Datenreport 2016

Förderungssysteme



3.5.2016

Wohngeld




Das Wohngeld ist ein je zur Hälfte vom Bund und von den Ländern getragener Zuschuss zu den Wohnkosten. Gemäß den Vorschriften des Wohngeldgesetzes wird es einkommensschwächeren Haushalten gewährt, damit diese die Wohnkosten für angemessenen und familiengerechten Wohnraum tragen können. Wohngeld wird entweder als Mietzuschuss für Mietobjekte oder als Lastenzuschuss für Haus- und Wohnungseigentum geleistet. Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach der Anzahl der Haushaltsmitglieder, deren monatlichem Gesamteinkommen sowie der zu berücksichtigenden Miete beziehungsweise Belastung. Ausführliche Informationen zum Thema Wohnen und Miete enthält Kapitel 9.

Änderungen beim Wohngeld


Durch verschiedene Gesetzesänderungen ergaben sich für das Wohngeldrecht zum 1. Januar 2009 erhebliche Veränderungen. Zunächst wurden vor dem Hintergrund gestiegener Energiepreise über einen nach der Haushaltsgröße gestaffelten festen Betrag erstmals Heizkosten bei der Ermittlung des Wohngeldes berücksichtigt. Außerdem wurde für Haushalte, die für einen der Monate Oktober 2008 bis März 2009 Wohngeld erhielten, ein nach der Personenzahl gestaffelter einmaliger zusätzlicher Wohngeldbetrag geleistet, der dem durchschnittlichen finanziellen Vorteil der Wohngeldnovelle für die Monate Oktober bis Dezember 2008 entsprach. Des Weiteren wurden die Höchstbeträge für Miete und Belastung über die Abschaffung der Baualtersklassen auf Neubauniveau vereinheitlicht und zusätzlich um 10 % erhöht. Neben den genannten Änderungen wurden auch die Tabellenwerte um 8 % angehoben. Infolgedessen hat sich die Anzahl der in der Wohngeldstatistik erfassten Haushalte deutlich erhöht.


Die Berücksichtigung der Heizkosten wurde ab 1. Januar 2011 dann durch das Haushaltsbegleitgesetz wieder aufgehoben. Danach sanken erneut sowohl die Anzahl der Haushalte mit Wohngeldbezug als auch die Wohngeldausgaben.


Zum Jahresende 2014 bezogen 565.000 Haushalte in Deutschland Wohngeld. Das waren 1,4 % aller Privathaushalte. Von den Wohngeldhaushalten waren rund 511.000 Haushalte (90 %) sogenannte reine Wohngeldhaushalte und 54.000 Haushalte (10 %) wohngeldrechtliche Teilhaushalte. In reinen Wohngeldhaushalten leben ausschließlich wohngeldberechtigte Haushaltsmitglieder. Dagegen wohnen in Mischhaushalten wohngeldberechtigte und nicht wohngeldberechtigte Personen zusammen. Zum wohngeldrechtlichen Teilhaushalt zählen die wohngeldberechtigten Mitglieder eines Mischhaushalts. 


Im Jahr 2014 gab der Staat für Wohngeldleistungen rund 845 Millionen Euro aus. Gegenüber dem Jahr 2013 ging die Zahl der Wohngeldhaushalte insgesamt um 15 % zurück. Bei den wohngeldrechtlichen Teilhaushalten war der Rückgang mit 23 % deutlich stärker als bei den reinen Wohngeldhaushalten mit 14 %. Die Wohngeldausgaben sanken im gleichen Zeitraum insgesamt um rund 14 %. 


Das Wohngeld kommt in erster Linie Mietern zugute: Mehr als neun von zehn Wohngeldhaushalten (92 %) erhielten Ende 2014 ihr Wohngeld als Mietzuschuss. Der Rest (rund 8 %) erhielt es als Lastenzuschuss.


Die folgenden Ergebnisse beziehen sich, sofern nicht anders erwähnt, ausschließlich auf reine Wohngeldhaushalte, die am Jahresende 2014 den überwiegenden Teil der Wohngeldhaushalte (90 %) ausmachten.


