Datenreport 2016

Ausblick



3.5.2016
Wie gezeigt wurde, spielen in den beiden Landesteilen Erwerbsbiografien, jeweilige Löhne sowie unterschiedliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle für die Anwartschaften bei der gRV. Unterschiedliche Löhne und Erwerbsbiografien in Ost und West haben sich in den letzten Jahren zunehmend verfestigt. Vor allem die sinkenden Anwartschaften ostdeutscher Männer verweisen auf sich ausbreitende Niedriglöhne und Beschäftigungsprobleme. Grundsätzlich ist nicht zu erwarten, dass in den nächsten Jahren eine Angleichung des Lohnniveaus zwischen Ost- und Westdeutschland erfolgen wird. Ab 2015 könnte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns die Abwärtsspirale des Lohnniveaus aufhalten. Hierzu sind empirische Befunde erforderlich, die aktuell noch nicht vorliegen können. Allerdings sind zunehmende regionale Disparitäten auch innerhalb der beiden Landesteile festzustellen (beispielsweise Schleswig-Holstein im Vergleich zu Bayern beziehungsweise Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu Brandenburg). Es existiert ein Süd-Nord-Gefälle hinsichtlich der Lohnhöhe, welches auf die stärkere Wirtschaftskraft in den südlichen Regionen zurückzuführen ist. Zudem ist das Lohnniveau im Allgemeinen in Städten und Ballungsräumen höher als in gering besiedelten Gegenden.


Im Koalitionsvertrag der 18. Legislaturperiode findet sich in Bezug auf eine mögliche Rentenangleichung die Formulierung: "Angleichungsprozess Ost-West fortsetzen. Der Fahrplan zur vollständigen Angleichung, gegebenenfalls mit einem Zwischenschritt, wird in einem Rentenüberleitungsabschlussgesetz festgeschrieben: Zum Ende des Solidarpakts, also 30 Jahre nach Herstellung der Einheit Deutschlands, wenn die Lohn- und Gehaltsangleichung weiter fortgeschritten sein wird, erfolgt in einem letzten Schritt die vollständige Angleichung der Rentenwerte. Zum 1. Juli 2016 wird geprüft, wie weit sich der Angleichungsprozess bereits vollzogen hat und auf dieser Grundlage entschieden, ob mit Wirkung ab 2017 eine Teilangleichung notwendig ist."


Vor dem Hintergrund der dargestellten Entwicklungen würde eine einheitliche Rentenberechnung die niedrigeren Anwartschaften im Osten zusätzlich verringern, eben weil sich die Einkommensverhältnisse nicht angeglichen haben. Da sie dies auf absehbare Zeit auch nicht tun werden, sollte eine transparente Lösung gefunden werden, die den andauernden Lohnunterschieden in den beiden Landesteilen Rechnung trägt und diese nicht eins zu eins auf die Höhe der Altersrente überträgt. Aus individueller Perspektive sind es vor allem die sinkenden Rentenansprüche von Männern im Osten und die niedrigen Anwartschaften bei der Mehrzahl der Frauen im Westen, die auf zunehmende Altersarmutsrisiken verweisen. Ein auskömmliches Leben im Alter gestaltet sich vor allem dann als schwierig, wenn diese Männer und Frauen nicht über weitere Personen, zum Beispiel im Rahmen langjähriger Ehen, im Haushaltskontext abgesichert sind. Zudem weisen zahlreiche Studien nach, dass das Vertrauen gegenüber Formen der privaten und betrieblichen Altersvorsorge im Zuge der Finanzmarkt- und Bankenkrise vor allem bei Geringverdienenden gesunken ist. Insofern ist davon auszugehen, dass Besserverdienende eher private und betriebliche Altersvorsorge betreiben, um das sinkende Rentenniveau kompensieren zu können. Darüber hinaus weisen höher Qualifizierte ein geringeres Risiko auf, wegen chronischer Erkrankungen vorzeitig mit Erwerbsminderungsrente aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu müssen. Die genannten Aspekte machen deutlich, dass eine konsequente Re-Orientierung hin zu den sozialpolitischen Zielen der "Lebensstandardsicherung und Armutsvermeidung im Alter" notwendig ist.



 

Dossier

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