Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Stefan Weick 


Einstellungen zu Heirat und Elternschaft


Sinkende Heiratsneigung, zunehmende Kinderlosigkeit und geringe Ehestabilität werden häufig als Ergebnis einer abnehmenden subjektiven Bedeutung der Familie in der Bevölkerung gewertet. Andererseits wird argumentiert, dass hohe Erwartungen an Partnerschaft und Elternschaft ein Hemmnis für die Familiengründung darstellen könnten. Es stellt sich daher die Frage, welche Bedeutung die Bevölkerung der Familie zuschreibt. Auf die Frage, ob man eine Familie braucht, um glücklich zu sein, oder ob man allein genauso glücklich leben kann, gibt die überwiegende Mehrheit in den alten und neuen Bundesländern an, dass man eine Familie zum Glück braucht. In den beiden höheren Altersgruppen findet diese Ansicht in den neuen Bundesländern eine weitere Verbreitung als in Westdeutschland, was sich insbesondere bei den älteren Menschen über 60 Jahren verdeutlicht. So glauben nur 13 % der ostdeutschen Befragten der Altersgruppe ab 61 Jahren, dass man allein genauso glücklich oder glücklicher leben kann.

In den alten Bundesländern äußert etwa ein Fünftel dieser Altersgruppe diese Meinung. Überwiegend wird der Familie demnach eine zentrale Rolle für das persönliche Glück zugeschrieben. Die Trendbetrachtung in den alten Bundesländern zeigt sogar, dass gerade bei jungen Erwachsenen bis 30 Jahre seit den 1980er-Jahren der Stellenwert der Familie gestiegen ist. Während 1984 in Westdeutschland noch weniger als die Hälfte in dieser Altersgruppe glaubte, dass man eine Familie zum Glück braucht, vertraten im Jahr 2014 in West- und Ostdeutschland etwa 70 % diese Ansicht. In Ostdeutschland ist insgesamt bei jungen Erwachsenen weniger Veränderung im Zeitverlauf zu erkennen als in Westdeutschland.
Abb 1 Anteil der jungen Erwachsenen¹, der angibt: Man braucht eine Familie zum Glück 1980 – 2014 — in ProzentAbb 1 Anteil der jungen Erwachsenen¹, der angibt: Man braucht eine Familie zum Glück 1980 – 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Tab 1 Einstellungen zu Familie und Eheschließung 2014 nach Alter — in ProzentTab 1 Einstellungen zu Familie und Eheschließung 2014 nach Alter — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Wann sollten Lebenspartner eine Ehe schließen? Welche Einstellungen findet man hierzu in der Gesellschaft? Wie weit verbreitet ist die Ansicht, dass man heiraten sollte, wenn man mit einem Partner auf Dauer zusammenlebt? Besonders häufig – von mehr als 60 % der Befragten – wird diese Meinung von älteren Personen über 60 Jahren vertreten. In den jüngeren Altersgruppen sind die entsprechenden Anteile kleiner. In den beiden jüngsten ostdeutschen Altersgruppen findet diese Ansicht am wenigsten Unterstützung: Nur für etwa ein Drittel stellt ein dauerhaftes Zusammenleben von Partnern einen Grund für eine Heirat dar. Ein Kinderwunsch wird noch seltener als Heiratsgrund erachtet als das Zusammenleben von Partnern. Etwa 40 % der Westdeutschen stimmen der Aussage zu, dass Menschen, die sich Kinder wünschen, heiraten sollten. In Ostdeutschland liegt der entsprechende Anteil mit 29 % merklich niedriger. Bei älteren Menschen über 60 Jahren ist diese Ansicht wiederum stärker vertreten als bei jüngeren, insbesondere in den alten Bundesländern. 


Die geringe Fertilität in Deutschland ist ein vieldiskutiertes familienpolitisches Problem. Politische Maßnahmen, wie eine verbesserte finanzielle Förderung von Eltern oder der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen sollen die Randbedingungen für die Kindererziehung verbessern und somit die Entscheidung für ein Kind erleichtern. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob und gegebenenfalls wie viele Kinder jüngere Deutsche gerne hätten. Die meisten bisher kinderlosen Männer und Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren äußern den Wunsch Kinder zu bekommen: 93 % in Westdeutschland und 94 % in Ostdeutschland wünschen sich Kinder. Bei den Befragten von 31 bis 50 Jahren geht dieser Anteil auf 52 % in den alten und 63 % in den neuen Bundesländern zurück. Auch junge Erwachsene bis 30 Jahre, die schon Kinder haben, äußern überwiegend den Wunsch nach weiteren Kindern, während bei Frauen und Männern über 30 Jahren mit Kindern der Wunsch nach weiteren Kindern deutlich weniger verbreitet ist. Gerade die jüngste Altersgruppe misst der Familie somit nicht nur in einem abstrakten Sinn eine hohe Bedeutung zu, sondern sieht auch eigene Kinder in der Lebensplanung vor. In allen Altersgruppen überwiegt bei Kinderlosen der Wunsch nach zwei Kindern. Der Wunsch nach drei oder mehr Kindern wird häufiger genannt als der nach nur einem Kind. Dabei sind Ost-West-Differenzen zu erkennen. Seltener als in den alten Bundesländern äußern junge Erwachsene bis 30 Jahre aus den neuen Bundesländern den Wunsch nach drei oder mehr Kindern. Der Anteil, der sich nur ein Kind wünscht, ist dagegen größer als bei westdeutschen Befragten. Demgemäß liegt die durchschnittlich gewünschte Kinderzahl in Westdeutschland mit 2,2 Kindern bei den jüngeren kinderlosen Befragten und 1,9 Kindern bei den älteren auch etwas höher als in Ostdeutschland, wo sie bei den 18- bis 30-Jährigen bei 2,0 und bei den 31- bis 50-Jährigen bei 1,8 liegt.
Tab 2 Kinderwünsche bei Personen bis 50 Jahre 2014Tab 2 Kinderwünsche bei Personen bis 50 Jahre 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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