Ende 2014 waren knapp die Hälfte (46 %) der Empfängerinnen und Empfänger von Wohngeld Rentner oder Pensionäre, etwa ein Drittel (38 %) ging einer beruflichen Tätigkeit nach. Rund ein Zehntel (11 %) der Wohngeldempfänger studierte noch oder war aus sonstigen Gründen nicht erwerbstätig. Rund 6 % waren arbeitslos.

Abb 11 Reine Wohngeldhaushalte nach 
sozialer Stellung des Antragstellers 2014 — in ProzentAbb 11 Reine Wohngeldhaushalte nach sozialer Stellung des Antragstellers 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Mehr als die Hälfte (55 %) der reinen Wohngeldhaushalte waren am Jahresende 2014 Einpersonenhaushalte, in rund einem Viertel (26 %) der Haushalte lebten mindestens vier Personen. Rund 12 % der Wohngeldhaushalte waren Zweipersonenhaushalte und 8 % Dreipersonenhaushalte.
Abb 12 Reine Wohngeldhaushalte nach Art des Wohngeldes 
und Haushaltsgröße 2014 — in ProzentAbb 12 Reine Wohngeldhaushalte nach Art des Wohngeldes und Haushaltsgröße 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Als Mietzuschuss wird das Wohngeld überwiegend an kleinere Haushalte gezahlt, als Lastenzuschuss dagegen eher an größere Haushalte. So wurde der Mietzuschuss am Jahresende 2014 zu 69 % an Ein- und Zweipersonenhaushalte gezahlt, wobei bereits mehr als die Hälfte der Empfängerinnen und Empfänger von Mietzuschuss (57 %) allein lebte. In den Haushalten mit Lastenzuschuss wohnten dagegen überwiegend (57 %) vier und mehr Personen. 


Am 31. Dezember 2014 hatte ein reiner Wohngeldhaushalt einen durchschnittlichen monatlichen Anspruch auf Wohngeld in Höhe von 114 Euro. Die Haushalte mit Lastenzuschuss hatten in der Regel höhere Wohnkosten zu tragen. An sie wurden mit durchschnittlich 151 Euro deutlich höhere Beträge gezahlt als an die Haushalte mit Mietzuschuss in Höhe von 111 Euro. Grundsätzlich ist der Wohngeldanspruch umso höher, je größer der Haushalt ist und je geringer das der Berechnung zugrunde liegende Gesamteinkommen.
Tab 3 Reine Wohngeldhaushalte nach Haushaltsgröße und Höhe des monatlichen Wohngeldes 2014Tab 3 Reine Wohngeldhaushalte nach Haushaltsgröße und Höhe des monatlichen Wohngeldes 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Das Wohngeld stellt immer nur einen Zuschuss zur Miete oder Belastung dar. Ein Teil der Wohnkosten muss in jedem Fall von der Antragstellerin beziehungsweise dem Antragsteller getragen werden. Durch den Bezug von Wohngeld sanken die durchschnittlichen tatsächlichen Wohnkosten je Wohngeldempfängerhaushalt von 420 Euro auf 306 Euro. 


Die Höhe der Miete beziehungsweise der Belastung sind zentrale Größen bei der Festlegung des Wohngeldes. Zur zuschussfähigen Miete gehören auch bestimmte Umlagen, Zuschläge und Vergütungen, zum Beispiel die Kosten des Wasserverbrauchs, der Abwasser- und Müllbeseitigung, der Treppenhausbeleuchtung und Ähnliches. Außer Betracht bleiben dagegen die Heizungs- und Warmwasserkosten, daher wird auch von "Bruttokaltmiete" gesprochen. Bei den Eigentümerhaushalten zählen zur Belastung der Kapitaldienst (Zinsen, Tilgung) sowie die Aufwendungen für die Bewirtschaftung des Wohnraums, zu denen Instandhaltungs-, Betriebs- und Verwaltungskosten zu rechnen sind. 


Die monatliche Bruttokaltmiete reiner Wohngeldhaushalte mit Mietzuschuss betrug Ende 2014 durchschnittlich 6,85 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, die monatliche Belastung der entsprechenden Haushalte mit Lastenzuschuss lag mit durchschnittlich 4,69 Euro je Quadratmeter Wohnfläche niedriger.


Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Einerseits sind die durchschnittlichen Mieten je Quadratmeter in kleinen Wohnungen höher als in größeren. Zusätzlich überwiegen unter den Haushalten mit Mietzuschuss Einpersonenhaushalte, die in der Regel über eine kleine Wohnfläche verfügen. Andererseits leben in Wohngeldhaushalten mit Lastenzuschuss zumeist vier und mehr Haushaltsmitglieder in größeren Wohnungen mit mindestens 120 Quadratmetern zusammen. Zusätzlich ist die Belastung bei Wohngeldhaushalten mit Lastenzuschuss besonders niedrig, wenn für Wohnraum keine Belastung aus dem Kapitaldienst mehr besteht, sondern nur noch die Belastung aus der Bewirtschaftung (Instandhaltungs- und Betriebskosten).


Bei der Wohngeldförderung existiert in Deutschland ein Ost-West- und ein Nord-Süd-Gefälle. Zum Jahresende 2014 waren im früheren Bundesgebiet ohne Berlin 1,2 % aller privaten Haushalte reine Wohngeldhaushalte oder wohngeldrechtliche Teilhaushalte. In den neuen Ländern mit Berlin war dieser Anteil mit 2,0 % deutlich höher. In den alten Bundesländern war der Anteil der Wohngeldhaushalte an den Privathaushalten in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 1,5 % am höchsten, gefolgt von Bremen mit 1,4 %. Am seltensten erhielten die Haushalte in Bayern und im Saarland (jeweils 0,8 %) sowie in Hessen (1,1 %) Wohngeld. In den neuen Ländern hatte Mecklenburg-Vorpommern (3,1 %) den höchsten und Brandenburg sowie Sachsen-Anhalt (je 2,0 %) den niedrigsten Anteil an Wohngeldhaushalten.
Abb 13 Wohngeldausgaben und Wohngeldhaushalte nach Ländern 2014Abb 13 Wohngeldausgaben und Wohngeldhaushalte nach Ländern 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Im früheren Bundesgebiet ohne Berlin lag dabei der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch von reinen Wohngeldhaushalten bei 122 Euro, in den neuen Ländern und Berlin bei 95 Euro sowie bundesweit bei 114 Euro. Die durchschnittliche monatliche Miete beziehungsweise Belastung von reinen Wohngeldhaushalten belief sich auf 6,51 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. In den alten Bundesländern ohne Berlin lagen die durchschnittlichen Wohnkosten bei 6,69 Euro je Quadratmeter, in den neuen Bundesländern mit Berlin bei 6,04 Euro je Quadratmeter.


Elterngeld




Das seit 1. Januar 2007 eingeführte Elterngeld soll es Müttern und Vätern erleichtern, vorübergehend ganz oder teilweise auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten, um mehr Zeit für die Kinderbetreuung zu haben. 


Anspruch auf Elterngeld haben Mütter und Väter, die

  • ihre Kinder nach der Geburt selbst betreuen und erziehen,
  • nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sind,
  • mit ihren Kindern in einem Haushalt leben und
  • einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben.
Ehe- oder Lebenspartner, die das Kind nach der Geburt betreuen – auch wenn es nicht ihr eigenes ist –, können unter denselben Voraussetzungen Elterngeld erhalten.

Elterngeld


Elterngeldbezüge für bis Ende 2012 geborene Kinder wurden in der ab 2008 durchgeführten Statistik über die beendeten Leistungsbezüge erfasst. In dieser inzwischen eingestellten Statistik erfolgte erst nach Abschluss eines Leistungsbezuges eine Meldung zur Statistik. Über Elterngeldbezüge für ab Januar 2013 geborene Kinder gibt nun die neue Bestandsstatistik Auskunft, die die Statistik über die beendeten Leistungsbezüge abgelöst hat. Auch mit der neuen Bestandsstatistik lassen sich Aussagen über die endgültige Inanspruchnahme von Elterngeld für Kinder eines bestimmten Geburtszeitraums errechnen. Hierzu werden alle Leistungsbezüge zusammengenommen und ausgewertet, die sich auf den betreffenden Geburtszeitraum beziehen. Gültige Rechtsgrundlage ist das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz für die bis zum 30. Juni 2015 geborenen Kinder. Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen des Elterngeld Plus für ab 1. Juli 2015 geborene Kinder werden hier nicht thematisiert.


