Datenreport 2016

Bildung und Ausbildung



3.5.2016
Ein Blick auf das Qualifikationsniveau der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund zeigt auf, dass erstere hinsichtlich der beruflichen Bildung stark polarisiert ist. Einerseits war 2013 der Anteil ohne beruflichen Abschluss (37 %) bei Personen mit Migrationshintergrund insgesamt und in allen Herkunftsgruppen hoch, andererseits fiel der Unterschied zu Personen ohne Migrationshintergrund bei höheren Abschlüssen sehr gering aus: 20 % der Personen mit Migrationshintergrund haben einen akademischen Abschluss gegenüber 22 % bei Personen ohne Migrationshintergrund. Dies lag unter anderen am hohen Bildungsniveau der Personen aus den osteuropäischen Ländern: 32 % unter ihnen hatten einen akademischen Abschluss.
20 %

Personen mit Migrationshintergrund hatten 2013 einen akademischen Abschluss. Bei Personen ohne Migrationshintergrund waren es 22 %.



Personen aus den ehemaligen sogenannten "Gastarbeiterländern" wiesen hingegen eine ungünstigere Qualifikationsstruktur auf, was auf ihre Migrationsgeschichte zurückzuführen ist; ihre Bildungssituation ist weiterhin stark durch ihre soziale Herkunft aus Arbeiterfamilien geprägt. Geschlechterunterschiede im Bildungsniveau traten bei Personen türkischer Herkunft besonders stark zutage: 72 % der Frauen gegenüber 65 % der Männer hatten keinen beruflichen Abschluss und nur 28 % hatten eine Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss.
Tab 2 Bildungsniveau (berufliche Bildung) 2013 — in ProzentTab 2 Bildungsniveau (berufliche Bildung) 2013 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Betrachtet man nun die Gruppe der Nachfolgegeneration – also derjenigen Migrantennachkommen, die selbst keine Migrationserfahrung haben oder im frühen Alter nach Deutschland eingereist sind, – stellt man fest, dass diese im Durchschnitt weniger häufig das Abitur (38 %) und häufiger einen Hauptschulabschluss (26 %) erlangten als die gleichaltrige Population ohne Migrationshintergrund (44 % und 17 %).
Tab 3 Bildungsniveau der Nachkommen von Migranten im Vergleich zur 
einheimischen Bevölkerung (17- bis 45-Jährige) 2013 — in ProzentTab 3 Bildungsniveau der Nachkommen von Migranten im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung (17- bis 45-Jährige) 2013 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die Geschlechterunterschiede bei den Migrantennachkommen türkischer, südeuropäischer und osteuropäischer Herkunft (inklusive (Spät-)Aussiedlern) wichen von denen anderer Herkunftsgruppen ab: hier wiesen Frauen einen leicht höheren Anteil an Abiturienten gegenüber der jeweiligen Gesamtgruppe auf. Die vergleichsweise hohen Qualifikationen der Kinder von (Spät-)Aussiedlern und osteuropäischen Migranten spiegelten sich in dem entsprechenden Anteil an Abiturienten bei ihren Nachkommen wieder (53 %).


Der Vergleich der Bildungslage der Migrantennachkommen mit derjenigen der gleichaltrigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund ist jedoch verzerrt, solange nicht die soziale Herkunft kontrolliert wird, da Eltern, die migriert sind, im Durchschnitt niedrigere Bildungsabschlüsse besitzen. Betrachtet man deshalb nur diejenigen Personen, deren Väter maximal einen Hauptschulabschluss besaßen, wird deutlich, dass die Unterschiede zwischen den Herkunftsgruppen geringer ausfallen, insbesondere wenn es sich um den Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen handelt. Jedoch verringern sich die Unterschiede nur leicht, wenn es um die niedrigeren Bildungszweige geht. 


Der Anteil der jungen Menschen mit Migrationshintergrund ohne berufliche Qualifikation war 2013 mehr als doppelt so hoch wie unter denjenigen, die keinen Migrationshintergrund hatten (37 % gegenüber 17 %). Hier spielen neben dem sozioökonomischen Hintergrund weitere Faktoren wie die institutionelle Diskriminierung, soziale und ethnische Segregation oder auch familiäre Verhältnisse eine Rolle.