Datenreport 2016

Zur Entwicklung und Verteilung der Altersrenten in Ost- und Westdeutschland


Im Oktober 1990 erfolgte mit dem Beitritt der DDR zur BRD eine Transformation der Rechtsordnung, indem das Grundgesetz im sogenannten Beitrittsgebiet in Kraft trat. Der Beitritt ermöglichte rund 3,8 Millionen Rentnerinnen und Rentnern aus der DDR eine Eingliederung in die gesetzliche Rentenversicherung (gRV). Diese Eingliederung ist Ausdruck einer enormen kollektiven Solidarität im vereinten Deutschland. Für Neurentner werden Löhne und Erwerbsbiografien zu DDR-Zeiten im Grundsatz so behandelt, als ob die Personen im damaligen Westdeutschland gelebt und gearbeitet hätten. 


In der gRV werden die Anwartschaften der Versicherten in Entgeltpunkten (EP) bemessen. Im Folgenden wird die Summe der persönlichen EP von Zugängen in Altersrente unter Berücksichtigung des Zugangsfaktors (siehe Kasten) analysiert. Die Entgeltpunkte können mit dem jeweiligen aktuellen Rentenwert (ab 01.07.2014: 28,61 Euro West und 26,39 Euro Ost) multipliziert werden, um näherungsweise die Höhe der jeweiligen monatlichen Altersrente zu ermitteln. Würden sich die Alterseinkünfte von allein lebenden Frauen und Männern ausschließlich aus der gRV speisen, dann wären je nach Wohnort knapp 30 EP erforderlich, um Altersarmut zu vermeiden und über die Grundsicherungsschwelle zu kommen. Zeitreihenanalysen für den Zeitraum von der deutschen Einheit bis einschließlich dem Jahr 2014 zeigen anschaulich, wie sich die Höhe und Verteilung der Lebensarbeitseinkommen aus abhängiger Beschäftigung im Zeitverlauf entwickelt haben. Die Befunde werden differenziert für Männer und Frauen in West- und Ostdeutschland ausgewiesen, weil auch 25 Jahre nach dem Mauerfall unterschiedliche Löhne sowie Erwerbsbiografien und damit Rentenanwartschaften zu verzeichnen sind.

Entgeltpunkte


Entgeltpunkte (EP) werden bestimmt, indem die jährlichen individuellen rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommen durch das jährliche Durchschnittsentgelt aller Versicherten dividiert werden. Dadurch sind sie eine dimensionslose (preisbereinigte) Größe, die man als relative Wohlstandsposition interpretieren und als objektiven Indikator in die Sozialberichterstattung aufnehmen kann. Die sich über die gesamte Erwerbsbiografie ergebende Summe dieser EP stellt eine valide Messgröße für die Höhe der Anwartschaften der Versicherten gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung (gRV) dar. Zu beachten ist bei der Interpretation Folgendes: Einerseits wird bei der Berechnung dieser Entgeltpunkte der Zugangsfaktor berücksichtigt. Das heißt, vor allem bei Rentenzugang vor Erreichen der Regelaltersgrenze reduzieren Abschläge die EP, während Zuschläge die Renten erhöhen, jedoch nur selten vorkommen. Im Jahr 2014 werden 2 % aller Altersrenten durch Zuschläge erhöht und 24 % durch Abschläge reduziert. Zudem wird die Spanne der EP nach unten durch die Geringfügigkeitsgrenze (450 Euro monatlich in 2014) und nach oben durch die Beitragsbemessungsgrenze (BBG der allgemeinen RV monatlich 2014, Ost: 5.000 Euro, West: 5.950 Euro) begrenzt. Über der Beitragsbemessungsgrenze liegende Arbeitseinkommen wirken sich in der gRV nicht rentenerhöhend aus.


Betrachtet werden in Deutschland wohnende Versicherte mit erstmaligem Bezug einer Altersrente, die 60 Jahre und älter sind (sogenannte Inlandsrentner). Beziehende von Teilrenten, Renten mit scheidungsbedingtem Versorgungsausgleich sowie Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten wurden von der Analyse ausgeschlossen. Die Daten basieren auf Mikrodaten der Rentenzugangsstatistik der Jahrgänge 1993, 1998 und 2003 bis einschließlich 2014, die vom Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung (FDZ-RV) zur Verfügung gestellt werden. 


Herausgeber dieses Kapitels: WZB / SOEP

Datenreport: Kapitel 10.5.1

Lohnentwicklung


Beitragspflichtige Arbeitsentgelte, im Folgenden kurz Löhne genannt, stellen neben Kindererziehung und Pflege die zentrale Größe dar, aus denen sich individuelle Ansprüche gegenüber der gRV speisen. Weiter...

Datenreport: Kapitel 10.5.2

Entwicklung der Altersrenten


Die Summe der persönlichen Entgeltpunkte spiegelt die Anwartschaften der Versicherten gegenüber der gRV wider. Sie können als Bilanz der Erwerbs- beziehungsweise Versicherungsbiografien interpretiert werden. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Erwerbsbiografien von Frauen und Männern in den jeweiligen Regionen werden die empirischen Befunde differenziert nach Geschlecht sowie für Ost- und Westdeutschland in Dezilen ausgewiesen. Weiter...

Datenreport: Kapitel 10.5.3

Ausblick


Wie gezeigt wurde, spielen in den beiden Landesteilen Erwerbsbiografien, jeweilige Löhne sowie unterschiedliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle für die Anwartschaften bei der gRV. Unterschiedliche Löhne und Erwerbsbiografien in Ost und West haben sich in den letzten Jahren zunehmend verfestigt. Weiter...

 

Dossier

Rentenpolitik

Die Alterssicherung stellt, egal wie sie organisiert ist, in allen modernen Gesellschaften einen erheblichen Anteil an der Verwendung des Sozialprodukts dar. Sie ist quantitativ der Kernbereich des Sozialstaats. Weiter... 

Zahlen und Fakten

Top 15

15 ausgewählte Grafiken zeigen wichtige Aspekte aus den "Zahlen und Fakten"-Angeboten. Themen wie "Armut trotz Arbeit", "Entwicklung der öffentlichen Finanzen", "Grenzüberschreitender Warenhandel": mit unterschiedlich detaillierten Grafiken für den Einstieg und das vertiefte Studium, interaktiven Elementen zur besseren Verständlichkeit und den Daten, Texten und Grafiken zum Download. Weiter...