Das Elterngeld beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro monatlich. In der Höhe orientiert es sich am durchschnittlich verfügbaren Erwerbseinkommen, das der betreuende Elternteil im Jahr vor der Geburt erzielt hat. Bei einem Voreinkommen zwischen 1.000 und 1.200 Euro ersetzt das Elterngeld das nach der Geburt wegfallende Einkommen zu 67 %. Für Nettoeinkommen ab 1.200 Euro und mehr vor der Geburt des Kindes sinkt die Ersatzrate des Elterngeldes von 67 % auf 65 % (bei Voreinkommen von 1.240 Euro und mehr auf 65 %, bei Voreinkommen von 1.220 Euro auf 66 %). Für Geringverdiener mit einem Einkommen unter 1.000 Euro steigt die Ersatzrate schrittweise auf bis zu 100 %: je geringer das Einkommen, desto höher die Ersatzrate.


Auch wenn vor der Geburt des Kindes kein Einkommen erzielt wurde, wird der Mindestbetrag von 300 Euro gezahlt. Je nach Familiensituation erhöht sich der Elterngeldanspruch um einen Geschwisterbonus und/oder einen Mehrlingszuschlag. Einem Elternteil wird das Elterngeld für bis zu 12 Monate gewährt; bei Alleinerziehenden bis zu 14 Monate. Nehmen beide Partner Elterngeld in Anspruch, so wird die Bezugsdauer auf 14 Monate verlängert. Eine Verdopplung der Bezugsdauer ist bei Halbierung des Elterngeldsatzes möglich. 


Die Statistik zum Bundeselterngeld wird vierteljährlich erhoben. Sie bezieht sich als Bestandsstatistik auf die Betrachtung der Leistungsbezüge des Berichtsquartals. Aber auch Auswertungen von beendeten Elterngeldbezügen für Kinder eines bestimmten Geburtszeitraums – wie in diesem Beitrag – sind möglich. Alle Elterngeldbezüge für im Jahr 2013 geborene Kinder wurden zwischenzeitlich abgeschlossen, sodass nun rückblickend eine Auswertung zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Elterngeld für diese Kinder erfolgen kann. Insgesamt wurden im Jahr 2013 rund 682.100 Kinder geboren. Für diese Kinder bezogen knapp 874.600 Mütter und Väter Elterngeld. Für 218.200 Kinder wurde jeweils vom Vater Elterngeld beantragt. Dies entspricht einer Beteiligung der Väter von 32 % gegenüber 29 % für im Jahr 2012 geborene Kinder. Am häufigsten bezogen Väter in Sachsen (41 %) und in Bayern (40 %) Elterngeld, gefolgt von Thüringen (37 %), Baden-Württemberg und Berlin (jeweils 36 %). Am niedrigsten lag die Väterbeteiligung im Saarland (20 %).

Tab 4 Im Jahr 2013 geborene Kinder — nach Anzahl und Anteil der Kinder, 
deren Vater Elterngeld bezogen hatTab 4 Im Jahr 2013 geborene Kinder — nach Anzahl und Anteil der Kinder, deren Vater Elterngeld bezogen hat Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die Mehrheit der Väter (78 %) bezog das Elterngeld für zwei Monate. Einen zwölfmonatigen Elterngeldbezug nahmen lediglich 5 % der Väter in Anspruch. Mütter bezogen bundesweit zu 90 % Elterngeld für zwölf Monate und länger, Elterngeld für nur zwei Monate erhielten unter 1 % der Mütter. 


