Datenreport 2016

Ausgang der Asylverfahren



3.5.2016
Längst nicht alle Asylanträge werden positiv beschieden. In Deutschland führten in den ersten neun Monaten von 2015 knapp 40 % der abgeschlossenen Verfahren zur Gewährung eines Schutzes. Diese Bewilligungs- beziehungsweise Schutzquote ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen; im Jahr 2010 war sie noch um 17 Prozentpunkte niedriger. Knapp ein Viertel der Entscheidungen fiel unter die Sammelkategorie der "formellen Verfahren", zu der vor allem die Rücknahme von Asylanträgen sowie die Weiterleitung von Asylsuchenden an andere EU-Staaten im Rahmen des sogenannten Dubliner Verfahrens zählen. Gut ein Drittel der von Januar bis September 2015 abschließend bearbeiteten Asylanträge wurde abgelehnt.
Tab 5 Entscheidungen über Asylanträge in Deutschland 2010 – Mitte 2015Tab 5 Entscheidungen über Asylanträge in Deutschland 2010 – Mitte 2015 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Von den angenommenen Asylanträgen fällt nur ein sehr kleiner Teil unter die Regelung des Grundgesetzes, nach der politisch Verfolgte Schutz genießen, sofern sie nicht über ein sicheres Drittland gekommen sind. Viel bedeutender ist mittlerweile der breiter gefasste Flüchtlingsschutz nach Paragraf 3, Abs. 1 Asylverfahrensgesetz (Furcht vor Verfolgung wegen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen einer bestimmten politischen Überzeugung). Von allen bewilligten Schutzmaßnahmen zählten von Januar bis September 2015 mehr als 90 % zu dieser Kategorie. Das ist insofern erstaunlich, da es sich bei einem großen Teil der anerkannten Asylbewerber um Kriegsflüchtlinge handeln dürfte. Nur noch geringe Bedeutung haben dagegen subsidiäre Schutzmaßnahmen für Personen, die zwar nicht politisch oder anderweitig verfolgt werden, aber aus anderen Gründen bedroht sind. Die Zahl der Personen, die unter das Abschiebungsverbot (etwa wegen einer Gefahr für Leib und Leben für bestimmte Bevölkerungsgruppen in ihrem Herkunftsland) fallen, ist wenig bedeutend und hat in den letzten Jahren weitgehend stagniert.


Der Anteil der positiv beschiedenen Anträge variiert stark nach der Nationalität der Asylbewerber. Sehr hoch war er in den ersten neun Monaten von 2015 bei Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak. Deutlich über dem Durchschnitt lag auch der Anteil bewilligter Anträge bei Asylsuchenden aus Eritrea; bei ihnen griff – da in ihrer Heimat Krieg herrscht – im Fall einer Ablehnung als Flüchtling mitunter der subsidiäre Schutz. Afghanen und Pakistanis wurden seltener als Flüchtlinge anerkannt; bei den Pakistanis kam es häufiger zu einem "formellen Verfahren", bei den Afghanen vergleichsweise oft zu einem Abschiebeverbot. Von den Asylsuchenden aus den Balkanstaaten dagegen wurde in den vergangenen Jahren fast keinem ein Schutzanspruch zugebilligt. Dies stieß auf politischer Ebene die Debatte darüber an, diese Gebiete zu sicheren Herkunftsländern zu erklären, um den Zugang an Flüchtlingen einzudämmen, die zuständigen Behörden in Deutschland zu entlasten und dadurch die Verfahren für andere Asylsuchende zu beschleunigen.
Abb 4 Entscheidungen über Asylanträge in Deutschland nach der Nationalität der Asylsuchenden 
von Januar bis September 2015 — in ProzentAbb 4 Entscheidungen über Asylanträge in Deutschland nach der Nationalität der Asylsuchenden von Januar bis September 2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)




 

Themenseite

Flucht

Täglich flüchten Menschen nach Europa. Die Aufnahmeländer stellt das vor immense Herausforderungen. Die Themenseite vereinigt Angebote der bpb zu Flucht und Zuwanderung. Weiter... 

Zahlen und Fakten

Top 15

15 ausgewählte Grafiken zeigen wichtige Aspekte aus den "Zahlen und Fakten"-Angeboten. Themen wie "Armut trotz Arbeit", "Entwicklung der öffentlichen Finanzen", "Grenzüberschreitender Warenhandel": mit unterschiedlich detaillierten Grafiken für den Einstieg und das vertiefte Studium, interaktiven Elementen zur besseren Verständlichkeit und den Daten, Texten und Grafiken zum Download. Weiter...