Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Anja Crößmann, Frank Schüller


Entwicklung der Erwerbstätigkeit und Erwerbslosigkeit


Im Jahr 2014 gab es in Deutschland durchschnittlich rund 44,7 Millionen Erwerbspersonen. Von ihnen waren 42,6 Millionen erwerbstätig und 2,1 Millionen erwerbslos. Im Vergleich zu 1991 ist die Zahl der Erwerbspersonen um etwa 3,7 Millionen gestiegen. Kontinuierliche Zuwächse gab es vor allem im Zeitraum 1996 bis 2005, während die Zahl der Erwerbspersonen davor weitestgehend stagniert hatte. Seit 2011 ist wieder eine etwas stärkere Zunahme zu beobachten.
Tab 1 Erwerbspersonen, Erwerbstätige und ErwerbsloseTab 1 Erwerbspersonen, Erwerbstätige und Erwerbslose Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Betrachtet man allein die Erwerbstätigen, werden konjunkturelle Entwicklungen deutlicher: Nach der deutschen Vereinigung war die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept) rückläufig, bis sie 1993 ein Minimum von 37,8 Millionen erreichte. Nach einem Hoch bei der Erwerbstätigenzahl im Jahr 2000 mit 39,9 Millionen ging sie parallel zur konjunkturellen Entwicklung erneut leicht zurück, blieb aber deutlich über dem Niveau von 1993. Seit 2006 ist wieder ein klarer Aufwärtstrend erkennbar. Selbst die deutlich negative konjunkturelle Entwicklung in Deutschland nach der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008/2009 führte lediglich zu einer verlangsamten Zunahme der Erwerbstätigenzahl. 


Der Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen relativiert sich, wenn man sie mit der Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden, dem sogenannten Arbeitsvolumen, vergleicht. Im Jahr 2014 wurden von den Erwerbstätigen in Deutschland 58,3 Milliarden Arbeitsstunden geleistet. Diese Zahl hat im Laufe der letzten Jahre zugenommen – 2005 lag sie noch bei 55,5 Milliarden Arbeitsstunden. Im Jahr 1991 allerdings hatte das geleistete Arbeitsvolumen noch bei 60,3 Milliarden Stunden gelegen und ist dann, teilweise bedingt durch Umstrukturierungsprozesse der Wirtschaft in Ostdeutschland, nach und nach zurückgegangen. Ein anderer wesentlicher Faktor für den Rückgang des Arbeitsvolumens sind die je Erwerbstätigen pro Jahr geleisteten Arbeitsstunden. Diese sind in den zurückliegenden 20 Jahren fast kontinuierlich gesunken. Im Jahr 1991 leistete ein Erwerbstätiger rund 1 554 Arbeitsstunden pro Jahr, während es 2014 nur noch 1 366 Stunden waren. Dies entspricht einem Rückgang um 12 %. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung war die zunehmende Zahl der Erwerbstätigen, die in Teilzeit arbeiteten – darunter insbesondere Frauen. Am niedrigsten war die Zahl der Arbeitsstunden je Erwerbstätigen im Jahr 2013 mit 1.362 Stunden.
Abb 1 Erwerbstätige, geleistete Arbeitsstunden insgesamt 
und je Erwerbstätigen 1991 bis 2014 — 1991 = 100Abb 1 Erwerbstätige, geleistete Arbeitsstunden insgesamt und je Erwerbstätigen 1991 bis 2014 - 1991 = 100 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Zahl der Erwerbslosen (siehe Tabelle 1) verzeichnete in den letzten 20 Jahren zwei Phasen deutlicher Anstiege: Zwischen 1991 und 1997 stieg sie von 2,2 Millionen auf 3,8 Millionen und zwischen 2001 und 2005 von 3,1 Millionen auf 4,5 Millionen Personen. Die dazwischen liegende konjunkturelle Aufschwungsphase führte die Erwerbslosigkeit nicht auf ihr ursprüngliches Niveau von Anfang der 1990er-Jahre zurück. Seit 2006 sank die Erwerbslosenzahl jährlich, lediglich unterbrochen durch einen geringfügigen Anstieg im Jahr 2009. Im Jahr 2010 lag die durchschnittliche Erwerbslosenzahl erstmals seit 1992 wieder unter 3 Millionen. Bis 2014 hat sie sich weiter deutlich verringert und lag bei 2,1 Millionen Personen. Damit ist das Niveau von 1991 leicht unterschritten. Die Erwerbslosenquote sank 2014 auf den tiefsten Stand seit der deutschen Vereinigung, im Jahresdurchschnitt lag sie bei 4,7 %. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen wies im Vergleich zur Zahl der Erwerbslosen einen ähnlichen Verlauf auf, allerdings auf einem höheren Niveau.



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