Etwa jede vierte Mutter (24 %) bezog den Mindestbetrag für Elterngeld in Höhe von monatlich genau 300 Euro. Bei den Vätern waren es 10 %. Ein monatliches Elterngeld von mehr als 300 bis unter 1.000 Euro erhielt gut die Hälfte der Mütter (52 %) und 28 % der Väter. Einen Anspruch von mehr als 1.000 Euro hatten 24 % der Mütter und 62 % der Väter. Die unterschiedlich hohen Elterngeldansprüche von Müttern und Vätern liegen unter anderem darin begründet, dass Väter häufiger vor der Geburt ihres Kindes erwerbstätig waren als Mütter und in der Regel ein höheres anrechenbares Einkommen erzielten.
Abb 14 Höhe des Elterngeldanspruchs im ersten Bezugsmonat 
für im Jahr 2013 geborene Kinder — in ProzentAbb 14 Höhe des Elterngeldanspruchs im ersten Bezugsmonat für im Jahr 2013 geborene Kinder — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Der größte Teil (91 %) der Väter und gut zwei Drittel (68 %) der Mütter, die für ihr im Jahr 2013 geborenes Kind Elterngeld bezogen, waren vor der Geburt erwerbstätig (Elterngeldbeziehende insgesamt 74 %). Der durchschnittliche monatliche Elterngeldanspruch von vor der Geburt erwerbstätigen Vätern lag bundesweit mit 1.244 Euro deutlich höher als der vergleichbare Anspruch von Müttern mit durchschnittlich 897 Euro. Leistungsbeziehende, die vor der Geburt des Kindes nicht erwerbstätig waren, erhielten – bedingt durch die Verbindung mit Geschwisterbonus und/oder Mehrlingszuschlag – im Durchschnitt 330 Euro Elterngeld (Mütter: 329 Euro, Väter: 335 Euro). 


Kinder- und Jugendhilfe




Das Spektrum der erzieherischen Hilfen im Sinne des Kinder- und Jugendhilfegesetzes nach dem SGB VIII ist weit gefächert. Es umfasst einerseits familienunterstützende Hilfen, die einen Verbleib der jungen Menschen in der Familie ermöglichen ("ambulante Hilfen"), und andererseits familienersetzende Hilfen, die außerhalb des Elternhauses erbracht werden (überwiegend "stationäre Hilfen"). Zu den ambulanten Hilfen zählen Erziehungsberatung, Unterstützung durch einen Erziehungsbeistand oder Betreuungshelfer, soziale Gruppenarbeit und sozialpädagogische Familienhilfe. Zu den Hilfen, die außerhalb des Elternhauses erfolgen, zählen Erziehung in einer Tagesgruppe, Vollzeitpflege in einer anderen Familie und Heimerziehung oder Unterbringung in einer sonstigen betreuten Wohnform. Intensiver sozialpädagogischer Einzelbetreuung wird ein eigenständiges Profil zwischen ambulanter und stationärer Hilfe zugewiesen.


Wenn eine "dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist", räumt das Kinder- und Jugendhilfegesetz den Sorgeberechtigten einen Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung ein. In Krisensituationen – zum Beispiel bei Erziehungsschwierigkeiten, Trennung oder Scheidung der Eltern, Gewalt unter Jugendlichen, Drogenkonsum – bietet die Kinder- und Jugendhilfe eine ganze Reihe von spezifischen Unterstützungen an, und zwar für Eltern, Mädchen und Jungen und für junge Erwachsene.


Die Leistungen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes richten sich an "junge Menschen"; gemeint sind hier Personen, die noch nicht 27 Jahre alt sind. Im Jahr 2014 umfasste die Zielgruppe der Kinder- und Jugendhilfe in der entsprechenden Altersgruppe 21,4 Millionen Personen, das sind 26 % der Bevölkerung. Es wurden insgesamt knapp 914.000 erzieherische Hilfen für junge Menschen und Familien in Deutschland nach dem SGB VIII durchgeführt (beendete und am Jahresende bestehende Hilfen).


Kinder- und Jugendhilfe unterstützt junge Menschen zum größten Teil innerhalb ihrer Familie. So wurden im Jahr 2014 drei Viertel der erzieherischen Hilfen innerhalb der Familie geleistet, und zwar als Erziehungsberatung (50 %), als Betreuung einzelner junger Menschen (6 %), als soziale Gruppenarbeit (2 %), als flexible (ambulante/teilstationäre) Einzelhilfe (2 %) oder als sozialpädagogische Familienhilfe (12 %) beziehungsweise als flexible Familienhilfe (3 %). 


