Datenreport 2016

Bildungsbeteiligung, schulische und berufliche Qualifikation



3.5.2016
Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden sich deutlich in ihrer Bildungsbeteiligung und hinsichtlich ihrer schulischen und beruflichen Qualifikation. Dies beeinflusst ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt und damit ihre Fähigkeit, Erwerbseinkommen zu erzielen. Ebenso wirken sich die Unterschiede auf die Höhe des Erwerbseinkommens und das Risiko einer Armutsgefährdung aus. Im Folgenden wird untersucht, inwieweit der Grad der Bildungsbeteiligung zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund 
als Folge abweichender Bildungsqualifikationen auftreten oder davon abhängen, ob Migranten ihren Bildungsabschluss im Inland oder im Ausland erworben 
haben.
Abb 7 Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Migrationsstatus und 
höchstem Schulabschluss 2014 — Anteil in ProzentAbb 7 Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Migrationsstatus und höchstem Schulabschluss 2014 — Anteil in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Menschen mit Migrationshintergrund verfügten 2014 generell seltener über mittlere Bildungsabschlüsse. Häufiger als bei Menschen ohne Migrationshintergrund fehlten bei ihnen Schul- oder berufsqualifizierende Abschlüsse (Bildungsstatus siehe Kapitel 2.1, Kasten 2). Allerdings relativieren sich diese Aussagen, wenn man die verschiedenen Migrantengruppen gesondert betrachtet.
Abb 8 Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Migrationsstatus und höchstem berufsqualifizierenden Abschluss 2014 — Anteil in ProzentAbb 8 Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Migrationsstatus und höchstem berufsqualifizierenden Abschluss 2014 — Anteil in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


So waren Ausländerinnen und Ausländer 2014 schlechter qualifiziert als Deutsche mit Migrationshintergrund. Dies galt auch für Migranten der ersten Generation im Vergleich zu denen der zweiten Generation. Außerdem unterschieden sich die Menschen, deren Migrationshintergrund in den Gastarbeiter-Anwerbeländern lag, deutlich von jenen, die ihre Wurzeln in den sonstigen Mitgliedstaaten der EU hatten, oder von Spätaussiedlern und deren Nachkommen. Ein Unterschied zwischen Menschen mit Migrationshintergrund aus Gastarbeiter-Anwerbeländern und solchen aus Drittstaaten existiert auch, er ist aber weniger stark ausgeprägt. Bei Migrantinnen und Migranten nimmt die Qualifikation mit dem Zuzugsjahr zu: Je später die Zuwanderung erfolgte, umso größer ist der Anteil derjenigen mit Abitur und Hochschulabschluss. Unter den nach 2000 Zugewanderten ist dieser Anteil signifikant höher als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund der gleichen Altersgruppe. Dies lässt sich zwar teilweise durch deren im Vergleich um sieben Jahre beziehungsweise um elf Jahre niedrigeres Durchschnittsalter erklären, aber es spiegelt auch wider, dass Deutschland seit dem Jahr 2000 ein attraktives Zielland für hochqualifizierte Zuwanderinnen und Zuwanderer geworden ist.
Tab 4 Qualifikation von Zugewanderten im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Zuzugsjahr im Jahr 2014Tab 4 Qualifikation von Zugewanderten im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Zuzugsjahr im Jahr 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Bei den 25- bis 34-jährigen Menschen mit Migrationshintergrund der zweiten Generation, die in aller Regel ausschließlich das deutsche Bildungssystem durchlaufen haben, ist von 2005 bis 2013 die (Fach-)Abiturientenquote von 33 % auf 40 % angestiegen und der Anteil der (Fach-)Hochschulabsolventinnen und -absolventen von 11 % auf 17 %. Gleichzeitig ist der Anteil jener zurückgegangen, die keinen Schul- oder keinen berufsqualifizierenden Abschluss besitzen (von 4 % auf 3 % beziehungsweise von 26 % auf 23 %). 


Da aber im gleichen Zeitraum die schulische und berufliche Qualifikation der gesamten Bevölkerung im Alter zwischen 25 und 34 Jahren angestiegen ist, konnte sich die sogenannte Bildungsschere nicht schließen. Im Gegenteil: Bei Menschen der zweiten Migrantengene­ration ist der Anteil der hohen Schulabschlüsse um 6 Prozentpunkte gestiegen, in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund um 7 Prozentpunkte und in der gesamten Bevölkerung mit Migrationshintergrund sogar um 10 Prozentpunkte. Auch bei der Hochschulabsolventenquote liegt der Anstieg bei den Migranten der zweiten Generation im Alter zwischen 25 und 34 Jahren (+ 5 Prozentpunkte) unter den entsprechenden Vergleichswerten der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (+ 7 Prozentpunkte) und mit Migrationshintergrund insgesamt (+ 8 Prozentpunkte). 


Die derzeitige Bildungsbeteiligung stimmt jedoch vorsichtig optimistisch: Rund 37 % der 16- bis 19-jährigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund besuchten 2014 eine Schulform, die zu ­einem hohen Schulabschluss (Abitur ­be­ziehungsweise Fachabitur) führt, bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund waren es 40 %. 


Ob die berufliche Qualifikation im Inland oder im Ausland erworben wurde, wirkt sich bei Zugewanderten auf dem Arbeitsmarkt und beim Einkommen unterschiedlich aus. Die Bundesregierung hat daher Anstrengungen unternommen, um die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse zu erleichtern. Im Jahr 2014 gaben 2,7 Millionen oder 55 % der Zugewanderten im Alter von 25 bis 64 Jahren an, ihren beruflichen Abschluss im Ausland erworben zu haben, und zwar umso häufiger, je höher die berufliche Qualifikation war. Bei den älteren Zugewanderten ist der Anteil der im Ausland erworbenen Abschlüsse noch ungleich größer als bei den jüngeren. Sofern weitere Fortschritte bei der Anerkennung ausländischer Berufs­abschlüsse erzielt werden, könnte die Bedeutung der ausländischen Abschlüsse in Zukunft abnehmen.
Tab 5 Qualifikation von Zugewanderten im Alter von 25 bis 64 Jahren im Jahr 2014Tab 5 Qualifikation von Zugewanderten im Alter von 25 bis 64 Jahren im Jahr 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)




 

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