Datenreport 2016

Soziale Mobilität


Die Fragen nach Chancengleichheit für soziale Auf- und Abstiege, die Diskussionen um die Abstiegsängste der Mitte der Gesellschaft und die Forderungen nach Perspektiven für soziale Aufstiege für Menschen in prekären Lagen haben in den letzten Jahren eine größere gesellschaftspolitische Bedeutung erhalten. Hintergrund hierfür ist, dass zentrale Bereiche des Lebens wie Einkommen, Gesundheit, Arbeitslosigkeit oder politische Teilhabe in unserer Gesellschaft nicht ­zufällig verteilt sind. Vielmehr gibt es Gruppen in der Gesellschaft, die sich hinsichtlich solcher Lebensbereiche in eher vorteilhaften beziehungsweise eher benachteiligten Lagen befinden. Zur Beschreibung dieser sozialen Lagen können verschiedene Maße herangezogen werden. Ein international gebräuchliches Maß für die Gliederung von Lebenschancen ist die Klassenlage beziehungsweise Klassen­position einer Person (siehe Kapitel 7.1.2). Die Klassenposition einer Person wirkt sich nicht nur auf die eigene Lebensführung aus. Sie beeinflusst – insbesondere in Deutschland – im hohen Maße die ­Bildungs- und Berufschancen der eigenen Kinder und damit die spätere Klassenposition dieser Kinder. Eltern mit ­einer vorteilhaften Klassenposition gelingt es viel häufiger, ihren Kindern durch gute Bildung und durch zusätz­liche Unterstützung den Zugang zu vorteilhaften Klassenpositionen zu ermög­lichen (siehe Kapitel 3.1.2). ­Eltern in eher nachteiligen Klassen­positionen können ihren Kindern nicht so viele Ressourcen mit auf den Lebensweg geben. Ihre Kinder nehmen später selbst eher benachteiligte Klassenpositionen ein. Dadurch kommt es zwischen den Generationen nur in begrenztem Umfang zu sozialen Auf- oder Abstiegen.


Die Auf- beziehungsweise Abstiege zwischen den Generationen sind Ausdruck der intergenerationalen sozialen Mobilität in einer Gesellschaft: Soziale Mobilität beschreibt somit das Ausmaß, in dem sich Kindergenerationen in einer anderen Klassenposition befinden als ihre Elterngeneration. Das heißt, soziale Mobilität zeigt an, wie gut es Kindern aus weniger vorteilhaften Klassenpositionen gelingt, für sich selbst vorteilhafte Klassen­positionen zu erreichen beziehungsweise inwieweit Kinder mit vorteilhafter Klassenherkunft später in weniger vorteilhafte Klassenpositionen absteigen. Das Ausmaß an sozialen Auf- und Abstiegen wird oft als Maß für die Chancengleichheiten für Kinder aus verschiedenen Klassen interpretiert. Dabei gibt es mehrere Gründe für soziale Auf- und Abstiege. Neben den Bemühungen um gleiche Startchancen für Kinder aus unterschiedlichen Klassen führen insbesondere strukturelle Veränderungen in der Arbeitswelt über die Zeit hinweg zu unterschiedlichen Mobilitätserfahrungen.


Im Folgenden werden vier Aspekte der sozialen Mobilität in Deutschland näher untersucht: Hatten die Eltern bereits die gleiche Klassenposition, die ihre Kinder heute einnehmen? In welchem Umfang werden Klassenpositionen der Eltern an ihre Kinder weitervererbt? Wie hoch ist das Ausmaß der Auf- und Abstiege in Deutschland? Und was bedeuten diese Auf- und Abstiege für die Chancengleichheit in der deutschen Gesellschaft? Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die zeitliche Entwicklung der sozialen Mobilität, auf den Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland und auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen gerichtet. 


Herausgeber dieses Kapitels: WZB / SOEP

Datenreport: Kapitel 
7.2.1

Besetzung von Klassen­positionen nach sozialer Herkunft


Für die nachfolgenden Ergebnisse wurden verschiedene Bevölkerungsumfragen aus den Jahren 1976 bis 2014 zusammengefasst. Die betrachteten Personen waren zum Zeitpunkt der Befragung zwischen 18 und 64 Jahre alt, entweder berufstätig oder arbeitsuchend und hatten aus Vergleichsgründen alle die deutsche Staatsangehörigkeit.

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Datenreport: Kapitel 7.2.2

Vererbung von Klassen­positionen nach sozialer Herkunft


Hier wird die Vererbung einer Klassenposition vom Vater auf den Sohn beziehungsweise die Tochter dargestellt. Die Zahlen geben an, wie groß der Anteil der Personen ist, deren Väter zum Beispiel eine obere Dienstklassenposition innehaben und die selbst wiederum eine Position in der oberen Dienstklasse erreichen.

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Datenreport: Kapitel 7.2.3

Ausmaß von sozialen Auf- und Abstiegen


Um Auf- und Abstiege zu untersuchen, ist es notwendig, die einzelnen Klassenpositionen in einer Rangfolge anzuordnen. Die vorteilhafteste Klassenlage erfahren diejenigen, die eine Position in der oberen Dienstklasse einnehmen.

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Datenreport: Kapitel 7.2.4

Chancengleichheit in der Gesellschaft


Die bisher dargestellten Ergebnisse beziehen sich auf die Mobilitätserfahrungen von Männern und Frauen seit Mitte der 1970er-Jahre in Westdeutschland und seit der Vereinigung in Ostdeutschland. Ein wesentlicher Faktor für die soziale Mobilität in dieser Zeit waren die Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur.

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Datenreport: Kapitel 7.2.5

Zusammenfassung


Die Herkunft aus einer bestimmten sozialen Klassenlage hat trotz der Betonung von Chancengleichheit im Bildungswesen und der Hervorhebung des Leistungs­gedankens in der Berufswelt nach wie vor einen starken Einfluss auf die spätere Klassenposition von Männern und Frauen in Deutschland.

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