Etwa jede fünfte erzieherische Hilfe (22 %) fand außerhalb der Herkunftsfamilie statt: in Form von Heimerziehung beziehungsweise sonstiger betreuter Wohnform (12 %), Vollzeitpflege (9 %), intensiver sozialpädagogischer Einzelbetreuung (1 %) oder flexibler stationärer Einzelhilfe (0,5 %). Schließlich wurden noch 3 % der Hilfen teilstationär, und zwar in einer Tagesgruppe, geleistet. Hier wird die Fremdunterbringung dadurch vermieden, dass die Kinder und Jugendlichen in ihren Familien bleiben, aber wochentags zeitweise außerhalb des Elternhauses betreut werden.
Tab 5 Erzieherische Hilfen nach Hilfearten 2014Tab 5 Erzieherische Hilfen nach Hilfearten 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Unter den ambulanten Hilfen wird die Erziehungsberatung am häufigsten in Anspruch genommen. Sie ist auch die zahlenmäßig bedeutendste Hilfeart im Gesamtspektrum der erzieherischen Hilfen. Im Jahr 2014 beendeten 311.000 junge Menschen eine Erziehungsberatung. Gegenüber 1991, dem Jahr des Inkrafttretens des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, ist die Nachfrage nach dieser Hilfe nahezu kontinuierlich gestiegen und hat sich bis 2014 mehr als verdoppelt. Die Beratungsquote nahm von 59 auf 146 je 10.000 junger Menschen unter 27 Jahren zu.


Hilfe für einzelne junge Menschen in Problem- und Konfliktsituationen wird durch Erziehungsbeistände beziehungsweise Betreuungshelfer oder in sozialer Gruppenarbeit geleistet. Im Jahr 2014 haben 72.300 junge Menschen eine der vorgenannten individuellen Betreuungsleistungen erhalten (beendete und über den Jahreswechsel andauernde Hilfen). Dies bedeutet gegenüber 1991 eine Steigerung um 257 %.


Eine Sonderstellung unter den ambulanten Hilfearten nehmen die sozialpädagogische und die flexible Familienhilfe ein. Hier ist die ganze Familie der Adressat der Hilfe, wobei eine Unterstützung im Familienalltag angeboten wird. Zu diesem Zweck kommt eine Fachkraft in die Familie und bietet kontinuierliche Unterstützung bei der Erziehung, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen und bei Schwierigkeiten mit Außenstehenden an. Damit soll unter anderem die Unterbringung minderjähriger Kinder außerhalb der Familien vermieden werden. Im Jahr 2014 wurden rund 143.000 Familien durch eine sozialpädagogische oder flexible Familienhilfe unterstützt (beendete und am Jahresende bestehende Hilfen). Im Jahr 1991 hatten nur 13.000 Familien eine familienorientierte Hilfe in Anspruch genommen.


Auch die Hilfen außerhalb des Elternhauses sind gestiegen: Während Ende 1991 insgesamt 125.000 bestehende Hilfen außerhalb des Elternhauses registriert wurden, lag die Zahl am Jahresende 2014 bei 162.000. Dies bedeutet einen Anstieg um rund 30 %. Die einzelnen Hilfearten nahmen während dieses Zeitraums eine deutlich unterschiedliche Entwicklung. Während sich die Zahl der Hilfen in einer Tagesgruppe von knapp 8.000 auf knapp 17.000 mehr als verdoppelt hat, erhöhte sich die Zahl der jungen Menschen in Vollzeitpflege um 46 % von 48.000 auf 70.000. Die Zahl der im Heim oder einer sonstigen betreuten Wohnform untergebrachten jungen Menschen erhöhte sich leicht um 6 % auf etwas über 72.000. Die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung verzeichnete den größten Zuwachs (+ 314 %) auf 3.600 Hilfen, allerdings bezogen auf eine geringe Ausgangszahl von knapp 900 Hilfen am Jahresende 1991.


Unbegleitete Einreisen Minderjähriger 


Im Jahr 2014 hat die Zahl der Minderjährigen, die aufgrund einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland in Obhut genommen wurden, stark zugenommen. So kamen 2014 rund 11.600 Kinder und Jugendliche ohne Begleitung einer sorgeberechtigten Person über die Grenze nach Deutschland, das waren 5.000 Minderjährige oder 77 % mehr als im Jahr 2013. Rund 10.500 dieser jungen Menschen (90 %) waren männlich, dagegen reisten nur etwa 1.100 Mädchen unbegleitet nach Deutschland ein. Von den 11.600 eingereisten unbegleiteten Minderjährigen haben im Jahr 2014 laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 4.400 (38 %) einen Asylantrag gestellt.


