Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Elle Krack-Roberg, Stefan Rübenach, Bettina Sommer, Julia Weinmann


Kindertagesbetreuung: Betreuungsangebot und Inanspruchnahme


Der Ausbau der Kindertagesbetreuung steht derzeit im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Neben anderen familienpolitischen Leistungen (unter anderem Elterngeld, Kindergeld) gilt der Ausbau der Infrastruktur in der Kindertagesbetreuung als eine wichtige Voraussetzung, um Paare bei dem Entschluss, Kinder zu bekommen, zu unterstützen. Zusätzlich zu dem damit verbundenen Ziel, die Geburtenrate in Deutschland zu erhöhen, können wichtige arbeitsmarktpolitische Anforderungen erreicht werden. Es gilt, gut ausgebildeten und qualifizierten Müttern – und Vätern – bessere Chancen als bislang auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.


Eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung umfasst auch die Aspekte Erziehung und Bildung. Außerdem vermittelt Kindertagesbetreuung Kindern wichtige Sozialisationserfahrungen auch außerhalb ihrer Familien.


Auf dem sogenannten "Krippengipfel" von Bund, Ländern und Kommunen im Jahr 2007 wurde vereinbart, bis zum Jahr 2013 bundesweit für 35 % der Kinder unter drei Jahren ein Angebot zur Betreuung in einer Kindertageseinrichtung oder durch eine Tagesmutter beziehungsweise einen Tagesvater (sogenannte Tagespflege) zu schaffen. Die damalige Planungsgröße lag bei 750.000 Plätzen. Elternbefragungen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) aus den Jahren 2011 und 2012 ergaben jedoch einen etwas höheren Betreuungsbedarf von rund 780.000 Plätzen, was einer Betreuungsquote von gut 39 % entspricht. Da der Bedarf regional unterschiedlich hoch ist, kommt es in einzelnen Regionen zu deutlichen Abweichungen nach oben oder auch nach unten. 


Neben dem Ziel, bundesweit für nun 39 % der Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsangebot zur Verfügung zu stellen, gibt es seit dem 1. August 2013 zudem einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres. 


Von den rund 2,7 Millionen Kindern unter sechs Jahren in Tagesbetreuung wurden zum Stichtag 1. März 2015 in der Altersgruppe der unter 3-Jährigen bundesweit gut 693.000 Kinder in einer Kindertageseinrichtung oder durch eine Tagespflegeperson betreut. Dies entspricht einem Anteil von 33 % an allen Kindern in dieser Altersgruppe (Betreuungsquote). Die Betreuungsquote bezeichnet den Anteil der betreuten Kinder an allen Kindern dieser Altersgruppe. Die bei der Quotenberechnung verwendeten Bevölkerungszahlen beruhen auf Ergebnissen der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 zum 31. Dezember 2014. Im März 2007 lag die Betreuungsquote bei den unter 3-Jährigen noch bei 15 %. Regional gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Betreuungsquote. Bei den nachfolgenden Ausführungen zu Ost- und Westdeutschland ist Berlin in den Daten von Ostdeutschland enthalten. 

Kinder unter drei Jahren in Tagesbetreuung 2015 
— Anteil an der entsprechenden Altersgruppe in ProzentKinder unter drei Jahren in Tagesbetreuung 2015 — Anteil an der entsprechenden Altersgruppe in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Während die Betreuungsquote 2015 in den westdeutschen Bundesländern bei 28 % lag, war sie in den neuen Bundesländern mit 52 % bedeutend höher. Die höchsten Betreuungsquoten für Kinder unter drei Jahren gab es in Sachsen-Anhalt (58 %) und Brandenburg (57 %) sowie Mecklenburg-Vorpommern (56 %). Unter den westdeutschen Flächenländern hatten Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz (beide 31 %) die höchsten Betreuungsquoten. Die bundesweit niedrigste Betreuungsquote gab es im März 2015 in Nordrhein-Westfalen (26 %).
Kinder unter sechs Jahren in Tagesbetreuung 2015Kinder unter sechs Jahren in Tagesbetreuung 2015 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


In Ostdeutschland besuchte der überwiegende Anteil der betreuten Kinder unter drei Jahren – 90 % – eine Kindertageseinrichtung. Der Anteil lag in Westdeutschland mit knapp 84 % etwas darunter. Hier hat die Kindertagespflege als Betreuungsform (gut 16 %) eine größere Bedeutung. 


