Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Anja Crößmann, 
Frank Schüller


Beteiligung am Erwerbsleben


Längere Ausbildungszeiten und das frühere Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führten seit den 1990er-Jahren zu stetig sinkenden Erwerbsquoten. Dieser Trend hat sich mittlerweile umgekehrt. Im Jahr 2014 lag die Erwerbsquote, das heißt der Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige, Erwerbslose) an der Bevölkerung ab 15 Jahren, in Deutschland bei 60  %. Dies waren 3 Prozentpunkte mehr als 2004 (57 %) und damit war die Erwerbsquote so hoch wie seit 1991 (59 %) nicht mehr. Dieser Anstieg resultierte vorwiegend aus einer gestiegenen Erwerbsquote der Frauen, die seit 2004 um 5 Prozentpunkte angewachsen ist und 2014 bei 54 % lag. Die Erwerbsquote der Männer war im Zeitraum seit 1991 (71 %) teilweise sogar rückläufig, hat jedoch wieder leicht zugelegt und lag 2014 bei 66 %. Auch die höhere Erwerbsbeteiligung älterer Personen hatte einen maßgeblichen Anteil für die insgesamt gestiegene Erwerbsquote.


Betrachtet man nur die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren, lag die Erwerbsbeteiligung 2014 bei 78  %. Der entsprechende Wert lag 2004 noch bei 72 %. Ein differenzierter Blick auf die Erwerbsbeteiligung einzelner Altersgruppen zeigt eine deutliche Zunahme der Erwerbsquote für die 55- bis 64-Jährigen. Sie stieg zwischen 2004 (48 %) und 2014 (69 %) um 21 Prozentpunkte, was vermutlich die deutlich reduzierten Möglichkeiten einer frühen Verrentung widerspiegelt. Die am Arbeitsmarkt aktivste Altersgruppe im Jahr 2014 waren die 40- bis 44-Jährigen mit einer durchschnittlichen Erwerbsquote von 90 %.
Tab 3 Erwerbsquoten nach Altersgruppen — in ProzentTab 3 Erwerbsquoten nach Altersgruppen — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Erwerbsbeteiligung in den neuen Ländern und Berlin lag 2004 mit rund 74 % für die 15- bis 64-Jährigen noch rund 3 Prozentpunkte über derjenigen im früheren Bundesgebiet (rund 72 %). Im Jahr 2014 hatte sich diese geringfügig weiter angeglichen und lag bei 79 % in den neuen Ländern und Berlin sowie bei 77 % im früheren Bundesgebiet. Ursache für die langfristige Angleichung war vor allem die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen. Ihre Erwerbsquote ist im Alter von 15 bis 64 Jahren in dem Zehnjahreszeitraum in Ostdeutschland um 5 Prozentpunkte auf 76 %, in Westdeutschland um 8 Prozentpunkte auf 72 % gestiegen. Die Erwerbsbeteiligung von Männern befand sich in Ost- und Westdeutschland bereits 2004 auf einem ähnlichen Niveau (Ost: 78 %; West: 80 %) und hat sich seitdem kaum verändert (2014 Ost und West: 82 %).

Abb 4 Bevölkerung nach Alter und Beteiligung am Erwerbsleben 2014 — in MillionenAbb 4 Bevölkerung nach Alter und Beteiligung am Erwerbsleben 2014 — in Millionen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Unterscheidet man die Bevölkerung nach ihrer Staatsangehörigkeit, so zeigt sich ein differenziertes Bild der Erwerbsbeteiligung. Die Erwerbsquote der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ab 15 Jahren lag 2014 mit 60 % unter der Erwerbsquote der ausländischen Bevölkerung (62 %). Die stärkere Erwerbsbeteiligung der ausländischen Bevölkerung ist auf Personen aus anderen EU-Mitgliedstaaten zurückzuführen, deren Erwerbsquote bei 70 % lag. Während die Quote bei den Frauen mit 54 % (Deutsche) beziehungsweise 53 % (Ausländerinnen) nahezu gleich war, lag die Erwerbsquote der deutschen Männer (65 %) deutlich niedriger als die der ausländischen Männer mit 72 %.


Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen nach der Staatsangehörigkeit zeigen sich auch bei der Erwerbslosigkeit. Die Erwerbslosenquote von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit war 2014 mit 9,3 % rund doppelt so hoch wie die Quote der deutschen Bevölkerung (4,5 %). Unter den Ausländern aus anderen EU-Mitgliedstaaten war die Erwerbslosigkeit niedriger. Hier lag die Quote mit 6,6 % näher an dem Wert der deutschen Bevölkerung. Sowohl bei der deutschen als auch bei der ausländischen Bevölkerung sind Männer etwas stärker von Erwerbslosigkeit betroffen. Während 4,8 % der deutschen Männer erwerbslos waren, traf dies nur auf 4,2 % der deutschen Frauen zu. In der ausländischen Bevölkerung waren 9,6 % der Männer und 9,0 % der Frauen erwerbslos. 

Abb 5 Erwerbsquote nach Alter und Bildungsstand 2014 — in ProzentAbb 5 Erwerbsquote nach Alter und Bildungsstand 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Neben Geschlecht, Alter und Region spielt der Bildungsstand (siehe Kapitel 2.1.1, Kasten) eine wichtige Rolle bei der Erwerbsbeteiligung. Von den 25- bis 54-Jährigen Personen ohne anerkannten beruflichen Abschluss waren 2014 mehr als zwei Drittel (69 %) auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Personen, die ein mittleres berufliches Bildungsniveau aufwiesen (zum Beispiel eine abgeschlossene Lehrausbildung), hatten eine Erwerbsquote von 90 %. Diejenigen mit einem hohen beruflichen Bildungsniveau (tertiäre Abschlüsse, zum Beispiel Meister-, Fachhochschul- oder Hochschulabschluss), beteiligten sich zu 93 % am Erwerbsleben.
Abb 5 Erwerbsquote nach Alter und Bildungsstand 2014 — in ProzentAbb 5 Erwerbsquote nach Alter und Bildungsstand 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Den durchgehend hohen Erwerbsquoten standen jedoch unterschiedlich hohe Erwerbslosenzahlen gegenüber: Bezogen auf die 25- bis 54-Jährigen waren die Erwerbslosenquoten von Personen ohne anerkannten beruflichen Abschluss 2014 fünfmal höher als die Quoten von Personen mit tertiären Abschlüssen. So waren 11,6 % der Personen ohne berufliche Qualifikation erwerbslos, aber nur 2,3 % derjenigen mit einem Hochschul- oder sonstigen tertiären Abschluss. In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen unterscheiden sich die Erwerbsquoten deutlicher nach Qualifikationsgrad. Sie bewegten sich 2014 zwischen 53 % für diejenigen ohne einen beruflichen Abschluss und 81 % für Hochschulabsolventen. Die niedrige Erwerbsbeteiligung älterer Personen ohne anerkannten beruflichen Abschluss geht einher mit einer höheren Erwerbslosenquote von 8,0 % im Vergleich zu Personen mit Hochschulabschluss, deren Erwerbslosenquote bei nur 3,0 % liegt. 


Der grundlegende Zusammenhang von Bildung und Erwerbsbeteiligung ist für Frauen und Männer dieser Altersgruppe gleich, auch wenn sich die Erwerbsbeteiligung der Frauen auf einem insgesamt niedrigeren Niveau befindet. Je höher die berufliche Qualifikation, desto geringer der Unterschied in der Erwerbsbeteiligung.


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