Differenziert nach Ländern ergeben sich deutliche Unterschiede in der Häufigkeit der verschiedenen gewährten Hilfen. Beobachtet man die Inanspruchnahme von Erziehungsberatungen auf Länderebene, werden klare Unterschiede deutlich. Schleswig-Holstein erreichte 2014 mit 21,1 begonnenen Beratungen je 1.000 junger Menschen unter 27 Jahren den höchsten relativen Wert, dagegen lagen Mecklenburg-Vorpommern mit einer Quote von 8,0 und Hamburg mit einer Quote von 7,1 neu gewährten Beratungen weit dahinter.

Abb 15 Begonnene Erziehungsberatungen, ambulante Hilfen und Hilfen außerhalb des Elternhauses 2014 — 
je 1 000 junger Menschen unter 27 JahrenAbb 15 Begonnene Erziehungsberatungen, ambulante Hilfen und Hilfen außerhalb des Elternhauses 2014 — je 1 000 junger Menschen unter 27 Jahren Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die meisten ambulanten Hilfen (ohne Erziehungsberatung) haben in Hamburg begonnen: Mit 16,1 Hilfen je 1.000 junger Menschen unter 27 Jahren war die Quote hier fast viermal so hoch wie in Bayern, wo mit 4,2 begonnenen Hilfen je 1.000 junger Menschen unter 27 Jahren die wenigsten ambulanten Hilfen gewährt wurden. 


Bei den neu gewährten Hilfen außerhalb des Elternhauses hat Bremen mit einer Quote von 7,7 Hilfen je 1.000 junger Menschen unter 27 Jahren den höchsten und Bayern mit 2,0 Hilfen den geringsten relativen Wert. In allen Bundesländern lag die Quote außerhalb des Elternhauses in Anspruch genommener Hilfen niedriger als die Quote der ambulanten Hilfen (ohne Erziehungsberatung). 


Die unterschiedlichen Häufigkeiten einzelner Hilfearten in den Ländern hängen unter anderem davon ab, dass belastende Lebenssituationen für Kinder und Eltern regional nicht gleich verteilt sind. Arbeitslosigkeit, Arbeitslosengeld II und Sozialhilfebezug, insbesondere von Minderjährigen (Abschnitt 10.4.2), sind in einigen Ländern – vor allem in den Stadtstaaten – häufiger anzutreffen. Auch Trennung und Scheidung und die daraus resultierende – oft problematische – Situation Alleinerziehender sind nicht in allen Ländern gleich verteilt. Dabei gilt, dass keiner dieser Umstände zwangsläufig einen Bedarf an erzieherischer Hilfe verursacht. Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Alleinerziehende erziehen ihre Kinder auch ohne vom Jugendamt vermittelte professionelle pädagogische Unterstützung. Sozioökonomische Belastungen sind zwar häufige Gründe innerhalb der vielfältigen Faktoren, die zur Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen führen, aber sie sind nicht zwingend und nicht ausschließlich. Hinzu kommt die individuelle Wahrnehmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Jugendämtern, die bei der Gewährung von erzieherischer Hilfe eine Rolle spielt und die bei durchaus ähnlich gelagerten Problemsituationen zu unterschiedlichen Hilfeentscheidungen führen kann.


Die Statistik der Ausgaben und Einnahmen der öffentlichen Jugendhilfe weist Ausgaben nach, die aus öffentlichen Mitteln für Zwecke der Jugendhilfe nach dem SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe – geleistet werden, sowie die entsprechenden Einnahmen. Diese werden getrennt für Einzel- und Gruppenhilfen und andere Aufgaben nach dem SGB VIII und für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe erfasst (unter anderem Kindertageseinrichtungen). Die Ausgaben für Einzel- und Gruppenhilfen werden gegliedert nach Hilfeart und Art der Ausgabe erhoben.


Für den gesamten Bereich der Kinder- und Jugendhilfe wendeten die öffentlichen Träger im Jahr 2014 brutto 37,8 Milliarden Euro auf. Rund 65 % dieser Ausgaben fielen in den Bereich der Kindertagesbetreuung (24,6 Milliarden Euro). Leistungen der Hilfe zur Erziehung kosteten die Träger der Kinder- und Jugendhilfe insgesamt 9,3 Milliarden Euro. Davon entfielen 5,0 Milliarden Euro (54 %) auf die Unterbringung junger Menschen außerhalb des Elternhauses in Vollzeitpflege und Heimerziehung oder sonstiger betreuter Wohnform.