Knapp 2 Millionen Kinder zwischen drei und fünf Jahren wurden zum Stichtag 1. März 2015 in Kindertagesstätten oder in Kindertagespflege betreut. Die Zahl der betreuten Kinder in dieser Altersgruppe stieg im Vergleich zum März 2007 um rund 25.000 Kinder und die Betreuungsquote um 6 Prozentpunkte auf aktuell 95 % an. Gleichzeitig ging bundesweit die Zahl aller Kinder in dieser Altersgruppe um knapp 96.000 Kinder zurück. Anders als bei den unter 3-Jährigen spielt die Kindertagespflege in dieser Altersgruppe kaum eine Rolle.

Neben dem generellen Angebot an Kinderbetreuungsplätzen ist die Möglichkeit, Kinder auch ganztags betreuen zu lassen, ein wichtiger Beitrag für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ganztagsbetreuung bedeutet, dass Kinder durchgehend mehr als sieben Stunden pro Tag in einer Tageseinrichtung oder bei einer Tagespflege verbringen können. 


Bei Kindern im Alter unter drei Jahren sind Ganztagsbetreuungsplätze nach wie vor wenig verbreitet. So wurde im März 2015 im bundesweiten Durchschnitt nur etwa jedes sechste Kind (18 %) unter drei Jahren (381.000) ganztags betreut. Das waren jedoch mehr als doppelt so viele wie 2007 – da lag der Anteil bei 7 %. 


Auch hier unterscheiden sich die Quoten zwischen Ost- und Westdeutschland: Während in Westdeutschland die Ganztagsbetreuungsquote bei 13 % aller Kinder unter drei Jahren lag, war in Ostdeutschland mehr als jedes dritte Kind (40 %) in dieser Altersgruppe in Ganztagsbetreuung. Die Ganztagsbetreuungsquote im Osten war damit mehr als dreimal so hoch wie im Westen Deutschlands. 


Für die Altersgruppe der 3- bis 5-Jährigen werden Ganztagsplätze bundesweit wesentlich häufiger in Anspruch genommen als bei den unter 3-Jährigen. Im März 2015 lag die Quote bei 44 %, im Jahr 2007 waren es noch 24 %. In den ostdeutschen Bundesländern stieg die Ganztagsbetreuungsquote im gleichen Zeitraum von 58 % auf 74 %. In den westdeutschen Bundesländern erhöhte sie sich von 17 % auf 37 %. 


Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesbetreuung


Etwa 135.000 der bundesweit rund 693.000 Kinder unter drei Jahren in Kindertagesbetreuung hatten 2015 einen Migrationshintergrund, das heißt sie hatten mindestens ein Elternteil mit ausländischer Herkunft. Das waren gut 19 %. In den westdeutschen Bundesländern hatte fast jedes vierte Kind (24 % beziehungsweise knapp 115.000 Kinder) dieser Altersgruppe in Kindertagesbetreuung einen Migrationshintergrund, in Ostdeutschland waren es nur 9 % der unter 3-Jährigen (20.000 Kinder).


In der Altersgruppe der 3- bis 5-Jährigen ist der Anteil der betreuten Kinder mit Migrationshintergrund höher als bei den unter 3-Jährigen. Bundesweit hatte in dieser Altersgruppe mehr als jedes vierte betreute Kind (29 % beziehungsweise 566.000 Kinder) einen Migrationshintergrund. Auch hier lag der Anteil der Kinder in Kindertagesbetreuung mit Migrationshintergrund in Westdeutschland mit 33 % (514.000 Kinder) deutlich über dem in Ostdeutschland (13 % beziehungsweise 52.000 Kinder).


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