Datenreport 2016

Lohnentwicklung



3.5.2016
Beitragspflichtige Arbeitsentgelte, im Folgenden kurz Löhne genannt, stellen neben Kindererziehung und Pflege die zentrale Größe dar, aus denen sich individuelle Ansprüche gegenüber der gRV speisen. Damit bestimmen die in EP ausgedrückten relativen Löhne und die Länge der Erwerbsbiografie im Fall der Verrentung maßgeblich die Höhe der jeweiligen Altersrenten. Auf die damals bestehenden unterschiedlichen Lohnniveaus in den alten und neuen Bundesländern wurde im Rentenüberleitungsgesetz (RÜG 1991) durch Höherwertung der Ostlöhne reagiert.
Abb 1 Nominale jährliche Bruttodurchschnittslöhne in West- und Ostdeutschland (linke Skala)
und Höherwertung der Ostlöhne (rechte Skala) 1989 – 2014Abb 1 Nominale jährliche Bruttodurchschnittslöhne in West- und Ostdeutschland (linke Skala) und Höherwertung der Ostlöhne (rechte Skala) 1989 – 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die Höherwertung der Entgelte (Ost) mit dem in Abbildung 1 (rechte Skala) ausgewiesenen Faktor ist in Anlage 10, Sozialgesetzbuch VI dokumentiert und wird berechnet, indem die jährlichen Bruttodurchschnittslöhne (West) durch entsprechende Löhne (Ost) dividiert werden. Dieser Faktor weist aus, dass in den ersten Jahren nach der deutschen Einheit eine schnelle Lohnannäherung erfolgte, jedoch seit Mitte der 1990er-Jahre bis Ende 2014 die Durchschnittslöhne im Westen gleichbleibend knapp 20 % höher ausfallen als jene im Osten. Erklärungsansätze zur Begründung der Lohndifferenzen in Ost und West zielen häufig auf unterschiedliche Branchenstrukturen und Betriebsgrößen sowie Produktivitätsunterschiede ab. Die Produktivitätsunterschiede werden auf weniger industrielle Arbeitsplätze im Osten mit wertschöpfungsschwächerer Endfertigung und wenigen kapitalstarken Großunternehmen zurückgeführt. Insgesamt ist die Wirtschaftsstruktur im Osten kleinteiliger und hat eine niedrigere Exportquote als im Westen. Zudem befinden sich Hochlohnabteilungen wie Firmenleitungen und Forschungsabteilungen eher in West- als in Ostdeutschland. Des Weiteren ist eine starke Erosion der Tarifbindung selbst im verarbeitenden Gewerbe festzustellen: In Ostdeutschland wird nur noch jeder dritte Beschäftigte nach Tarif bezahlt, im Westen mehr als jeder Zweite. Allerdings haben Erwerbstätige im Osten oftmals höhere tatsächliche Arbeitszeiten als jene im Westen. Zudem kommen Teilzeitarbeit und Minijobs im Osten seltener als im Westen vor. Umgekehrt liegt die Arbeitslosigkeit im Osten knapp 70 % über Westniveau. Durch die sozialpolitische Kompensation der Ost-West-Lohnunterschiede im Rahmen der Höherwertung erfolgt trotz eines geringeren aktuellen Rentenwertes im Osten eine Anhebung der durchschnittlichen Rentenanwartschaften in Richtung Westniveau. 




 

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