Adoptionen




Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 3.805 Minderjährige adoptiert, davon waren 2.314 (61 %) mit den Adoptiveltern oder einem Adoptivelternteil verwandt. Mehr als ein Drittel (38 %) der im Jahr 2014 adoptierten Kinder war unter drei Jahre alt. Hier zeigten sich Unterschiede beim Verwandtschaftsverhältnis der Kinder zu den Adoptiveltern: Bei Adoptionen von nicht verwandten Kindern lag der Anteil der unter Dreijährigen bei 66 %. Dagegen betrug der Anteil unter dreijähriger Kinder bei einer Adoption durch Verwandte oder Stiefeltern lediglich 20 %. Von den adoptierten Minderjährigen hatten 622 (16 %) nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Davon wurden 299 im Zusammenhang mit der Adoption ins Inland geholt.
Tab 6 Adoptierte Kinder und Jugendliche nach persönlichen Merkmalen, 
Verwandtschaftsverhältnis zu den Adoptiveltern und deren Staatsangehörigkeit 2014Tab 6 Adoptierte Kinder und Jugendliche nach persönlichen Merkmalen, Verwandtschaftsverhältnis zu den Adoptiveltern und deren Staatsangehörigkeit 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Gefährdungseinschätzungen




Die Jugendämter in Deutschland führten im Jahr 2014 insgesamt 124.200 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls nach § 8a Absatz 1 SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) durch. Eine Gefährdungseinschätzung wird vorgenommen, wenn dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines / einer Minderjährigen bekannt werden und es sich daraufhin zur Bewertung der Gefährdungslage einen unmittelbaren Eindruck von dem Kind beziehungsweise Jugendlichen sowie seiner Lebenssituation macht.


Von allen Verfahren bewerteten die Jugendämter 18.600 eindeutig als Kindeswohlgefährdungen (akute Kindeswohlgefährdung); dies entspricht 15 %. Bei 22.400 Verfahren (18 %) konnte eine Gefährdung des Kindes nicht ausgeschlossen werden (latente Kindeswohlgefährdung). In 83.200 Fällen (67 %) kamen die Fachkräfte zu dem Ergebnis, dass keine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Dabei wurde jedoch in jedem zweiten Verfahren (50 %) ein Hilfe- oder Unterstützungsbedarf durch das Jugendamt festgestellt.
Abb 16 Gefährdungseinschätzung nach § 8a Absatz 1 SGB VIII 
im Jahr 2014 — in ProzentAbb 16 Gefährdungseinschätzung nach § 8a Absatz 1 SGB VIII im Jahr 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Knapp zwei von drei Kindern (64 %), bei denen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung vorlag, wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf. In 27 % der Fälle wurden Anzeichen für psychische Misshandlung festgestellt. Etwas weniger häufig, nämlich mit einem Anteil von 24 %, wiesen die Kinder Anzeichen für körperliche Misshandlung auf. Anzeichen für sexuelle Gewalt wurden in 5 % der Verfahren festgestellt. Mehrfachnennungen waren möglich.



 

Dossier

Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitik ist in der Bundesrepublik Deutschland eines der wichtigsten Politikfelder überhaupt. Sie ist einerseits "wahlentscheidend" und greift andererseits tief in die individuellen Belange der Bürger ein. Das Dossier stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik, die Ziele und die Akteure, die gesetzlichen Grundlagen und die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor. Weiter... 

Zahlen und Fakten

Top 15

15 ausgewählte Grafiken zeigen wichtige Aspekte aus den "Zahlen und Fakten"-Angeboten. Themen wie "Armut trotz Arbeit", "Entwicklung der öffentlichen Finanzen", "Grenzüberschreitender Warenhandel": mit unterschiedlich detaillierten Grafiken für den Einstieg und das vertiefte Studium, interaktiven Elementen zur besseren Verständlichkeit und den Daten, Texten und Grafiken zum Download. Weiter...