einen, Familienleben und Kinderbetreuung auf der anderen Seite: Beides miteinander zu verbinden, stellt für viele Eltern eine besondere Herausforderung dar. Nach wie vor sind es vor allem Frauen, die durch eine verminderte Beteiligung am Erwerbsleben versuchen, beiden Seiten gerecht zu werden.


Im Jahr 2014 gab es in Deutschland 6,7 Millionen Mütter und 5,6 Millionen Väter im erwerbsfähigen Alter (von 15 bis 64 Jahren), die mit mindestens einem leiblichen Kind oder einem Stief-, Pflege- oder Adoptivkind unter 15 Jahren in einem gemeinsamen Haushalt lebten. Kinder, die jünger als 15 Jahre sind, bedürfen in höherem Maß einer Betreuung als ältere Kinder. Dementsprechend werden in diesem Abschnitt nur Mütter und Väter mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren betrachtet. 


Rund 58 % dieser Mütter und 84 % dieser Väter waren 2014 aktiv erwerbstätig, das heißt sie haben in der Berichtswoche – das ist die Woche vor der Befragung – gearbeitet und waren nicht beurlaubt oder in Elternzeit. In Abhängigkeit vom Alter des jüngsten Kindes verändert sich die Erwerbstätigenquote insbesondere der Mütter deutlich. Fast ein Drittel (32 %) der Mütter, deren jüngstes Kind im Krippenalter von unter drei Jahren war, war berufstätig. Erreichte das jüngste Kind das Kleinkindalter von drei bis fünf Jahren, gingen bereits fast doppelt so viele (63 %) einer Erwerbstätigkeit nach. Die höchste Erwerbstätigenquote von 72 % wurde bei Müttern mit 10- bis 14-jährigen Kindern erreicht. Bei den Vätern ist die Beteiligung am Erwerbsleben weitgehend unabhängig vom Heranwachsen der Kinder. Sie lag 2014 – je nach Alter des jüngsten Kindes – zwischen 82 % und 85 %. Mit der Familiengründung gibt somit ein beträchtlicher Teil der in Deutschland lebenden Mütter ihren Beruf vorübergehend auf und kehrt erst mit zunehmendem Alter der Kinder wieder in das Erwerbsleben zurück.
Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern nach Alter 
des jüngsten Kindes 2014 — in ProzentErwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern nach Alter des jüngsten Kindes 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Dieser Trend lässt sich sowohl für Mütter in Westdeutschland als auch für Mütter in Ostdeutschland feststellen. Allerdings sind Mütter in Ostdeutschland tendenziell etwas häufiger erwerbstätig als Mütter in Westdeutschland. Sie schränken ihre Erwerbsbeteiligung auch mit jüngeren Kindern nicht so stark ein wie westdeutsche Mütter. So waren 2014 rund 39 % der ostdeutschen Mütter mit einem Kind unter drei Jahren berufstätig, bei den westdeutschen Müttern lag dieser Wert bei 30 %. Die Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung von ost- und westdeutschen Müttern sind im Wesentlichen auf die unterschiedliche Betreuungssituation in Ost- und Westdeutschland zurückzuführen (siehe Abschnitt 2.1.6, Tab 5).
Erwerbstätigenquoten von Müttern in Ost- und Westdeutschland 
nach Alter des jüngsten Kindes 2014 — in ProzentErwerbstätigenquoten von Müttern in Ost- und Westdeutschland nach Alter des jüngsten Kindes 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit ist nicht nur für die finanzielle Situation der Familie von großer Bedeutung. Sie bestimmt auch den zeitlichen Rahmen, der für das Familienleben zur Verfügung steht. Bei der Erwerbsbeteiligung zeigen sich zunächst keine großen Unterschiede zwischen alleinerziehenden Müttern und Müttern in Paarfamilien. Alleinerziehende Mütter und Ehefrauen mit Kindern unter 15 Jahren gingen 2014 jeweils zu 58 % aktiv einer Erwerbstätigkeit nach. Lebenspartnerinnen mit Kindern unter 15 Jahren waren mit 57 % fast genauso häufig berufstätig. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen beim Umfang der ausgeübten Tätigkeit. Ehefrauen waren von allen Müttern am seltensten vollzeitberufstätig. Nur 24 % der Ehefrauen übten ihre Erwerbstätigkeit in Vollzeit aus. Deutlich höher waren die Vollzeitquoten der alleinerziehenden Mütter (39 %) und der Lebenspartnerinnen (40 %). Bei der Ausübung einer Teilzeitbeschäftigung ist das entsprechend umgekehrt.
Vollzeitquoten von Müttern und Vätern nach Familienform 2014 — in ProzentVollzeitquoten von Müttern und Vätern nach Familienform 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Väter sind nicht nur häufiger erwerbstätig, sie üben ihre berufliche Tätigkeit auch öfter in Vollzeit aus als Mütter. Dennoch gibt es auch hier Unterschiede je nach Familienform: Ehemänner waren mit Abstand am häufigsten erwerbstätig (85 %). Von den Lebenspartnern übten 80 % eine berufliche Tätigkeit aus. Mit 70 % waren alleinerziehende Väter am seltensten von allen Vätern mit Kindern unter 15 Jahren berufstätig. Die Reihenfolge ist unverändert, vergleicht man die Vollzeitquoten der Väter: 95 % der erwerbstätigen Ehemänner waren vollzeittätig, 92 % der Lebenspartner und 86 % der alleinerziehenden Väter.


