Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Karl Brenke

Soziale Struktur der Asylsuchenden


Über die soziale Zusammensetzung der Asylbewerber ist wenig bekannt. Die Innenministerien der Mitgliedsstaaten der EU beziehungsweise die ihnen unterstehenden zuständigen Behörden müssen dem Europäischen Statistischen Amt (Eurostat) im Falle von Asylanträgen nur regelmäßig Angaben über das Geschlecht, das Alter und die Nationalität melden. Keinerlei Informationen gibt es hingegen bisher über die schulische und berufliche Ausbildung. Überdies hat sich die Zuwanderung von Asylsuchenden ab der Jahresmitte 2015 enorm verstärkt; ein Abklingen dieses Zuwachses ist bei Abfassung dieses Kapitels – im Oktober 2015 – nicht absehbar. Es ist nicht auszuschließen, dass sich im Zuge anhaltend starker Zuwanderung die Zusammensetzung der Flüchtlinge rasch verändert. Einen Einfluss hierauf nehmen möglicherweise auch politische Interventionen. So könnten von Deutschland, wie derzeit politisch diskutiert, weitere Balkangebiete zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt werden. Die Erfahrungen lehren, dass es im Vorfeld solcher Entscheidungen zu einem Anschwellen der Zuwanderung aus den entsprechenden Ländern kommt; danach ebbt sie ab.


Vor allem Männer suchen Asyl. In der EU stellten zur Jahresmitte 2015 die Personen männlichen Geschlechts drei Viertel aller Flüchtlinge; in Deutschland waren es zwei Drittel. Schon früher machten die Männer den weit überwiegenden Anteil der Asylsuchenden aus, in den letzten Jahren hat er sich noch erhöht. Die am stärksten besetzte Gruppe waren Männer im Alter von 18 bis 34 Jahren; insbesondere unter ihnen kam es in den letzten Jahren zu starken Zuwächsen. Ihre Zahl war in Deutschland etwa dreimal so hoch wie die der Frauen in derselben Altersgruppe. In der EU stellte die Gruppe der jungen Männer einen noch größeren Anteil der Flüchtlinge. Sehr viel kleiner war der Anteil der Personen mittleren Alters. Auch hier dominierten die Männer, wenngleich nicht so stark wie bei den jungen Erwachsenen. Ältere Asylsuchende gab es indes kaum. Größer als in der EU war in Deutschland der Anteil von Kindern unter den Flüchtlingen, kleiner dagegen der Anteil der Heranwachsenden. Es fällt auf, dass hier wie dort mehr Jungen als Mädchen flüchteten. Die Gründe hierfür lassen sich anhand der verfügbaren Daten jedoch nicht klären.
Tab 3 Zugänge an Asylbewerbern nach Geschlecht und Alter 2010 – Mitte 2015 — Anteile in ProzentTab 3 Zugänge an Asylbewerbern nach Geschlecht und Alter 2010 – Mitte 2015 — Anteile in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die Syrer stellten in Deutschland wie in der EU die größte Flüchtlingsgruppe. Sie haben seit 2012 an Relevanz gewonnen. Ebenfalls bedeutend waren die Kosovaren – vor allem in Deutschland. Ihr Anteil an den Asylbewerbern hat besonders stark zugenommen. Dasselbe gilt – aber nur in Bezug auf die Bundesrepublik – für die Albaner. Überhaupt war in Deutschland der Anteil von Personen aus den Balkanstaaten an den Asylsuchenden viel größer als in anderen EU-Ländern, wenngleich er – mit Ausnahme der Albaner – in den letzten Jahren geschrumpft ist. Stärker als in Deutschland fielen indes in der übrigen EU Asylbewerber aus Afghanistan, aus Pakistan, aus Osteuropa sowie aus manchen afrikanischen Staaten wie Nigeria oder Eritrea ins Gewicht.
Tab 4 Struktur der Zugänge an Asylbewerbern nach ihrer Nationalität 2012 – Mitte 2015 — Anteile in ProzentTab 4 Struktur der Zugänge an Asylbewerbern nach ihrer Nationalität 2012 – Mitte 2015 — Anteile in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erfasst überdies die Religionszugehörigkeit der Asylbewerber in Deutschland. Im Jahr 2014 waren knapp zwei Drittel Moslems, die vor allem aus Syrien, Afghanistan, dem Kosovo, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien und Somalia kamen. Ein Viertel hing dem christlichen Glauben an – sie konzentrierten sich auf die Asylsuchenden aus Serbien und Eritrea, einige Christen kamen aber auch aus Syrien, Albanien und dem Irak.



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