Für Mütter und Väter, die als Paar zusammenleben, stellt sich nicht nur die Frage, wie beide Elternteile für sich betrachtet Familie und Beruf vereinbaren. Von hohem Interesse ist bei Paaren mit Kind(ern) zudem das Zusammenspiel der Partner bei der Balance von Familie und Beruf. Die dargestellten Ergebnisse konzentrieren sich dabei auf Ehepaare und nichteheliche Lebensgemeinschaften. Insbesondere der Zeitumfang der Erwerbsbeteiligung unterscheidet sich deutlich. Bei fast drei Vierteln (74 %) der Ehepaare mit Kindern unter 15 Jahren war der Vater vollzeit- und die Mutter teilzeiterwerbstätig. Auch über die Hälfte der Paare, die in nichtehelicher Lebensgemeinschaft lebten, wählten diese "traditionelle" Arbeitszeitkombination (55 %). Bei 21 % der Ehepaare gingen beide Elternteile einer Vollzeittätigkeit nach, bei den Lebensgemeinschaften lag dieser Anteil mit 38 % fast doppelt so hoch. Andere mögliche Arbeitszeitaufteilungen spielten eine eher untergeordnete Rolle.
Paarfamilien nach Vollzeit- / Teilzeittätigkeit der Partner 2014 — in ProzentPaarfamilien nach Vollzeit- / Teilzeittätigkeit der Partner 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Wie vereinbaren Paarfamilien mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Paarfamilien ohne Migrationshintergrund Familie und Beruf? Unterschiede zeigen sich hier weniger im Umfang der Erwerbsbeteiligung, sondern vielmehr bei der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit. Während bei 59 % der Paarfamilien ohne Migrationshintergrund Mutter und Vater 2014 aktiv erwerbstätig waren, traf das auf vergleichsweise nur 41 % der Paare mit Migrationshintergrund zu. Bei ihnen war die eher "traditionelle" Rollenverteilung – ausschließlich der Vater geht einer beruflichen Tätigkeit nach – mit 39 % deutlich häufiger verbreitet als bei den Paarfamilien ohne Migrationshintergrund (27 %). Ebenfalls höher war bei den Paaren mit Migrationshintergrund der Anteil derjenigen Paare, bei denen sich weder Mutter noch Vater am Erwerbsleben beteiligten (15 % gegenüber 9 % bei den Paaren ohne Migrationshintergrund).
Paarfamilien nach Migrationsstatus und 
Erwerbsbeteiligung der Partner 2014 — in ProzentPaarfamilien nach Migrationsstatus und Erwerbsbeteiligung der Partner 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



Dossier

Familienpolitik

Die deutsche Familienpolitik ist ein zentraler Bestandteil der Gesellschaftspolitik. Sie versucht das Zusammenleben von Paaren, das Leben mit Kindern und den Generationenzusammenhang zu unterstützen. Das Dossier skizziert die Maßnahmen, Institutionen, Akteure und Ziele der Familienpolitik, gibt einen Überblick über den Wandel von Familie und bildet die aktuelle Reformdebatte ab.

Mehr lesen

Zahlen und Fakten

Top 15

15 ausgewählte Grafiken zeigen wichtige Aspekte aus den "Zahlen und Fakten"-Angeboten. Themen wie "Armut trotz Arbeit", "Entwicklung der öffentlichen Finanzen", "Grenzüberschreitender Warenhandel": mit unterschiedlich detaillierten Grafiken für den Einstieg und das vertiefte Studium, interaktiven Elementen zur besseren Verständlichkeit und den Daten, Texten und Grafiken zum Download.

Mehr lesen